Themen
TopThemen
Fonds
Fondsanalyse
Mediathek
Märkte
Finanzberatung
Versicherungen
Boulevard
Experten
Denker der Wirtschaft
Krypto
Services
Academy Newsletter Veranstaltungskalender Finanz-Charts Globale Märkte Krypto-Kurse (in Echtzeit) Währungen (in Echtzeit)
Alexander Seibold

Alexander Seibold

„Markowitz funktioniert nicht mehr“

//

DAS INVESTMENT.com: Bis Mitte 2008 ging es für Ihren Fonds fast 30 Prozent nach unten. Ende des Jahres stand dann ein Plus von 20 Prozent. Zumindest der Chart sieht abenteuerlich aus. Können Sie dieses Geschaukel einordnen? Alexander Seibold: Wie fast jeder Investor sind wir im Januar 2008 auf dem falschen Fuß erwischt worden und waren schneller 6 Prozent hinten, als uns lieb war. Das ging alles wahnsinnig fix. Im Juni haben wir dann auf eine erste Besserung gehofft, vergebens. Dann haben wir das Portfolio glatt gestellt. Als dann die Probleme um Fannie Mae und Freddie Mac kamen, und dazu das Lehman-Desaster, haben wir das Portfolio gedreht. Wir haben Short-Indexfonds gekauft, und daraufhin von den fallenden Märkten enorm profitiert. DAS INVESTMENT.com: Welche Lehren ziehen Sie aus dem vergangenen Jahr? Seibold: Ein erfolgreiches Management kann nur noch über einen risikogesteuerten Ansatz umgesetzt werden. Ich habe noch nie etwas von diesen typischen Berateranätzen gehalten: Ziehe von 100 dein Lebensalter ab, und das Ergebnis verrät dir, wie viel Prozent an Aktien dein Portfolio verträgt. Das ist Blödsinn. Eine Lehre aus 2008 muss sein: Buy-and-hold, kaufen und liegenlassen, funktioniert nicht, und Markowitz funktioniert auch nicht mehr. DAS INVESTMENT.com: Sie stellen den Aufbau einer Asset Allocation in Frage. Seibold: In der Theorie kennt Markowitz nur das unkorrelierte Risiko. Gäbe es das, wäre eine Asset Allocation in der Tat ein sehr gescheiter Ansatz. Aber dem ist nun mal nicht so: In der Krise geht alles runter. Das hat 2008 gezeigt. Universitätsstiftungen haben massiv verloren, der riesige norwegische Pensionsfonds hat Milliarden verloren. Ich habe in Handelsabteilungen gearbeitet und gelernt, jeden Trade gemäß seines Risikos zu kalkulieren. Wenn ich weiß, dass sich eine Welle vier Meter hoch aufbäumen kann, dann muss ich den potenziellen Schaden kalkulieren und mich schützen. Ich kann nicht im Nachhinein feststellen, dass alles kaputt ist, und mir attestieren, dass die Zerstörungen nun mal in der Natur solcher Ereignisse liegen. DAS INVESTMENT.com: Wie können Sie Risiko kalkulieren? Seibold: Mit sehr viel Disziplin und einer konsequenten Umsetzung von Stopp-Loss-Kursen. Wie viel bin ich bereit innerhalb eines Jahres zu verlieren? Diese Zahl kann ich auf Monate und Tage runterbrechen. Ich habe die Kennziffer „R“ und einen Markt. Ich analysiere den Markt und komme zu dem Schluss, dass dieser um 40 Prozent nachgeben könnte. Das volle Risiko will ich nicht tragen. Also sichere ich mich ab und setze dazu auch Short-Fonds ein. Ist „R“ für einen Monat aufgebraucht, ist Schluss, dann positionieren wir uns neutral. DAS INVESTMENT: Gut, dass es Short-Indexfonds gibt. Seibold: In der Tat. Wobei man auch vorsichtig sein muss: Wir fahren gerne rückwärts, aber nur im ersten Gang. DAS INVESTMENT.com: Was erwarten Sie vom laufenden Börsenjahr? Seibold: Die Erholung wird weitergehen. Aber nicht sehr lange. Ich rechne erneut mit Problemen und fallenden Kursen im dritten und vierten Quartal. Es wird noch mal zu einem massiven Ausverkauf kommen. Die USA werden Hedge-Fonds verstärkt regulieren und zu einem Abbau des Leverage anhalten. Vereinzelt zocken die Fonds mit einem Hebel von 30, alles mit geliehenem Geld. Dieser Abbau wird noch mal sehr viel Druck auf den Markt auslösen. Nützliche Links: Homepage der Seibold Vermögensverwaltung

Mehr zum Thema
Turbo-Kapitalismus: Feuer unterm Dax
Markowitz: „Die globalen Finanzmärkte sind ein völliges Durcheinander“
Immergrüne Theorie
nach oben