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Marktausblick 2023 „Ich sehe in Europa wenig Potenzial nach oben“

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Die Zinserhöhungen haben dieses Jahr stark auf die Börsen durchgeschlagen. Vor allem bei den Tech-Konzernen. Schließlich fallen deren zukünftigen Gewinne in Zeiten hoher Inflationen deutlich niedriger aus. Nun prognostizieren Sie einen Rückgang der globalen Inflation von 8,3 auf 3,5 Prozent.

Paolini: In den USA geht es sogar Richtung 3 Prozent.

Wenn wir über 3 Prozent reden, dann wäre die logische Schlussfolgerung, dass die hart abgestraften Tech-Werte nun wieder ein gutes Investment sein müssten, wenn man sich für die Trendwende aufstellen möchte.

Paolini: Ja, das stimmt.

Also legt man den Fokus wieder verstärkt auf Growth und insbesondere Tech oder bleibt man bei Value? Wie sollte Ihrer Meinung nach ein Depot in das Jahr 2023 starten?

Paolini: Wir setzen vor allem auf Qualitätswerte und werden uns eher Richtung Schwellenländer fokussieren. Vielleicht Tech, wenn die Bonds-Renditen stark fallen. 

Tech heißt in diesem Fall US-Tech?

Paolini: Vor allem US-Tech, aber nicht ausschließlich. Natürlich werden Technologiewerte von den USA dominiert. Aber Sie haben recht: Die Technologiewerte haben zu viel an Wert verloren. Wir reden immer noch von mächtigen Unternehmen, die extrem profitabel sind.

 

Viele Techkonzerne haben an Wert verloren. Aber sind sie deshalb auch unterbewertet?

Paolini: Einige vielleicht schon. Auch die großen, guten Unternehmen, sind stark gefallen. Und auch die kleinen Unternehmen werden mehr vom Rückgang der Bonds-Renditen profitieren. Diese zwei Segmente - die besten und die schlechtesten - werden womöglich besser laufen.

Trotzdem bleiben Sie die nächsten drei bis sechs Monate untergewichtet in Aktien. Sie sind weiterhin bearish für die USA und auch für die Eurozone?

Paolini: Ja.

Das sind keine guten Nachrichten für uns. Was ist denn Ihrer Meinung nach der große Bremsklotz in der Eurozone?

Paolini: Erstens ist die relative Bewertung der europäischen Aktien gegenüber dem Rest der Welt nicht attraktiv. Und zweitens glauben wir, dass die Unternehmensgewinne in der Eurozone stark fallen werden. Dieses Jahr waren sie überraschend gut. Nächstes Jahr, wenn die Gewinne fallen, ist die Bewertung nicht mehr attraktiv. Und wir erwarten null Wachstum. Ich sehe in Europa wenig Potenzial nach oben.

Also ist die Jahresendrallye, die wir in den vergangenen Wochen gesehen haben, verfrüht?

Paolini: Nein. Der Rückgang der Inflation ist natürlich relevant. Auch wenn ein Plus von 20 Prozent beim Dax übertrieben ist. Aber ich kann es auch verstehen, weil die Investoren vor zwei Monaten extrem pessimistisch waren. Insgesamt sind wir von zu viel Pessimismus in Richtung zu viel Optimismus gegangen. Denn die Fundamentaldaten sind jetzt nicht viel besser als vor zwei Monaten. Von daher ist das Ausmaß etwas übertrieben.

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