Martin Hüfner: It’s the liquidity, stupid!

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Warum Europa, warum jetzt?

Aber warum steigen dann die Aktienkurse in den USA so viel weniger als in Europa (Dow seit Jahresanfang um 7,9 Prozent verglichen mit dem Dax um 19 Prozent)? Das passt nicht zusammen. Andere erklären die Hausse mit der Hoffnung auf ein Ende der Eurokrise.

Der griechische Schuldenschnitt hat entgegen vielen Erwartungen zu keinen größeren Verwerfungen geführt. Die europäischen Staats- und Regierungschefs lehnten sich bei der Unterzeichnung des Fiskalpakts in Brüssel zufrieden zurück und meinten, sie könnten sich jetzt erstmals seit langem wieder mit dem normalen Geschäftsgang in Brüssel beschäftigen.

Tatsächlich sind wir jedoch noch weit vom Ende der Eurokrise entfernt. Der Fiskalpakt muss noch ratifiziert werden, was noch mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein wird. Es gibt noch kein ordentliches Wachstum. Die Integration der Fiskal- und Wirtschaftspolitik hat noch gar nicht richtig begonnen. Der Rettungsschirm ist für größere Länder wie Spanien oder Italien zu klein. Im Übrigen stehen für April/Mai Wahlen in Athen an und niemand weiß, was da passieren kann.  

Die einzig überzeugende Erklärung für die steigenden Aktienkurse in Europa ist die Aufblähung der Liquidität. In Abwandlung des berühmt gewordenen Spruchs des früheren amerikanischen Präsidenten Bill Clinton nach seiner Wahl 1992 könnte man sagen: It's the liquidity, stupid.

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Die Grafik zeigt, dass die Aktienkurse unmittelbar nach dem ersten großen Tender für 3-Jahresgeld zu einem Prozent Zins Ende Dezember stark angestiegen sind. An fang März kam der zweite Tender und danach bekamen die Kurse noch einmal einen Schub. Wenn sich die Entwicklung jetzt weiter so wie nach der ersten Geldspritze vollziehen würde, wäre der Dax Ende April bei über 8.000.

Natürlich ist das fundamental nicht abgesichert. Es müssen einige technische Marken überwunden werden, die zu Unsicherheit bei den Anlegern führen. Darüber hinaus kann es im weltpolitischen Umfeld zu Problemen kommen mit entsprechenden negativen Auswirkungen  auf die Rohstoffpreise. Chinas Wachstum kann sich stärker abschwächen. Irgendwann fällt die Blase in sich zusammen.

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