Jens Kummer von Mars Asset Management

Jens Kummer von Mars Asset Management

Mars Anlegerampel August 2015

"Da ist was faul im Staate China"

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Offiziell wächst die Wirtschaft in China mit einer Rate von 7 Prozent. Dieser Wert klingt nach Prosperität, doch ist laut eigener Statistik so schwach wie zuletzt im Jahr 2001! Deshalb stemmt sich die chinesische Regierung immer deutlicher gegen eine weitere Konjunkturabschwächung. Neben milliardenschweren Infrastrukturprojekten sollen insbesondere geldpolitische Maßnahmen die Wachstumsdelle abfedern. Die chinesische Notenbank drehte in den vergangenen Monaten an zahlreichen Stellschrauben. So senkte sie drei Mal innerhalb von sechs Monaten ihren Leitzins und wertete die chinesische Währung Yuan drei Mal ab. Die dreifache Währungsabwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar von 1,9 Prozent, 1,6 Prozent und 1,1 Prozent ist in Anbetracht der vorangegangenen Aufwertung marginal. Selbst ein 10 Prozent schwächerer Yuan würde nur den Status quo von vor einigen Quartalen wieder herstellen. Die generellen Konjunkturrisiken rund um China wiegen alles in allem deutlich schwerer als die potenziellen Währungseffekte. Genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Immer mehr Experten glauben nicht an das offizielle Wirtschaftswachstum von 7 Prozent. Zum einen sind die Daten aus China inkonsistent. Rechnet man die Zahlen auf kommunaler Ebene aufs Land hoch, kommt ein anderes Ergebnis heraus, als wenn man die Daten der Provinzen hochrechnet. Zweifel nährt auch die Geschwindigkeit bei der Veröffentlichung der Daten. So wird das Wirtschaftswachstum in China in der Regel zwei Wochen nach Quartalsende publiziert. Vergleichbare Daten aus Deutschland oder den USA benötigen eineinhalb Monate bis ein vorläufiges Ergebnis vorliegt. Zudem werden die chinesischen Daten so gut wie nie nachträglich korrigiert, während starke Revision in den USA oder Deutschland keine Ausnahme sind. Kann man der chinesischen Statistik überhaupt trauen? Um ein realistisches Bild der Wirtschaftslage in China zu bekommen, muss man gehandelte Preise und Marktdaten zurate ziehen. Indikativ bieten sich der Rohstoffverbrauch, das Frachtvolumen und der Aktienmarkt an. Die Rohstoffpreise sind auf den tiefsten Stand seit Jahren gesunken. Seit Mai 2015 haben die Ölpreise um mehr als 30 Prozent und Industriemetalle um mehr als 20 Prozent nachgegeben. Es ist nach wie vor die fehlende Nachfrage des Marktes, die die Preise drückt. Auch das Frachtvolumen und der chinesische Aktienmarkt befinden sich im Korrekturmodus. Somit bleibt die Sorge, dass etwas faul sein könnte im Staate China. Auch die MARS Anlegerampel zeigt einen deutlichen Signalwechsel. Grün sind nur noch europäische Aktien, Euro-Staatsanleihen und Private Equities. An unserer mittelfristigen Einschätzung von Aktien als renditestärkste Anlageklasse ändert sich nichts. Aufgrund der Unwägbarkeiten in China ist jedoch erhöhte Vorsicht geboten und die Aktienquoten sollten auf den Prüfstand gestellt werden. Aktien und Anleihen aus Schwellenländern erscheinen derzeit unattraktiv - genauso wie Rohstoffe, die seit fast einem Jahr auf Rot sind. Anleihen sind selbst auf dem nun leicht erhöhten Renditeniveau weiterhin sehr teuer. Höhere Renditen und tiefere Kurse wären fundamental gerechtfertigt. Doch die Kombination aus expansiver Geldpolitik der EZB und der schwächer als erwarteten Wachstumszahlen bildet ein starkes Gegengewicht. Wir erwarten, dass die Anleihenrenditen in nächster Zeit unter anhaltend hoher Volatilität seitwärts verlaufen.   Die MARS Anlegerampel ist ein Ausschnitt der MARS Investmentstrategie, die sich über viele Jahre hinweg bewährt hat (inkl. Lehman-Krise). Im Mittelpunkt steht die dynamische Allokation zwischen verschiedenen Anlageklassen. Die integrierte Risikoanalyse warnt vor statistischen Auffälligkeiten und einem möglichen Absinken einzelner Märkte. In unsicheren Situationen wird der frühzeitige Ausstieg aus riskanten Anlagen präferiert und der Portfoliowert geschützt bis wieder Signale für ein Erstarken des Marktes ausgelöst werden.

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