Mark Mobius, Chef der Templeton Emerging Markets Group

Mark Mobius, Chef der Templeton Emerging Markets Group

Marktkommentar

„China bleibt ein Phänomen“

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Seit Mitte Juni ist der chinesische Binnen-Aktienmarkt gemessen am Shanghai Composite Index (A-Aktie) um 30 Prozent zurückgegangen. Der Hong Kong Hang Seng Index (H-Aktie) verlor 20 Prozent gegenüber den Höchstwerten im Mai. Die jüngste Korrektur im chinesischen Markt dürfte grundsätzlich nichts anderes sein als das Zusammenspiel von zu viel Euphorie und einer natürlichen Korrektur. Dennoch lassen sich drei Entwicklungen ausmachen, die zu diesem jüngsten Anflug von Panik in Chinas Märkten beitrugen.

Erstens stieg der Markt letztes Jahr äußerst schnell und sprengte viele Bewertungsmaß-stäbe. Einige Anleger verließen daraufhin den Markt. Zweitens stiegen viele Neuzugänge an der Börse um 40 Prozent und verursachten eine Flut neuer Aktienemissionen. Diese Neuemissionen entziehen dem übrigen Markt Geld. Drittens ermöglichte der Start des Shanghai-Hong Kong Stock Connect Programmes Ende letzten Jahres grenzübergreifende Kapitalströme zwischen den Märkten auf dem chinesisch Festland und Hongkong. Es flossen allerdings nur Kapitalströme Richtung Süden nach Shanghai. Inländische Anleger in China hatten ursprünglich jedoch keinen Anreiz, sich nach Hongkong zu orientieren. Deshalb kam es zu einer Differenz zwischen Performance und Kapitalfluss in den beiden Märkten.

Anleger lassen sich von negativer Atmosphäre vereinnahmen

Die chinesische Regierung ist seit einiger Zeit aufgrund der großen Nachfrage auf dem Markt beunruhigt. Sie versucht vor dem Hintergrund des zunehmenden Margenhandels bei einigen Marktteilnehmern Hebelwirkungen einzuschränken und zu kontrollieren. Dem Aufstieg folgte ein schmerzhafter Fall und seit Kurzem versucht die chinesische Regierung, den Markt zu stabilisieren und den Fall durch entgegenwirkende Maßnahmen abzufangen. Unter anderem dürfen Anleger mit einem Anteil von über fünf Prozent an einer Aktie nicht innerhalb von sechs Monaten verkaufen. Große chinesische Broker machen koordinierte Kaufzusagen, und geplante IPOs werden abgesagt.

Diese Maßnahmen waren dem Anlegervertrauen nicht zuträglich und mit dem weiterhin rückläufigen Markt stockte der Aktienhandel in China. Dadurch wurden Unsicherheit und Ängste weiter geschürt. Viele Anleger denken scheinbar, wenn die Regierung solche Maßnahmen ergreift, muss die Lage ziemlich schlecht und ein Ausstieg angebracht sein. Möglicherweise hat das frühe zusätzliche Eingreifen der Regierung die Verluste verstärkt.

Auch die Situation in Griechenland darf nicht außer Acht gelassen werden. Sie hat die Marktstimmung in China sicher beeinflusst. Denn die Anleger in China sind nicht von den globalen Nachrichten abgeschottet. Internationale Investoren dürften angesichts der Situation in der Eurozone äußerst nervös sein. Viele Anleger überdenken ihre Schritte zweimal, verharren inaktiv am Rande des Spielfelds bis die Schwankungen ihrer Meinung nach vorüber sind. Leider bleiben sie häufig zu lange inaktiv und verpassen die Gelegenheit, auf dem Markt zu handeln. Sie müssen darauf achten, sich nicht von dieser negativen Atmosphäre vereinnahmen zu lassen.

Investition in chinesische Aktien lohnt sich

Unsere Strategie lautet: Abwarten bis die Kurse so attraktiv sind, dass sich die Suche nach weiteren langfristigen Anlagegelegenheiten lohnt. Wir glauben, dieser Zeitpunkt steht bei einigen Aktien kurz bevor. Die Talsohle dürfte zwar noch nicht erreicht sein. Doch Marktstudien aus der Vergangenheit belegen, dass derartige Bärenmärkte von kurzer Dauer sind.

Wir glauben, dass wir uns in China einem Kapitulationspunkt nähern. Zumindest ein kurzfristiger Anstieg dürfte bald eintreten. Viele Anleger könnten diesen als Gelegenheit zum Ausstieg nutzen, sofern nicht schon geschehen. Wir erwarten dann eine Seitwärtsbewegung, bis der Markt sich erholt. Voraussetzung hierfür sind gute Bewertungen.

Unserer Ansicht nach ist China immer noch ein Phänomen. China wächst nach wie vor mit gutem Tempo und wir sehen hier einen wichtigen globalen Markt, in dem wir langfristig Engagements halten wollen. Trotz des Rückgangs der Wachstumsrate von ehemals über 10 Prozent glauben wir an die Bedeutung von Investitionen in chinesische Aktien. Umso besser, wenn wir zu einem niedrigeren Kurs einsteigen können.