Marktkommentar AB USA-Europa-Schwellenländer – wo gibt es noch Erträge für Anleiheinvestoren?

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Mit der allmählichen Abkehr der EZB von der Strategie des billigen Geldes dürfte es nicht nur im Bereich der Investment-Grade-Unternehmensanleihen, sondern auch bei den Hochzinsanleihen zu Verschiebungen kommen. In der jüngeren Vergangenheit wurden High Yield-Papiere auch von Investoren gekauft, die sich typischerweise in Investment-Grade-Unternehmensanleihen engagiert hatten – aber wegen des Renditeverfalls auf risikoreichere Alternativen ausweichen mussten. Sollten im Zuge einer möglichen Tapering-Debatte bessere Renditen in den Investment-Grade-Bereich zurückkehren, ist durchaus davon auszugehen, dass sich einige Anleger wieder aus dem Markt der Hochzinsanleihen verabschieden. Und das wiederum sorgt im High Yield-Bereich für eine negative Entwicklung der Risikoaufschläge.

‚Flexibilität ist Trumpf‘ – Dieser Spruch sollte im aktuellen Marktumfeld mehr denn je das Credo bei Anlagestrategien sein. So gilt es auf dem europäischen High Yield-Markt die großen Benchmark-Titel zu meiden. Denn viele Anleger, die lediglich aus taktischen Überlegungen an diesem Markt investiert sind, haben die Bewertung dieser Titel über passive oder benchmarknahe Investmentstrategien stark gestützt. Ertragsstärkere Anleihen, die aus dem Marktsegment mit Einzel-B-Bewertung stammen und geringer in den Indizes gewichtet sind, könnten sich als widerstandsfähiger erweisen. Bei den Branchen favorisieren wir derzeit den Finanzsektor. Die Emittenten sind nicht Bestandteil des EZB-Programms und gleichzeitig sehen wir insbesondere bei einigen skandinavischen und kerneuropäischen Instituten eine positive Bilanzentwicklung.

Schwellenländer wieder spannend

Im vergangenen Jahr haben zahlreiche Anleger aufgrund der guten Bewertungen den Schritt in globale Hochzinsanleihen gewagt. Nun ist dieser Markt seit März des letzten Jahres jedoch sehr gut gelaufen und weist keine besonders attraktive Durchschnittsbewertung mehr auf. Anleger müssen sich daher andernorts umsehen. Eine Möglichkeit bietet ein Engagement in Schwellenländer. Die Emerging Markets haben noch nicht die überhöhten Bewertungsniveaus erreicht wie der Hochzinsanleihemarkt. Besonders interessant scheinen derzeit der Markt für Lokalwährungsanleihen sowie das BB/B-Segment der Hartwährungs-Staatsanleihen.

Insbesondere im Lokalwährungssegment sehen wir noch historisch günstige Bewertungen und gleichzeitig wenig Interesse seitens der Trump-Regierung daran, den US-Dollar kurzfristig zu stärken. Im Fokus liegen zum Beispiel Staaten aus Lateinamerika, in denen die Notenbank relativ großen geldpolitischen Handlungsspielraum hat, die Zinsen zu senken. Aspekte wie eine zurückgehende Inflationsrate, ein solides oder gar positives Wachstumsmomentum und darüber hinaus auch positive politische Umwälzungen stützen diese positive Tendenz. Demzufolge können sich auch Lokalwährungen aus den Schwellenländern als zusätzlicher Renditetreiber und als Alternative zu Anlagen aus weniger attraktiven Hochzinssegmenten im Portfolio erweisen.

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