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in Kfz-VersicherungLesedauer: 5 Minuten

Studie zur Kraftfahrzeugversicherung Marktuntersuchung: 20 Prozent mehr Wechsler im Kfz-Jahresendgeschäft

Daumen hoch bei der Autofahrt
Viele Kfz-Versicherungen konnten durch einen Wechsel beim eigenen oder zu einem neuen Versicherer starke Preiserhöhungen umgehen. | Foto: Imago Images / YAY Images

In der Kfz-Versicherung hat die Wechselaktivität Ende 2023 neue Sphären erreicht. 2,3 Millionen Vertragswechsel bedeuten im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von rund 20 Prozent (2022: 1,9 Millionen). Dahinter stehen 2,1 Millionen Kfz-Versicherungsnehmer, die im Durchschnitt 1,1 Verträge gekündigt und bei einem neuen Kfz-Versicherungsanbieter abgeschlossen haben.

Die Zahlen stammen vom Marktforschungsunternehmen Sirius Campus auf Basis einer repräsentativen Online-Panel-Befragung aus dem Dezember 2023 mit dem Titel „Wechselaktivität bei Kfz-Versicherungen im Jahresendgeschäft 2023“ unter 2.031 Kfz-Versicherungsnehmern ab 18 Jahren. Laut Sirius-Campus-Gründer und Geschäftsführer Oliver Gaedeke liegt die Fehlertoleranz bei knapp unter einem Prozent.

Marktschwergewichte gewinnen am meisten neue Verträge

Das meiste Neugeschäft unter den Wechslern erzielten: Allianz, Allianz Direct, Huk24, Huk-Coburg und LVM. Aufgrund der geringen Grundgesamtheit verzichteten die Untersucher laut Gaedeke dabei auf eine Rangfolge. Gemeinsam gewannen diese fünf Anbieter 36 Prozent der Neuabschlüsse. Weitere Anbieter mit überdurchschnittlich viel Neugeschäft sind (in alphabetischer Reihenfolge): ADAC Versicherungen, Axa, Debeka, DEVK und HDI. 

LVM-Zahlen bestätigen Studie

DAS INVESTMENT hat sich einmal umgehört, ob die genannten Anbieter schon konkrete Zahlen vorweisen können, die das Studienergebnis belegen. Die meisten Unternehmen halten sich bedeckt. Es sei noch zu früh, Zahlen zu veröffentlichen. Am konkretesten ist die LVM. So habe der Bestand in der Kraftfahrzeugversicherung im Jahr 2023 saldiert um 110.800 Verträge zugenommen, wobei 447.000 Verträge neu unterzeichnet wurden. In Verbindung mit den rechnerisch über 300.000 Abgängen zeigt dieser Einzelfall bereits die Dimension der Wechselaktivität, schon bei der Nummer vier der Branche nach Marktanteilen. Konkret im Jahresendgeschäft wiederum hat der Vertragssaldo bei der LVM plus 19.000 betragen. Die Beitragseinnahmen in der Kfz-Sparte stiegen 2023 um 4,5 Prozent.

Bei der DEVK beträgt der positive Vertragssaldo, bezogen auf das Gesamtjahr, rund 50.000. Die Prämieneinnahmen stiegen 2023 um rund 5 Prozent in der Kfz-Haftpflicht- und Kaskoversicherung.
Die Schadenaufwendungen kletterten im Vergleich zum Vorjahr sogar um 8,1 Prozent. Eine Entspannung beim technischen Ergebnis habe es somit noch nicht gegeben, wie die Kölner mitteilen. Positive Vertragssalden im Jahresendgeschäft bestätigen auch Axa und HDI, ohne Zahlen zu nennen.

Für die Mehrheit lohnt sich Wechseln finanziell 

Durch die enormen Prämiensteigerungen war der Handlungsdruck für viele Versichertet offenbar groß. Laut der Studie wurden bei durchschnittlich 640 Euro Jahresbeitrag insgesamt rund 1,47 Milliarden Euro im Kfz-Versicherungsmarkt bewegt. 73 Prozent der Kfz-Versicherungswechsler konnten im Durchschnitt 145 Euro durch den Vertragsabschluss bei einem neuen Anbieter sparen, so die Autoren. Klar sein dürfte dabei, dass die Ersparnis im reinen Zeitvergleich zu 2023 deutlich geringer ausgefallen sein dürfte. Zahlen nennt Sirius Campus hier aber nicht.

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Beitragsanstiege gewinnen als Wechselmotiv an Bedeutung

Unter den wechselaktiven Kunden hat sich die Wahrnehmung eines Beitragsanstiegs von 26 Prozent Ende 2021 auf 41 Prozent Ende 2023 erheblich gesteigert und befindet sich nunmehr auf Rang zwei der Wechselmotive. Nach wie vor ist Geldsparen mit 67 Prozent Nennungen in dieser Gruppe das primäre Wechselmotiv (2021: 70 Prozent). Durch die gestiegene Inflation berichten mit 35 Prozent der Wechselbereiten deutlich mehr in diesem Jahr, kein besseres Angebot gefunden zu haben (2021: 27 Prozent).

Jahresbeitragsbrief spielt zentrale Rolle

Weitere Erkenntnisse der Studie: Nach wie vor blieben Ansprachen von Vertretern, Maklern, Bankberatern oder Vergleichsportalen ein starker, aber seltener Treiber für den Anbieterwechsel. Nur rund 2 Prozent der Kfz-Versicherungsnehmer werden von einem Vermittler angesprochen. Dagegen haben fast ein Zehntel (9 Prozent) aller Kfz-Versicherungsnehmer ihren Jahresbeitragsbrief als Impuls für ihre Wechselaktivität angegeben. 

„Die Gestaltung des Jahresbeitragsbriefes hat einen klaren Einfluss auf die Wechselaktivität der Kunden“, sagt Gaedeke. Ganz bestimmte Informationen aus dem Brief steuerten die Aufmerksamkeit und könnten unter Wirkung von Effekten der Verhaltensökonomik die Wechselaktivität erheblich reduzieren.

Produktleistungen sind auch Wechslern wichtig

38 Prozent der Wechsler sparen durch den Nachlass bei jährlicher Zahlung. (23 Prozent) der Wechsler nutzt einen Schadenservice mit Werkstattbindung und 11 Prozent haben die zusätzliche Sparmöglichkeit durch einen Telematik-Tarif gewählt. Dagegen achten 38 Prozent auf eine hohe Absicherung bei Teilkaskoschäden.

Die freie Werkstattwahl hat gut ein Drittel der Wechsler (32 Prozent), einen Schadenfreiheitsrabatt-Retter (24 Prozent) und einen Schutzbrief (20 Prozent) für ihren neuen Vertrag gewählt. „Kfz-Versicherungswechsler wollen zwar Geld sparen, aber sie wollen auch eine gute Absicherung. Nur eine kundenorientierte Produktgestaltung mit Fokus auf die relevanten Leistungen für einzelne Zielgruppen ermöglicht ein erfolgreiches Neugeschäft während der Kfz-Wechselphase“, sagt Gaedeke.

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