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IWF-Chefin Kristalina Georgieva und Min Zhu von der Tsinghua-Universität, Peking: Geht dem Wachstum die Puste aus, müssen die Staaten an ihren Fiskal- und Haushaltsschrauben drehen.  | © Getty Images

Marktausblick

Besser investiert als an der Seitenlinie

Laurent Denzie, Global Co-CIO & Global Head of Fixed Income bei ODDO BHF Asset Management

p>Die Märkte sind derzeit hin- und hergerissen – zwischen der Hoffnung auf weitere geldpolitische Lockerungen in Industrie- und Schwellenländern und den tatsächlichen Notenbankentscheidungen. Der robuste US-Arbeitsmarkt und der steigende ISM-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Sektors in den Vereinigten Staaten zeigen einerseits, dass es weiterhin gut um die US-Konjunktur bestellt ist. Sollte sich das globale Wirtschaftswachstum stabilisieren oder sogar anziehen, wären weitere Leitzinssenkungen überflüssig.

Andererseits haben die Zentralbanken das Ende der geldpolitischen Fahnenstange erreicht. Immer wieder verweisen sie darauf, dass die Geldpolitik das Wirtschaftswachstum nicht länger stützen kann. Sollte dem Wachstum die Puste ausgehen, müssen die Staaten an ihren Fiskal- und Haushaltsschrauben drehen.

Konjunktursensible Firmen und Mid Caps dürften zuerst profitieren

Während die Unternehmens-Ergebnisse in den USA im dritten Quartal 2019 mit einem Plus von 4,86 Prozent überraschend gut ausfielen, entsprechen die Ergebnisse der europäischen Unternehmen immerhin den Erwartungen. Zuvor waren die Prognosen deutlich nach unten korrigiert worden.

Erst optimistischere Wachstumsaussichten, weitere geldpolitische Lockerungen und eine Entspannung im Handelskonflikt dürften den Unternehmen tatsächlich Auftrieb verleihen – zuallererst konjunktursensiblen Firmen und Mid Caps. Doch vorläufig sind die Erwartungen an den Kapitalmärkten überzogen: Eine Neubewertung und damit geringere Risikoprämien sowie hohe Ausschüttungs-Quoten werden die Ergebnisse vermutlich stärker beeinflussen als die Gewinndynamik selbst.

Sobald sich der Trend hoher Mittelabflüsse aus Aktienfonds umkehrt und die geopolitischen Risiken sinken, dürften institutionelle Investoren und Privatanleger den Märkten wieder Schub verleihen.

Im Nullzinsumfeld bleiben Aktien mit durchschnittlichen Renditen von rund 7 Prozent Erfolg versprechend. Auch Unternehmensanleihen bieten Chancen, weil sie aufgrund der Carry-Rendite Wechselkursvorteile ausnutzen können.

Ausblick 2020

Investoren sollten Aktien weiterhin gegenüber Anleihen übergewichten – den Risiken innerhalb der Weltwirtschaft zum Trotz. Erholt sich die Konjunktur, dürfte einerseits der US-Dollar als antizyklische Währung abwerten und Rohstoffpreise andererseits zum Vorteil der Schwellenländer steigen.

Derzeit absehbar ist, dass zyklische Sektoren an den Kapitalmärkten kurzfristig besser abschneiden als defensive Branchen. Eine nachhaltige Sektor-Rotation ist indes nicht zu erwarten. Zwar werden voraussichtlich die Renditen 10-jähriger Anleihen auf absehbare Zeit niedrig bleiben. Weiter sinken werden sie vermutlich nicht. Aber selbst bei einer Rezession würden die 10-Jährigen ihren Status als sicherer Hafen bewahren.

Wer investiert, sollte Risikotitel wie Aktien jetzt im monatlichen Turnus auf den Zyklus abstimmen und dabei einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren zugrunde legen. Auch wenn starke makroökonomische Signale derzeit noch fehlen, gilt: Im Zweifel für das Investment.

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