Matias Collan hat in seiner Karriere schon viele Perspektiven im Finanzsektor kennengelernt: Vom Anwalt über den Investmentbanker bis zum Managing Director und Operating Partner bei Earlybird. 2021 gründete er mit Ace Alternatives eine Tech-Plattform für Fondsadministration. Im Gespräch mit DAS INVESTMENT erklärt er, warum gerade im Backoffice-Bereich der Alternative Investments eine technologische Revolution überfällig ist und wie sein Unternehmen die Lücke zwischen Tradition und KI schließen will.
DAS INVESTMENT: Herr Collan, 2021 haben Sie Ace Alternatives gegründet. Was war Ihre Motivation dafür?
Matias Collan: Die Idee ist aus einem konkreten Bedarf entstanden. Ich hatte vorher schon verschiedene Stationen im Fonds-Ökosystem durchlaufen. Dabei habe ich immer wieder gemerkt, dass es einen riesigen Bedarf bei Fondsmanagern gibt, was ihre Backoffice-Operations anbelangt. Das ist nie im Fokus und dementsprechend wollen sie das nicht selbst machen – und oft können sie es auch nicht.
Aber ist das nicht schon ein übersättigter Markt? Es gibt doch zahlreiche Fund-Administration-Anbieter.
Collan: Ich glaube, wir unterscheiden uns durch drei Faktoren: Erstens haben wir eine crossfunktionale Erfahrung, die man sonst kaum auf dem Markt findet. Zweitens sind wir operativ erfahren – wir waren selbst auf der anderen Seite und sprechen die Sprache des Kunden. Die meisten Anbieter haben diese praktische Erfahrung nicht. Und drittens setzen wir stark auf Technologie. Etwa 60 bis 70 Prozent unseres Tech-Stacks ist selbstentwickelt. Wir glauben, dass es gerade bei den Alternative Investments noch einen enormen Modernisierungsbedarf gibt.
Was genau deckt ihr Portfolio ab?
Collan: Der Name Ace steht für unsere Kernprodukte: A für Administration, also die laufende Buchhaltung und das Reporting. C steht für Compliance und E für ESG. Dazu kommt noch das Steuerwesen. Wir betreuen einen Fonds wirklich vom Aufsetzen bis zur Abwicklung und sind Ansprechpartner für alle Beteiligten im Ökosystem – vom Fondsmanager bis zum Investor. Zu unseren Aufgaben zählen neben der Fondsbuchführung und der Berechnung der Nettovermögenswerte auch Steuerreports, Bafin-Meldungen und digitale KYC-/AML-Onboardings sowie ESG-Reportings. Damit können sich unsere Partner ganz auf Deal-Sourcing, Portfoliobetreuung und Kapitalbeschaffung konzentrieren.
Wenn man es zugespitzt sagen würde: Sie sind quasi die Profiteure der Regulierungswut.
Collan (lacht): Ja, das kann man schon so sagen. Wir sind Profiteure, aber auch Leidtragende, weil wir natürlich ebenfalls mit diesen Regularien umgehen müssen. Allerdings ist das nur ein Teil unseres Geschäfts. Der Schwerpunkt liegt in der Abbildung und Darstellung der Finanzzahlen und des Reportings. Es geht darum, zu zeigen: Wohin ist das Geld geflossen? Ist es profitabel eingesetzt? Wie sind die Zukunftsaussichten? Das ist wichtig, damit der Fondsmanager von den Investoren transparent gemessen werden kann.
Es ist ein lukratives Geschäftsmodell, von immer neuen Regularien zu profitieren. Sind Sie damit schon profitabel?
Collan: Im Grunde ja, allerdings liegt die Herausforderung darin, kontinuierlich in die Technologie zu investieren und gleichzeitig die wachsenden Anforderungen zu erfüllen. Das bindet erhebliche Ressourcen.
Wer sind denn Ihre typischen Kunden?
Collan: Das sind unabhängige VC- und PE-Manager, Family Offices, Dachfonds und Kapitalverwaltungsgesellschaften. Mit ihnen schließen wir Verträge über die Betreuung der jeweiligen Fonds ab. Für die KVG und uns ist der gemeinsame „Kunde“ natürlich der Investor. Am Ende geht es um sein Geld, und deswegen ist die Zielrichtung immer eine saubere Datenbereitstellung für diese Investoren.
Wie viele Kunden betreuen Sie aktuell?
Collan: Wir haben hauptsächlich deutsche Kunden, betreuen über 50 Vehikel und haben 27 Kundenbeziehungen. Die Zahlen zeigen schon, dass viele Kunden uns mehrere Fonds bringen. Wir bewegen uns jetzt schrittweise in immer höhere Gewichtsklassen mit größeren Fondsvolumina.
