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Themen-Experte
Märkte verstehen, Chancen nutzen

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Märkte verstehen, Chancen nutzen

Mai-Feiertag 2020 in Berlin: Für Spanier, Italiener und Franzosen wirkt Deutschlands Lockdown eher spielerisch.  | © imago images / Bildgehege Foto: imago images / Bildgehege

Martin Lück blickt auf die Märkte

Ungewöhnliche Zeiten – ungewöhnliche Maßnahmen

Kaum ein deutscher Spitzenpolitiker ließ es in den vergangenen Wochen aus, sich in höchsten Tönen lobend über den Umgang seines Wahlvolkes mit der Corona-Krise zu äußern. Wobei das, was hierzulande in fragwürdigem historischem Brückenschlag zur schwersten Bewährungsprobe seit dem Zweiten Weltkrieg stilisiert wurde, aus Sicht von Spaniern, Italienern oder Franzosen eher wie Kindergeburtstag gewirkt haben muss. Milde Kontaktbeschränkungen statt von der Polizei durchgesetzten Ausgangssperren, Spiel und Sport im Park statt Singen vom Balkon und üppige Leerstände von Intensivbetten statt Stapel von Särgen auf Militärlastwagen.

Seit der unglücklichen Kommunikation seitens der Bundesregierung am 15. April 2020, die vor allem wegen des schwer nachvollziehbaren 800-Quadratmeter-Limits für Geschäfte im Gedächtnis bleibt, hat die Debatte um die richtige Exit-Strategie drastisch an Schärfe zugenommen. Insbesondere die Zahl derjenigen, die sich ganz offen Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln verweigern, ist angestiegen. Dazu kommt die berechtigte Abwägung der notwendigen Corona-Maßnahmen einerseits und des ökonomischen und gesamtgesellschaftlichen Schadens andererseits.

Unter dem Strich wird deutlich, dass die Gesellschaft einen längeren Lockdown – wenn man das mit Blick auf unsere Nachbarländer überhaupt so nennen mag – kaum ertragen würde. Die für Volkswirtschaft und Märkte höchst relevante Schlussfolgerung lautet: Der Tanz mit der Kurve, also die Zahl Neuinfizierter, wird kein sanftes Dahingleiten. Die Notwendigkeit, die Reproduktionsrate deutlich unter eins und die Neuinfektionszahlen möglichst niedrig zu halten, ist Voraussetzung für weitere Lockerungen.

Worauf Anleger jetzt achten müssen

Wer im April nur auf die Aktienmärkte geschaut hat, wird seinen Augen nicht getraut haben. Der S&P 500 legte um knapp 13 Prozent zu, gleichzeitig verringerten sich die Jahresveränderungsrate der Unternehmensgewinne auf Zwölfmonatsbasis Ende des Monats auf minus 17 Prozent. Damit waren Anleger in US-Aktien Ende April bereit, das Zwanzigfache des geschätzten Gewinnes der nächsten 12 Monate zu bezahlen – zum ersten Mal seit Mai 2002. Damals, in der Spätphase des New Economy-Kollaps, vollzog sich ein ähnliches Phänomen wie heute, die Gewinnerwartungen gaben schneller nach als die Aktienkurse. Das Ergebnis ist bekannt: Erst Anfang 2003 erreichten die Märkte ihren Tiefpunkt. Anders als 2002 steht 2020 das machtvolle „Whatever-It-Takes“-Motto der Notenbanken im Raum, dazu schier schwindelerregende staatliche Stimulus-Maßnahmen. Sind die massiven Maßnahmen der Geld- und Fiskalpolitik wirklich in der Lage, Corona-bedingt wegfallende ökonomische Aktivität vollständig zu ersetzen und damit den Märkten die erforderliche Brücke zu bauen?

In den USA braut sich derweil ein bedrohlicher Cocktail zusammen – gemixt aus Präsidentschaftswahlkampf, dem Konflikt mit China und der ausufernden Staatsverschuldung. Einerseits braucht Präsident Trump Möglichkeiten, seine Wählerbasis mit Belegen für Unnachgiebigkeit gegenüber China zu versorgen: Kaum etwas ist in der US-Politik so erfolgversprechend wie die spöttische Vorführung Chinas. Zuletzt nahm dies allerdings ein besorgniserregendes Ausmaß an, indem Trump und Außenminister Pompeo China vorwarfen, mit der Vertuschung des Corona-Ausbruchs absichtlich den USA immensen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen.

Die Überlegung, fällige Zins- oder sogar Tilgungszahlungen auf die 1,1 Billionen US-Dollar an US-Anleihen, die China hält, als angebliche Kompensation der China angelasteten Corona-Schäden zu verweigern, geistert bereits durch die Kommentare. Angesichts einer kollabierenden Wirtschaft und sinkender Wiederwahlchancen sollte man bei diesem Präsidenten nichts ausschließen, und sei es auch noch so absurd.

Das Video „Blick auf die Märkte“ können Sie hier ansehen.

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