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Markt für US-Policen-Fonds in der Schockstarre

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2007 brachten die Emissionshäuser neue Produkte auf den Markt und sammelten fleißig Anlegerkapital ein. 2008 sollte es nicht anders sein, so die Erwartung. Doch die wurde enttäuscht. „Die US-Fonds machten 2008 Pause“, erklärte Laumont im Rahmen des „Internationalen Zweitmarktgipfels“ diese Woche in München. Nur ein Fonds wurde neu aufgelegt, das platzierte Eigenkapital sank von 310 Millionen Euro 2007 auf 47 Millionen Euro. Grund für die Zurückhaltung war die Verunsicherung durch die Finanzkrise und die Fast-Pleite des amerikanischen Versicherungsriesen AIG. „Wir bekamen viele Anrufe von Investoren, die wissen wollten, ob das investierte Kapital im amerikanischen Versicherungsmarkt noch sicher ist“, so BVZL-Vorstand Laumont. Eine nicht ganz ungerechtfertigte Sorge, wie Emmanuel Modu, geschäftsführender Direktor der auf Versicherungen spezialisierten Rating-Agentur A.M. Best auf dem Zweitmarktgipfel bestätigte. Zahl der angeschlagenen US-Versicherer 2009 höher
Für dieses Jahr erwartet er, dass sich die Zahl der finanziell angeschlagenen Versicherer signifikant erhöhen wird. Auswirken würden sich zum einen sinkende Absatzzahlen. „Die Leute sind gerade eher damit beschäftigt, ihre Hypotheken zurückzuzahlen, als neue Verträge abzuschließen“, so Modu. Hinzu kämen Einbußen bei der Kapitalanlage, insbesondere bei den Assekuranzen, die stärker in Aktien und strukturierte Produkte investiert seien. Problematisch sei gerade für die Anbieter von Fondsprodukten wie Variable Annuities aber auch, dass es teuer werde, die Garantieleistung der Verträge sicherzustellen. Modu stellte allerdings ebenfalls klar, dass es trotz Insolvenzen bisher noch nie zu Kürzungen der Todesfall-Leistungen gekommen sei. Und auf die kommt es für die Investoren schließlich an. Denn anders als bei deutschen Lebensversicherungen steht die Ablaufleistung bei den amerikanischen Lebensversicherungen (Life Settlements) zu Vertragsbeginn schon fest. Es handelt sich vielmehr um eine Wette auf ein „pünktliches Sterben“ der Versicherten, weswegen die Anlageklasse in der Vergangenheit auch des Öfteren in die moralische Diskussion geriet. US-Policenfonds sind unabhängig vom Kapitalmarkt
Andererseits sind die Policen deshalb nicht so sehr vom Kapitalmarkt abhängig wie beispielsweise die deutschen oder britischen Lebensversicherungen. Geschlossene Fonds, die auf diesen Policen beruhen, können daher ein ausgleichendes Element in der Asset Allocation von Investoren sein, gerade in unsicheren Krisenzeiten. Für verlässliche Renditen ist aber eines wichtig: möglichst genaue Prognosen zur restlichen Lebenserwartung der Policeninhaber. Und gerade hier kam es im vergangenen Jahr zu massiven Anpassungen. Neue Sterbetafeln und eine bessere Datenlage zeigten nämlich, dass sich die Gutachter bei den Lebenserwartungsprognosen teilweise stark verschätzt hatten. Um bis zu 25 Prozent mussten die medizinischen Gutachter die Lebenserwartungsschätzungen anheben. Lebt der Versicherte aber länger als von den Gutachtern geschätzt, sinkt die Rendite. Denn der Fonds muss zum einen länger Prämien zahlen und bekommt zum anderen  die Versicherungssumme erst später ausgezahlt. Massive Anpassungen der Lebenserwartung soll es nicht mehr geben
Dass die Anbieter der US-Policen-Fonds die Renditeeinbußen wieder gut machen können, sieht Michael Fasano, Chef des medizinischen Gutachters Fasano Associates aus Washington, nicht: „Hast Du beim Kauf der Police die Lebenserwartung falsch eingeschätzt, kannst Du den Renditeverlust nicht mehr aufholen.“ Dabei wies der Fasano-Chef einen Teil der Verantwortung für das Rendite-Debakel – Fasano Associates gehörte zu den Gutachtern, die sich nicht ganz so stark verschätzt hatten –auch den Emittenten der US-Policen-Fonds zu. „Da wurden speziell Policen mit kurzen Restlebenserwartungen ausgesucht, um die Fonds besser verkaufen zu können.“ Fasano versprach auf dem Zweitmarktgipfel, dass es Anpassungen in der Größenordnung vom September 2008 nicht mehr geben werde. Eine Verfeinerung der Schätzungen bei einer weiteren Vergrößerung der Datenlage dagegen schon. Um sich gegen diese Unsicherheit abzusichern zeigen sich die Emittenten einfallsreich. Der Anbieter Wealth Management Capital Holding (WealthCap) konstruiert beispielsweise gerade ein Produkt, das nicht nur auf ein oder zwei Gutachten setzt, sondern den Mittelwert aus drei Gutachten ermittelt und diesen Wert wiederum ins Verhältnis mit den Daten einer Sterbetafel setzt. BVZL: Markt hat trotzdem Potenzial
Trotz der Schwierigkeit im vergangenen Jahr zeigt sicht der BVZL zuversichtlich für diese Anlageklasse. Insbesondere die weitgehende Unabhängigkeit der Policen-Fonds von anderen Anlageklassen würde die Produkte wieder in den Fokus der Anleger rücken.

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