AWD-Zentrale in Hannover

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Maschmeyer und AWD reagieren auf kritischen NDR-Film

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Während sich der heutige Swiss-Life-Großaktionär Maschmeyer in der Bild-Zeitung in knappen Worten pauschal gegen die von NDR-Autor Christoph Lütgert erhobenen Vorwürfe verwahrt, hat sich auch das lange Jahre von ihm geführte Finanzvertriebsunternehmen geäußert. Zehn Jahre alte Fälle

Im Film waren mehrere Anleger, die sich von AWD-Beratern nach dem Erwerb geschlossener Fondsbeteiligungen betrogen fühlten, zu Wort gekommen. Laut AWD-Sprecher Bela Anda gehe es dabei ausnahmslos um Altfälle aus den Jahren 1991 bis 2001. „Dabei handelt es sich um die Vermittlung der Medienfonds IMF 1 bis 3 und um einen Fonds der Jagdfeld-Gruppe. Alle im Film zitierten Fälle sind uns bekannt, sie sind klar dokumentiert“, erläutert Anda gegenüber DAS INVESTMENT.com.

Die Anleger hätten entsprechende Risikohinwiese und Beratungsprotokolle unterzeichnet „In drei der vier Fälle wurde auch bereits den Rechtsanwälten der Kunden mitgeteilt, dass die Vorwürfe einer Überprüfung nicht Stand halten“, so Anda weiter. Der vierte Kunde hatte sich bisher noch nicht an AWD gewandt.

Der NDR verschweige in dem Beitrag, dass die Beteiligungen anfänglich durchaus werthaltig gewesen seien. „Eine im Film zitierte Anlegerin, die gegen AWD vorgeht, hatte sich deswegen sogar an drei Medienfonds beteiligt, obwohl sie schon den ersten Medienfonds –ein Jahr nach seiner Umwandlung in ein Aktienpaket durch die Initiatoren – mit 30 Prozent hätte verkaufen können. Die Medienfonds sind vor allem durch den Absturz des Neuen Marktes in Mitleidenschaft gezogen worden“, so der AWD-Sprecher.

AWD: keine faire Berichterstattung

„Große Teile des ausgestrahlten Beitrags wurden bereits im September 2010 im Dritten Programm erstmalig gesendet, ohne dass uns zum damaligen Zeitpunkt rechtzeitig die Gelegenheit einer Stellungnahme gegeben wurde“, betont Anda. Für ihn sei dies der Versuch, mit unlauteren Mitteln Meinung zu machen und habe mit „vorgeblich kritischer oder gar fairer Berichterstattung“ nichts zu tun.

Maschmeyer-Anwalt Matthias Prinz hatte im Nachgang der September-Ausstrahlung laut "Hamburger Abendblatt" sieben einstweilige Verfügungen auf Unterlassung erwirkt. Die Zeitung zitiert NDR-Justiziar Klaus Siekmann damit, dass es dabei jedoch in keinem Fall um substanzielle Aussagen gegangen sei, sondern um Fragen wie die, ob ein Auto Maschmeyers schwarz oder weiß sei.

Maschmeyers Rechtsberater hatten sich im Vorfeld der Ausstrahlung des neuen Films mittels eines umfangreichen Schreibens an sämtliche Intendanten der ARD gewandt. Ihrem Klienten sei die Gelegenheit zur Stellungnahme verweigert worden. „Ich habe von den angeblichen Vorwürfen erst aus der Programmzeitschrift erfahren“, sagte Maschmeyer der „Bild“-Zeitung. Der NDR bestreitet dies. Im Film sind mehrere erfolglose Kontaktversuche des NDR-Journalisten Lütgert, Aussagen von dem ehemaligen AWD-Chef zu erhalten, zu sehen.

Auch eine Abmahnung in letzter Minute seitens der Anwälte konnte die Ausstrahlung nicht mehr verhindern. Die aktuelle Auseinandersetzung zwischen NDR und Maschmeyer dürfte nicht die letzter ihrer Art sein. Am 2. Februar plant die ARD in der Reihe "Panorama – Die Reporter" einen weiteren Film zum Thema, der sich auf die bisherige juristische Auseinandersetzung Maschmeyers mit dem Sender konzentrieren soll.

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