Gershon Distenfeld, Director of High-Yield Debt bei AB

Gershon Distenfeld, Director of High-Yield Debt bei AB

Marktkommentar AB

High-Yield-ETFs erlitten schlimmste Verluste

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ETF sind ohne Zweifel eine bequeme Art der Anlage in Hochzinsanleihen. Im Gegensatz zu Investmentfonds, die nur ein Mal am Tag bewertet werden, sind ETF börsengehandelte Instrumente, die jederzeit ge- oder verkauft werden können.

Weshalb war der Ölpreisrückgang aber für ETF, die in Hochzinsanleihen investieren, so schlimm? Um hierauf eine Frage zu finden, lohnt es sich, die Funktionsweise von ETF genauer zu untersuchen.

Gewichtung ist nicht alles

High-Yield-ETF sind darauf ausgerichtet, einen Index nachzubilden. Ihre Vermögensallokation hat also die des Index widerzuspiegeln. Im Hochzinssektor geht dies mit einem erheblichen Engagement im Energiesektor einher.

Warum? Energieunternehmen gingen in den letzten Jahren fleißig an die Kreditmärkte, um technologische Innovationen und die Entdeckung von Schiefergas in den USA und Kanada durch erhöhte Investitionen zu finanzieren. Hochzinsanleihen aus dem Energiesektor machen daher rund 15 Prozent des Barclays High Yield Index aus – mehr als jeder anderer Sektor.

Und mehr ist bekanntlich nicht immer mit besser. Als im letzten Jahr die Energiepreise einbrachen, wurden High-Yield-ETFs wegen ihres hohen Engagements in Schuldtiteln von Energieunternehmen in Mitleidenschaft gezogen. Aktive Manager konnten reagieren, indem sie ihre Bestände im Energiesektor reduzierten, denn sie waren nicht an den Index gebunden. ETF-Anleger konnten sich indes den Verlusten nur entziehen, indem sie sich von ihrer Anlage vollkommen trennten.

Dieser Aspekt ist jedoch nicht nur in Bezug auf Energie ein Problem. Wie von uns bereits an früherer Stelle erwähnt, ereignete sich etwas Ähnliches 2002 mit Telekommunikationsunternehmen, obwohl es damals natürlich noch keine ETF gab. Unlängst wäre ein Anleger mit einem Bestand in einem in Emerging-Market-Anlagen investierten ETF einem Engagement in Argentinien und Venezuela ausgesetzt gewesen – zwei der schwächsten Volkswirtschaften Lateinamerikas – und auch in Russland, dessen Wirtschaft unter niedrigen Energiepreisen und Wirtschaftssanktionen in Zusammenhang mit dem Konflikt mit der Ukraine zu leiden hat.

Qualität, nicht Quantität

Bei Hochzinsanleihen geht es nicht nur um die Quantität der Anlage. Welche Anleihen gehalten werden, ist ebenfalls wichtig, vor allem in Zeiten hoher Volatilität. So sind nicht alle Energieanleihen gleich. Einige, insbesondere diejenigen, die von Unternehmen im Explorations- und Produktionssektor begeben werden, sind niedrigeren Ölpreisen stärker ausgesetzt als andere.

Mithilfe sorgfältiger Kreditanalysen können aktive Manager diejenigen Wertpapiere identifizieren, die gut abschneiden dürften oder aber mit den meisten Risiken behaftet sind. Dies gilt für alle Teile des Hochzinsmarktes, nicht nur für Energietitel. So ist die Titelauswahl bei Junk-Bonds mit CCC-Rating, die von anfälligen, stark verschuldeten Unternehmen aus allen Sektoren begeben werden, absolut ausschlaggebend. ETF müssen jedoch den gesamten Index abbilden. Sie haben keine freie Wahl.

Transaktionskosten beachten

Und schließlich noch ein Wort zu den Kosten. Passive ETF im Bereich der Hochzinsanleihen wurden auch deshalb beliebt, weil sie einen einfachen und kostengünstigen Zugang zum Markt bieten. Die Verwaltungsgebühren sind im Allgemeinen niedriger als bei aktiv gemanagten Investmentfonds, ja sogar im Vergleich zu einigen passiven Fonds. Allerdings gilt es auch die Transaktionskosten zu berücksichtigen, die schnell steigen können.

In schwierigen Marktperioden steigen die Transaktionskosten, und zwar nicht nur, weil die Anleger häufiger handeln. Bei steigender Volatilität weitet sich in der Regel die Differenz zwischen dem Preis, den Käufer zu zahlen und Verkäufer zu akzeptieren bereit sind (im Fachjargon die Geld-Brief-Spanne) aus, und die damit zusammenhängenden Kosten können die Renditen mindern.

Ein häufiger Handel in ETF kann außerdem dazu führen, dass ihre Anteile zu einem Auf- oder Abschlag gegenüber dem berechneten Nettoinventarwert gehandelt werden. Sehen sich also Anleger gezwungen, zu ungünstigen Zeitpunkten zu kaufen oder verkaufen, kann dies ebenfalls zu erhöhten Kosten und niedrigeren Renditen führen. Und die Transaktionen nehmen in schwierigen Marktperioden in der Regel zu. Gewöhnlich machen ETF rund 15 Prozent des Handelsvolumens auf Anteilsbasis aus. Während des Abverkaufs im letzten Oktober stieg dieser Anteil jedoch auf 23 Prozent und im Jahr 2008 gar auf 34 Prozent gemäß Morgan Stanley.

Mehr Flexibilität mit einem aktiven Ansatz

Wie wir zeigen konnten, können High-Yield-ETF ihre Allokationen nicht durch eine Untergewichtung eines bestimmten Sektors anpassen. In wirklich schwierigen Zeiten sind die Anleger unter Umständen dazu gezwungen zu verkaufen. Aktive Manager haben indes mehr Handlungsspielraum und können ihre Kosten über eine sorgfältige Titelauswahl und durch weniger Transaktionen, vor allem in volatilen Zeiten, senken.

Wir gehen davon aus, dass die in den letzten Monaten verzeichnete Volatilität im weiteren Jahresverlauf anhalten wird. Anleger, die bei der Titelauswahl sorgfältig vorgehen und ihre Engagements streuen, haben von der Volatilität jedoch nichts zu befürchten. Während High-Yield-ETFs, die Indizes nachbilden, für kurzfristige Transaktionen sinnvoll sein können, bietet ein aktiverer Ansatz unseres Erachtens in einem stürmischeren Marktumfeld einen besseren Schutz.