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Martin Hüfner ist Chefvolkswirt bei Assenagon | © Assenagon

Martin Hüfner beruhigt die Pferde Vom Sinn und Unsinn des Produktionspotenzials

Wissen Sie, was das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft ist? Natürlich. Es ist die Fähigkeit der Unternehmen, Güter und Dienste zu produzieren. Die Ökonomen definieren es etwas genauer als „das maximale Sozialprodukt, das mit der vorhandenen Arbeit, dem Kapital und dem technischen Wissen in einer gegebenen Periode erstellt werden kann“.

Das klingt recht technisch und theoretisch. Man mag sich nicht unbedingt näher damit beschäftigen. Aber wissen Sie auch, dass das Produktionspotenzial derzeit eine der wichtigsten Größen zur Beurteilung der Konjunktur und des Kapitalmarktes ist? Es lohnt sich daher, sich doch ein bisschen näher damit zu beschäftigen.

Das Produktionspotenzial ist der Gegenpol zum Sozialprodukt, wie es von den statistischen Ämtern gemessen und alle drei Monate veröffentlicht wird. Im vergangenen Jahr betrug es in Deutschland 3.400 Milliarden Euro. Eine Menge Holz.

Die Zahl sagt für sich genommen aber wenig aus. Ist es viel, was produziert wurde, oder ist es wenig? Hätte Deutschland mehr herstellen können oder wäre das mit Inflation verbunden gewesen? Um das zu beurteilen braucht man einen Maßstab, an dem man die Zahl messen kann. Hier kommt das Produktionspotenzial ins Spiel. Es ist solch ein Maßstab. Es besagt, wieviel die Volkswirtschaft tatsächlich hätte erstellen können, wenn die Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und technischer Fortschritt optimal eingesetzt worden wären. Ist das Produktionspotenzial größer als die Produktion, dann sind die Kapazitäten nicht voll ausgelastet. Die Konjunktur muss angekurbelt werden. Ist das Potenzial kleiner, dann haben wir Überbeschäftigung und Inflationsdruck.

Die Wirtschaft befindet sich nach wie vor in Normaltemperatur

Leider kann man das Produktionspotenzial in der Wirklichkeit nicht messen. Man muss es schätzen. Es gibt dazu verschiedene Möglichkeiten. In der Grafik habe ich das Produktionspotenzial als langfristigen Trend definiert, um den sich das tatsächliche Wachstum bewegt. Das ist eine sehr einfache, aber keineswegs abwegige Annahme.

Die Grafik zeigt zweierlei. Das eine ist, dass das Produktionspotenzial keine Konstante ist, sondern sich im Zeitablauf entsprechend dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld verändert. In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg ist es noch jährlich um rund 6,0 Prozent p. a. gewachsen. Inzwischen nimmt es nur noch um 1,0 Prozent bis 1,5 Prozent p. a. zu. Das hat nichts damit zu tun, dass die Menschen fauler geworden sind. Es gibt ganz einfach weniger Arbeit, Kapital und technisches Wissen, auf das sie zurückgreifen können. An diesen 1,0 Prozent bis 1,5 Prozent muss man das aktuelle Wachstum messen.

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