Max Otte

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Max Otte: „Amerikanische Rating-Agenturen messen mit zweierlei Maß“

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Michel Barnier, EU-Binnenmarktkommissar, hat Vorschläge zum Umgang mit Rating-Agenturen veröffentlicht. Der große Wurf, wie von Max Otte erhofft, ist es nicht. „Das grundsätzliche Problem der Erpressbarkeit von Staaten und der Tatsache, dass die Agenturen eben immer zu spät kommen und Probleme eigentlich verschärfen, bleibt bestehen“, sagt Otte gegenüber dem Deutschlandradio. Fehlender Wettbewerb Er fordert die zeitweilige Aussetzung von Länder-Ratings und die Gründung einer europäischen Rating-Agentur. „Dann hätten wir eine europäische Gegenmacht zu den US-Agenturen, die mit zweierlei Maß messen.“ Es gehe in Ordnung, Italien herabzustufen. „Was aber nicht okay ist, ist eine USA, die ein mehr als doppelt so hohes Defizit haben wie Italien, bei der Bestnote AAA zu belassen. Die negative Stimmung konzentriert sich dann auf Italien und die USA bleiben unbehelligt.“ Was Otte will, ist der neutrale Wettbewerb der Ratings und der Agenturen. Den Kosten einer europäischen Rating-Agentur – Barnier zufolge würde sie mit 300 Millionen Euro zu Buche schlagen – hält Otte für vertretbar. „Auch wenn es in die Hunderte von Millionen geht, ist das besser als die Hunderte von Milliarden potenzieller Schulden und Verpflichtungen, die wir jetzt eingehen“, so Otte. Unzureichend, aber mit Lichtblicken Den Vorschlag der EU-Kommission, die Methoden der Agenturen öffentlich zu machen, hält er für sinnvoll. Die unterschiedlichen Bewertungen von Italien und den USA würden dadurch schwerer.

Auch sei eine Aussetzung der Abhängigkeit ein weiterer Lichtblick. Gemeint ist damit, dass die Ratings die Anlageentscheidungen von Versicherern und Pensionsfonds beeinflussen. Stufen die Agenturen eine Staatsanleihe runter, hat das eventuell automatisch zur Folge, dass die Papiere verkauft werden müssen. Für ihn als Fondsmanager des PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G) spielen Ratings auch keine Rolle, so Otte. Er ignoriere sie in seiner Arbeit komplett, mit einer Ausnahme: Nach einer Herabstufung eines Landes herrsche zunächst in der Regel eine negative Zustimmung an den Märkten. Diese könne man eigentlich immer ganz gut für Schnäppchen nutzen.

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