Es war ein Freitag im Oktober, kurz nach 22 Uhr. Die Börsen hatten geschlossen, dann verhängte Donald Trump neue Zölle gegen China. Ein einziger Markt hatte noch offen: der Kryptomarkt, der rund um die Uhr handelt. Wer verkaufen wollte, konnte nur dort verkaufen. Innerhalb weniger Stunden wurden Positionen über mehr als 19 Milliarden US-Dollar zwangsliquidiert.

Wenige Tage zuvor hatte Bitcoin bei 126.000 Dollar sein Rekordhoch markiert. Danach halbierte sich der Kurs. „Daran hatte sich der Markt nie erholt“, sagt Markus van de Weyer. „Das war quasi so der Todesstoß.“

Van de Weyer führt Alpha Beta Asset Management in Frankfurt und ist seit über 30 Jahren im Geschäft. Seine Kunden kommen ausschließlich über regulierte ETPs ins Depot, ohne Wallet und Kryptobörse. Selbstverwahrung, im Markt fast eine Glaubensfrage, war für ihn nie eine Option: Emittent, Verwahrstelle, Verwalter sitzen in Europa. „Ihr könnt die alle verklagen, wenn irgendwas schiefgeht.“

Seine These: Der berühmte Vierjahreszyklus, an dem sich die Szene seit Jahren entlanghangelt, existiert nicht mehr. Für ihn starb der Zyklus am 10. Januar 2024, dem Start der US-Bitcoin-ETFs. Seitdem kauft eine neue Klasse von Anlegern, regulatorisch abgesichert, in einem Markt mit ganz anderer Nachfrage. Wer trotzdem auf ein Oktobertief wartet, macht es sich zu leicht: „Assetklassen handeln nicht nach Kalendermonaten.“

Die Zahlen der vergangenen Wochen geben ihm Rückenwind. Knapp zwei Milliarden Dollar flossen in einer einzigen Woche in die amerikanischen Bitcoin-ETFs. Die Tagesumsätze haben sich auf 50 bis 60 Milliarden Dollar mindestens verdoppelt, getragen von Spot- und Derivatekäufern. Und seit Bitcoin-Futures auch am Wochenende laufen, ist die Volatilität an Samstagen und Sonntagen „dramatisch runtergekommen“. Die immer gleichen Akteure, die dort für Ausschläge sorgten, sind verschwunden. Für van de Weyer ein Argument, dass noch mehr institutionelles Geld kommt.

Nur eben nicht hierzulande. Die Schweiz gehe deutlich aggressiver vor, Family Offices hätten die Frage längst positiv entschieden. In Deutschland dagegen: „Die großen Häuser, die sind noch nicht umgekippt.“

Und es gibt einen Blick nach Washington. Trump sei „aus opportunistischen Gründen Kryptopräsident geworden“ – im Wahlkampf habe er 50 Millionen amerikanische Kryptobesitzer als Wählergruppe entdeckt. Geliefert habe er teilweise: Verkaufsverbot für den Staatsbestand, kein digitaler Staatsdollar, mit dem Genius Act klare Regeln für Stablecoins. Über 300 Milliarden Dollar Volumen stecken inzwischen in dem Markt, dessen Emittenten kurzlaufende US-Staatsanleihen kaufen müssen. Der entscheidende Clarity Act aber hängt seit dem vergangenen Sommer fest – auch, weil Ethikregeln im Raum stehen und sich die Familie Trump im Milliardenbereich bedient hat. Den Trump-Coin nennt van de Weyer „quasi den Beginn der Abzocke“.

Sein zuverlässigstes Marktbarometer ist trotzdem analog: das Telefon. Vier Monate herrschte Funkstille, dann kam der Stimmungsumschwung. Jetzt klingelt es zu jeder Tageszeit, Wochenende inklusive.

Bitcoin trägt inzwischen Anzug und sitzt in immer mehr Anlageausschüssen. Ob als festes Mitglied oder nur als aufregender Gast, ist offen. Wie genau das funktioniert, welche Fehler gemacht wurden und worauf Markus van de Weyer jetzt setzt, darüber spricht er im Podcast.