Jens Kummer, Mars Asset Management

Jens Kummer, Mars Asset Management

Mars Anlegerampel Dezember 2014

Das Jahresende 2014 naht und die Zeit der Prognosen kommt

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In den vergangenen 12 Monaten überzeugten globale Aktienmärkte (vor allem US-Aktien), Gold (in US-Dollar) und Euro Staatsanleihen. Völlig jenseits aller vernünftigen Vorstellungen entwickelten sich in diesem Jahr die langfristigen Staatsanleihen aus Spanien, Portugal und Italien mit einer Wertentwicklung von 20 bis 30 Prozent. Dagegen konnten Rohstoffe durch den Ölpreisverfall nicht überzeugen.

Die Prognosen für 2015 gehen mehr oder weniger von der Fortschreibung des aktuellen Verlaufs aus. Auch wenn die Analysen mit Nuancierungen überraschen, so erwartet man im Mittel, dass Aktien um etwa 7 Prozent steigen, das Zinsniveau in der Eurozone in den nächsten Jahren bei Null liegen wird und die Inflation keine Rolle spielt.

Doch mit dieser Fortschreibung der Vergangenheit wird lediglich nur eine Variante des künftigen Verhaltens von Indexverläufen beschrieben. Dieser Extrapolation und Durchschnittsbetrachtung steht die Möglichkeit entgegen, dass die Finanzmärkte stärkeren Schwankungen unterliegen und in Zyklen verlaufen.

Betrachtet man die Rangfolge ausgewählter Anlageklassen in den vergangenen Kalenderjahren, so erkennt man statt Struktur ein buntes Farbenspiel. (siehe nachfolgende Grafik). Es hat den Anschein, dass in jedem Jahr die Karten neu gemischt werden und auch heftige Kursausschläge auftreten, die weit weg von den langfristigen Durchschnittsrenditen und somit den Standardprognosen liegen.

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Leider ist die exakte Prognose von Extremszenarien eine ziemlich aussichtslose Sache, wie zahlreiche Studien belegen. Volltreffer sind rein anekdotischer Art. Was als brillante Leistung eines logischen Überhirns daherkommt, war oft nur ein Zufallstreffer oder eine Glückssträhne.

Das Ziel der Mars Anlegerampel ist deshalb bescheidener. Einerseits misst sie die Renditeerwartung, das heißt die Kosten für die Vergabe des Kapitals an die Wirtschaft. Die Stärke liegt ohne Zweifel darin, dass sie sich nicht auf Umfragen stützen muss, sondern dass bezahlte Preise diesen Renditeerwartungen zugrunde liegen. Aktuell erzielen weiterhin Aktien die höchsten Renditeerwartungen.

Andererseits unterscheidet die Mars Anlegerampel die Zeiten, in denen die Anleger für ihre Kapitalvergabe gebührend entschädigt werden oder wann nicht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt steht die Mars Anlegerampel bei Aktien und Emerging Market Anleihen auf Gelb, also im neutralen Bereich. Die Empfehlung lautet also, sich „neutral“ zu verhalten, das heißt sich an langfristigen strategischen Vorgaben zu halten, während ein Engagement bei Rohstoffen und Private Equities derzeit nicht lohnen.



Es ist klar ersichtlich, dass die Luft gegenüber den Vorjahren dünner geworden ist. Deshalb sind positive wie negative Überraschungen wahrscheinlicher als das von den meisten Prognosen aufgezeigte Basisszenario von „Aktien plus 7 Prozent, Zinsen bei Null, keine Inflation“. Den Jahresprognosen sollte deshalb nicht zu viel Gewicht beigemessen werden und stattdessen das Auge auf die Veränderung der Großwetterlage gerichtet werden.

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