Marktexperten schätzen ein Löst Italien die nächste Eurokrise aus?

„Reformen in Italien werden nicht gelingen“

„Reformen in Italien werden nicht gelingen“

Präsident des Münchner Ifo-Instituts Clemens Fuest warnt vor einer baldigen europäischen Finanzkrise: Die könne eintreten, wenn die Kapitalmärkte weiter ihr Vertrauen in die Stabilität des Euro verlören, sagte Fuest der Passauer Neuen Presse. Und auch die politischen Handlungsträger in Italien geben Fuest Anlass zur Sorge: „Mittelfristig wird es sicherlich zu einer wirtschaftlichen und politischen Krise kommen, wenn die nächste italienische Regierung die Staatsverschuldung so ausdehnt, wie Lega Nord und Fünf Sterne es angekündigt haben."

Der Wirtschaftsexperte glaubt nicht, dass Italien Reformen im europäischen Sinne in die Wege leiten werde. Dafür zeigt er sogar Verständnis: Wenn demokratisch entschieden werde, keine Reformen anzugehen und dafür höhere Staatsschulden in Kauf zu nehmen, müsse man das akzeptieren, so Fuest. Allerdings dürfe Italien den wirtschaftlichen Schaden nicht auf andere Länder abschieben.

Da eine von Lega Nord und Fünf-Sterne-Bewegung gestellte zukünftige Regierung die europäischen Schuldenkriterien allem Anschein nach nicht einhalten würden, hält Fuest auch ein Rettungsprogramm für Italien - wie es Griechenland, Portugal oder Irland gesehen haben - für ausgeschlossen.

Nachdem die Regierungsbildung am Sonntag vorerst gescheitert ist, verhandeln die eurokritischen Parteien Lega Nord und Movimento 5 Stelle aktuell weiter – mit unklarem Augang.

Beobachter messen dem Land eine weit höhere Bedeutung für den Euroraum bei als dem ebenfalls überschuldeten Griechenland, das 2015 in Konflikt mit der Gemeinschaft geriet. Ein drohender Grexit konnte damals abgewendet werden, Griechenland schwenkte am Ende wieder auf einen europakonformen Kurs ein.

Mit Blick auf Italien gibt vor allem die noch viel höhere Verschuldung Anlass zur Sorge: Das Land hat rund 2,3 Billionen Euro Schulden angehäuft, den höchsten Schuldenstand aller Euroländer. Die aus den Parlamentswahlen siegreich hervorgegangenen EU-kritischen Parteien lassen nicht erkennen, dass sie an einer ausgeglichenen Bilanzu interessiert seien. Ganz im Gegenteil: Beide Parteien kündigen lautstark Maßnahmen wie etwa eine Absenkung des Rentenalters an, die die Staatsverschuldung weiter in die Höhe treiben dürften.

Ob die aktuelle Situation in Italien auch eine umfassende Eurokrise nach ziehen könnte, schätzen hier fünf Wirtschaftsexperten ein.

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