Martin Hüfner erkennt Zusammenhänge Gold und Populismus

Prototyp des Populisten: US-Präsident Donald Trump (Mitte) spricht über den Kopf seines Handelsministers Wilbur Ross hinweg mit Reportern | © Getty Images

Prototyp des Populisten: US-Präsident Donald Trump (Mitte) spricht über den Kopf seines Handelsministers Wilbur Ross hinweg mit Reportern Foto: Getty Images

Der Populismus greift immer mehr um sich. Rechts- und linkslastige Parteien und Strömungen werden stärker. Es gibt immer mehr Länder mit populistischen Regierungen. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn sich das nicht auch am Kapitalmarkt zeigen würde. Gibt es, direkt gefragt, eine „populistische Geldanlage“?

Das klingt zunächst provokativ. Wer will schon ein populistisches Investment? Trotzdem möchte ich hier die vielleicht etwas kühne These aufstellen, dass es tatsächlich eine Asset-Klasse gibt, die man als populistisch bezeichnen könnte. Es ist Gold.

Dafür spricht zunächst der unmittelbare Augenschein. Der Goldpreis ist in den letzten Jahren fast gleichzeitig mit dem Populismus gestiegen. Der Wendepunkt war das zweite Halbjahr 2015. Damals endete der dramatische Fall des Goldpreises. Es ging wieder nach oben. Das war zugleich die Zeit als die populistischen Parteien in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland stärker wurden. In Großbritannien fing die Radikalisierung mit der Vorbereitung auf das Brexit-Referendum an. 2016 kam der Wahlkampf Trumps in den USA.

Der Goldpreis ist dabei nicht dramatisch gestiegen. Er hat sich aber relativ kontinuierlich von knapp unter 1.100 US-Dollar je Feinunze auf inzwischen über 1.300 Dollar erhöht. Das ist ein Anstieg von über 10 Prozent. Das sieht ähnlich aus wie die Verbreitung des Populismus. Auch dieser ist ja nicht mit einem Schlag gekommen, sondern breitete sich sukzessive aus.

Aber nicht nur die Grafik zeigt Parallelitäten. Es gibt auch sachliche Gründe. Erstens: Wenn es überhaupt eine Vermögensklasse für die breite Masse des Volkes gibt (und nicht nur für die gesellschaftlichen Eliten), dann ist es Gold. Es sieht schön aus. Es ist wertvoll. Es gilt als Symbol von Reichtum. Es hat eine lange Geschichte. Es wurde schon als Geld verwandt, als es Papiergeld oder Münzen (von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren ganz zu schweigen) noch nicht gab. Viele Menschen haben Gold, zu Hause oder im Tresor, obwohl es dafür keine Zinsen gibt und obwohl der Besitz physischen Goldes mit Risiken (und vielleicht auch mit Kosten) verbunden ist.

Ganz abgesehen davon war Gold in der Vergangenheit auch schon eine rentable Geldanlage. Wer seit dem Ende des Weltkrieges sein Geld in das gelbe Metall investierte, erzielte allein durch die Preissteigerungen eine Rendite von jährlich über 5 Prozent.

Zweitens: Der wachsende Populismus führt sowohl in den einzelnen Ländern als auch in der Welt insgesamt zu Spannungen und Krisen. Gold ist aber nun einmal das traditionelle Instrument, mit dem man sich gegen Krisen schützen zu können glaubt. Je mehr Krisen, umso höher der Goldpreis.

Drittens: Populismus untergräbt das Vertrauen der Menschen in die staatliche Geldordnung. Er ist skeptisch gegenüber der Geldschöpfung durch die Banken. Er vertraut nicht auf unabhängige Zentralbanken. Menschen kaufen Gold, weil sie an ein Ende des Papiergeldes glauben und auf eine Rückkehr des Goldstandards hoffen.