Ulrich Harmssen ist Fondsexperte des Maklerverbunds Apella.

Ulrich Harmssen ist Fondsexperte des Maklerverbunds Apella.

Marktkommentar

„Perfekter Cocktail für weiter fallende Renditen“

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The „New normal“...

Auf der Jahresauftaktveranstaltung der Apella AG im Januar 2015 in Antalya habe ich mich etwas „aus dem Fenster gelehnt“ und prognostiziert, dass die Rendite - auch der zehnjährigen - deutschen Staatsanleihen schon bald negativ sein wird.

Damals wurde ich etwas müde belächelt und als „Schwarzseher“ bezeichnet. Heute nun ist es geschehen: Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen ist erstmals negativ und liegt bei etwa - 0,02 Prozent.

Schwarzmalerei versus Fakten

Diese ganze Entwicklung hat meines Erachtens wenig mit Schwarzmalerei zu tun, sondern mehr mit dem Blick auf die Fakten: Die EZB kauft seit vielen Monaten in großem Umfang Staatsanleihen aus der Eurozone auf und sorgt so für niedrige Renditen beziehungsweise weiter fallende Renditen.

Zugleich bewirken diese massiven Käufe ein schrumpfendes Angebot an Staatsanleihen.

Stößt nun dieses schrumpfende Angebot auf wachsende Nachfrage von sich im Panikmodus befindlichen Börsianern auf der verzweifelten Suche nach Sicherheit, kommt es zu deutlichen Kurssteigerungen, beziehungsweise zu entsprechend fallenden Renditen bei vermeintlich sicheren Staatsanleihen.

Die Märkte im Krisenmodus

Fest steht ebenfalls: Die Finanz- und Kapitalmärkte befinden sich momentan im Krisenmodus; die Befürchtungen der Börsianer hinsichtlich der Auswirkungen eines immer wahrscheinlicher werdenden Brexits sind massiv; zugleich werden allenthalben Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft nach unten revidiert.

Und über allem schwebt nach wie vor die Angst vor dem nächsten Zinsschritt in den USA – ungeachtet der Frage, ob ein weiterer Zinsschritt in den USA angesichts der eher schwachen Zahlen aus den USA sinnvoll ist oder nicht... (Die Fed ist immer für eine Überraschung gut...)

Dieser Cocktail ist perfekt für die Annahme, dass die Renditen von Staatsanleihen aus der Eurozone in den nächsten Tagen möglicherweise noch weiter fallen werden; die Renditen der zehnjährigen Papiere der Niederlande und Österreich liegen inzwischen auch nur noch sehr knapp oberhalb der 0,00-Prozent-Linie.

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