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Ein Techniker kontrolliert die Fördermengen auf einem Ölfeld in Alberta, Kanada: Durch den massiven Preisverfall erwägen einige Staaten einen Produktionsstopp. | © imago images / Design Pics Foto: imago images / Design Pics

Marktchancen trotz Corona-Pandemie

Hoffnungsschimmer für die Ölpreise

Die Welt befindet sich inmitten einer tiefen Rezession. Für Investoren stellt sich die Frage, inwieweit diese Rezession aktuell bereits in den Kursen eingepreist ist.

Der Shutdown, den viele Staaten zurzeit umsetzen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zumindest zu verlangsamen, hat auch massive Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die Einführung von Ausgangssperren, Kontaktverboten, Quarantäneauflagen und die Schließung vieler Unternehmen wurde von den Staaten schrittweise, in unterschiedlicher Intensität, und anfangs nur sehr zögerlich umgesetzt. Die Auswirkungen auf die Konjunkturverläufe sind massiv.

Allerdings dürfte sich im dritten Quartal das weltweite Wirtschaftswachstum wieder spürbar erholen. Voraussetzung ist allerdings, dass die bestehenden Maßnahmen gelockert werden und beim weiteren Kampf gegen die Pandemie mehr Rücksicht auf die Wirtschaft genommen wird. Die von den Staaten aufgelegten Hilfspakete dürften uns aber vermutlich noch länger begleiten als die Pandemie selbst.

Aktien, US-Dollar, Anleihen

Kern der verschiedenen Hilfsprogramme sind weitreichende fiskal- und geldpolitische Maßnahmen und Konjunkturpakete in bislang nicht vorstellbarem Ausmaß. Auch dies dürfte dazu beitragen, den Aufschwung voranzutreiben, sobald die Wirtschaft wieder anläuft und die Arbeitnehmer an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Anleger sollten sich deshalb in globalen Aktien insgesamt eher neutral positionieren und dazu übergehen, europäische Standardwerte hoher Qualität überzugewichten. US-Aktien dürften hingegen in den nächsten zwölf Monaten hinter ihren ausländischen Pendants zurückbleiben.

Währungspolitisch dürfte der US-Dollar seinen Zenit erreicht haben. Ein schwächerer Greenback könnte auch dazu beitragen, den Rohstoffpreisen wieder Auftrieb zu geben und dadurch den Druck auf zyklische Aktienmarktsektoren mittelfristig zu begrenzen.

Am Anleihemarkt ist die Situation erheblich heterogener. Die Renditeaufschläge für europäische Hochzinsanleihen dürften sich in den kommenden zwölf Monaten einengen. So bieten die Renditeaufschläge allmählich eine – gemessen am Ausfallrisiko – hinreichende Prämie. Dennoch sollte Investment-Grade-Titeln kurzfristig der Vorzug gegeben werden. Grund hierfür ist das durch die Unterstützung der Zentralbanken günstigere Risiko-/Ertragsprofil.

Öllager laufen voll

An den Rohstoffmärkten lohnt derzeit der durch verschiedene Faktoren beeinflusste niedrige Ölpreis den genauen Blick. Der extreme Kursverfall sollte zu Investments in Öl genutzt werden. Ohne ein konzertiertes Vorgehen der Hauptproduzenten – im Wesentlichen Saudi-Arabien, Russland und die US-Schieferölproduzenten – zur Drosselung der Produktion dürften die Lager bald weltweit bis zum Anschlag gefüllt sein.

Ölkontrakte mit einer Laufzeit bis Mai 2020 werden zu 20 US-Dollar pro Barrel gehandelt, solche mit Laufzeit bis Januar 2021 zu 33,5 US-Dollar. Da die Lagerbestände im Zuge der massiven Nachfrage- und Angebotsschocks zurzeit in die Höhe schnellen, werden sich die Preise bei etwa 20 Dollar pro Barrel einpendeln, sofern die Politik nicht aktiv wird.

Trump interveniert im Öl-Streit

Erste Interventionen hat es bereits gegeben. So hat Präsident Donald Trump jüngst sowohl mit Russlands Präsident Wladimir Putin als auch mit Kronprinz Mohammed Bin Salman al-Saud von Saudi-Arabien telefoniert.

Da die Situation durch die vollen Lager und die fallenden Preise allmählich kritisch wird, sind Produktionsdrosselungen in den kommenden Tagen nicht ausgeschlossen. Sobald diese greifen, dürften die Preise auch wieder steigen. Die globale Nachfrage könnte dann ebenfalls in diesem Sommer wieder anziehen, was zu einer deutlichen Erholung der Preise führen wird. Für das Gesamtjahr erwarten wir eine Erholung der Preise für Brent-Öl auf mindestens 30 US-Dollar pro Barrel, nachdem zu Jahresbeginn noch 57 Dollar pro Barrel gezahlt wurden – das entspräche einer durchaus ordentlichen Rendite von 50 Prozent.

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