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Martin Hüfner: „Der Yen müsste eigentlich aufwerten“

Martin Hüfner von Assénagon

Martin Hüfner von Assénagon

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Die Abwertung des japanischen Yen belastet zunehmend den Handel mit dem fernöstlichen Land. In den vergangenen sechs Monaten hat der Euro um über 30 Prozent gegenüber dem Yen aufgewertet, der US-Dollar um 19 Prozent, der chinesische Renminbi um 21 Prozent. Das sind gewaltige Verschiebungen in kurzer Zeit. So etwas sieht man selten.

Es ist daher nicht überraschend, dass das Wort Währungskrieg auftauchte. Sind die Veränderungen durch die vorherige jahrelange Aufwertung der japanischen Währung gerechtfertigt? Oder verschaffen sich die Japaner hier einen ungerechtfertigten Handelsvorteil?

Zunächst: Das Stichwort Währungskrieg fällt nicht nur im Zusammenhang mit den Japanern. Aufgebracht haben es die Brasilianer. Sie wehren sich gegen die niedrigen Zinsen in den USA und Europa, die die Währungen der Schwellenländer nach oben treiben. In Europa hat sich in letzter Zeit vor allem der Schweizer Franken abgewertet. Das britische Pfund ist nach der Rede des britischen Premiers David Camerons über einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU schwächer geworden. Umgekehrt hat sich der Euro aufgewertet. Der bisherige Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, sprach schon von einer „gefährlich hohen“ Bewertung.

Japans Argumente

Der Fall Japan ist freilich der Wichtigste. Hier ist die Abwertung am größten.
Auf den ersten Blick, aber nur auf den ersten Blick, haben die Japaner insgesamt gute Karten. Sie können darauf verweisen, dass die jüngste Abwertung nur eine Korrektur einer vorherigen Markübertreibung ist.

Über die vergangenen 40 Jahre gesehen (siehe Grafik) sieht der Yen zu dem aktuellen Wechselkurs ganz ordentlich bewertet aus. Tokyo kann auch sagen, dass die japanische Wirtschaft sich schon seit Jahren schlechter entwickelt als die amerikanische oder die europäische.

Ihr Wachstum war in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt nur halb so hoch wie das in den USA und ein Drittel niedriger als das in Europa. Es gab Deflation mit für Japan hoher Arbeitslosigkeit. Dazu passt eigentlich keine Aufwertung.

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Die Japaner haben zudem ihren Leistungsbilanzüberschuss abgebaut. Er lag vor sechs Jahren (vor dem Beginn der Subprime-Krise in den USA) noch bei 4,9 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Inzwischen beträgt er weniger als 2 Prozent.

Die japanischen Kapitalmarktzinsen sind niedriger als die in den USA oder in Europa. Das führt zu Carry Trades in Länder mit höheren Renditen (Aufnahme von Krediten in Japan und Anlage zum Beispiel in Australien oder Südafrika).

Im Übrigen können die Japaner auch noch darauf verweisen, dass sich der Yen langfristig sehr viel mehr aufgewertet hat, als das etwa beim Euro der Fall war. Wenn die europäische Gemeinschaftswährung sich in den vergangenen 40 Jahren gegenüber dem Dollar wie der Yen entwickelt hätte, dann stünde der Euro-/Dollarkurs heute nicht bei 1,35. Er wäre bei über 2 Dollar je Euro. Freilich war der Yen-Kurs vor 40 Jahren kein richtiger Marktkurs.