Egon Wachtendorf

Egon Wachtendorf

Marktkommentar: Tanz auf der Titanic

//
Mitglieder-Informationsabend einer ländlichen Volksbank: Nach dem traditionellen Imbiss präsentiert der Vorstand zunächst die gewohnt guten Geschäftszahlen und hebt – auch dies in der Regie kein Unterschied zu früheren Veranstaltungen – die Vorzuge regional verwurzelter und genossenschaftlich organisierter Kreditinstitute in den Wirren der globalen Finanzkrise hervor.

Es folgt der Vortrag eines Individualkundenberaters zur geplanten Erweiterung des Euro-Rettungsschirms, der keine der damit verbundenen Gefahren außer Acht lässt und auch die massiv gestiegenen Staatsschulden ins rechte Licht rückt. Kurzes Schweigen im Saal.

Dann meldet sich ein Rentner zu Wort, den allerdings nur eine einzige Frage umtreibt: „Wo genau steht der Dax Ende Dezember 2012?“ Pause, Showprogramm.

Ob der Schweizer Vermögensverwalter Holger Schmitz  mit seiner Prognose richtig liegt, Deutschland sei vor dem Schuldenkollaps nicht mehr zu retten und Anlegern helfe nur noch die Flucht in Edelmetalle, Fremdwährungen und ertragsstarke Substanzaktien, lässt sich aus heutiger Sicht kaum endgültige beantworten.

In einem Punkt hat Schmitz jedoch zweifellos Recht: Die große Mehrheit der Bevölkerung hat die Dramatik der aktuellen Situation noch nicht realisiert. Spätestens wenn dies der Fall ist, wird es richtig spannend an den Finanzmarkten.

Mehr zum Thema
Wegelin & Co.: Franken verliert an ReizWarum Gold immer das ultimative Geld war und sein wirdMartin Hüfner: „Zu früh, um Aktien zu kaufen“