Auf welche Kaliber schielen Sie jetzt?
Collan: Die großen Private-Equity-Häuser in Deutschland. Wir haben jetzt die Deutsche Beteiligungs AG als Kunden mit einem Pilotfonds, einer der arriviertesten Private-Equity-Kunden in Deutschland. Die haben wir durch unseren Tech-Stack überzeugt. Das ist das Kaliber, mit dem wir künftig arbeiten wollen, weil deren Datenbearbeitungsbedarf immens ist.
Das klingt ambitioniert. Aber haben Sie überhaupt die Infrastruktur, um mit den etablierten großen Anbietern konkurrieren?
Collan: Wir wachsen sehr schnell. 2022 waren wir noch zu viert, mittlerweile haben wir ein 30-köpfiges Team.
Wie setzen sich Ihre Mitarbeiter zusammen, sind das primär IT-Spezialisten?
Collan: Gar nicht. Wir haben natürlich ein Entwickler-Team, das überwiegend in Indien tätig ist. Die Kern-Techies sitzen aber in Deutschland. Unser operatives Team besteht aus Finanzbuchhaltern, Controllern, Steuerexperten und Compliance-Spezialisten. Da braucht man eine sehr tiefe Domain-Expertise.
Sie begleiten einen Fonds von der Auflage bis zur Abwicklung. Das setzt stabile Kundenbeziehungen voraus.
Collan: Unsere längste Kundenbeziehung besteht seit der Gründung 2021. Aber ich halte die Kündigungsfristen bewusst kurz. Ich möchte keinen Kunden unnötig binden – wenn jemand gehen will, soll er gehen. Und die gleiche Freiheit nehme ich mir auch. Wenn ich das Gefühl habe, mit einem Kunden passt es nicht, möchten wir uns auch von ihm lösen können. Es ist trotz aller Automatisierung eine menschliche Beziehung, und wir legen enormen Wert darauf, dass diese Beziehungen passen.
Sie haben mit Join Capital angefangen, einem Venture Fonds aus Berlin. Wie haben Sie das zum Laufen gebracht?
Collan: Join hat uns anfangs mit ihrem neuen Fonds 2 betraut, und wir haben unsere Prozesse und Systeme parallel aufgebaut. Im ersten Halbjahr 2022 haben sie uns dann auch ihren Bestandsfonds aus 2017 anvertraut, was eine willkommene Herausforderung war, um unsere Fähigkeiten bei der Datenmigration unter Beweis zu stellen. Ab 2022 haben wir aktiv mit anderen Kunden gesprochen.
Welche Rolle spielt KI in Ihrem Geschäftsmodell?
Collan: Mit KI-basierten Agenten kommt ein ganz neuer Schub auf die Branche zu. Das ist ein Schwerpunkt, den wir für uns setzen. Damit können wir auch Fälle bedienen, bei denen man früher einen enormen Integrationsaufwand hatte, der jetzt immer weniger wird. Davon profitieren beide Seiten – wir und unsere Kunden.
Sie haben sich auf alternative Investments spezialisiert. Welche Auswirkungen hat die Eltif-Novelle auf Ihr Geschäft?





Collan: Die Eltif-Novelle wird einiges verändern, und wir haben uns frühzeitig damit auseinandergesetzt. Sie wird vermutlich zu längerfristigen Anlagestrategien mit Evergreen-Strukturen führen. Das halte ich für positiv. Denn ein großes strukturelles Problem im Alternative-Markt waren schon immer die festgelegten Konventionen für Fondslaufzeiten. Wie soll ein Early-Stage-Venture-Fonds, der eine 10-Jahres-Laufzeit hat, wirklich innerhalb von 10 Jahren abgewickelt werden? Das funktioniert nicht.
Wie sehen Sie die Zukunft der Fondsadministration und wo steht Ihr Unternehmen in diesem Wandel?
Collan: Was wir derzeit sehen, ist erst der Anfang einer Transformation, die noch viele Jahre dauern wird. Repetitive Prozesse werden weitgehend automatisiert, während gleichzeitig die Anforderungen an Datenqualität und Transparenz steigen. In Europa haben wir beim Kapital für Alternative Investments nur etwa ein Zehntel der Allokation verglichen mit den USA – hier liegt enormes Wachstumspotenzial. In diesem Umfeld werden jene Anbieter erfolgreich sein, die tiefes Domänenwissen mit technologischer Kompetenz verbinden können. Wir wollen in dieser Transformation eine aktive Rolle spielen.

