Maximilian Anderl (Foto) managt den Fonds seit Auflegung zusammen mit Jeremy Leung

Maximilian Anderl (Foto) managt den Fonds seit Auflegung zusammen mit Jeremy Leung

Maximale Meinung

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„Wir bevorzugen Firmen, hinter denen entweder eine Familie steht oder wo das Management zum Großteil selbst  investiert ist“, sagt Maximilian Anderl, der den europäischen Aktienfonds UBS European Opportunity Unconstrained zusammen mit Jeremy Leung managt.

So sei etwa ein finnischer Versicherungskonzern seit Auflegung des Fonds im Portfolio und unter den zehn größten Positionen, „dessen Vorstandsvorsitzender 2 Prozent der Aktien hält, was einen Großteil seines Gesamtvermögens ausmacht“, erzählt Anderl. Er sei der einzige Versicherungschef, den er kenne, der während der Finanzkrise 2008 das Rentenportfolio persönlich geprüft habe.

Finanzwerte aufgestockt


Finanzwerte, vor allem Versicherungen, haben Anderl und Leung in den vergangenen sechs Monaten deutlich aufgestockt. Sie sind mit 30,1 Prozent inzwischen die größte Sektorposition im Portfolio. „Die monetäre Lockerung hat den europäischen Rentenmarkt stabilisiert. Das macht Finanzwerte grundsätzlich weniger riskant“, erklärt Anderl. Die niedrigen Zinsen sind seiner Meinung nach kein Problem. „Viele Versicherer  haben bereits Gegenmaßnahmen ergriffen“, so Anderl.

Die Kosten seien gesenkt und die Prämien erhöht worden. Anderl und Leung dürfen nahezu alles: auf steigende Kurse setzen, auf fallende; eine Benchmark oder irgendeine Indexgewichtung spielen ebenso wenig eine Rolle wie Meinungen aus dem Bankhaus. Der „Active Share“, also der Teil des Portfolios, der nicht mit dem Vergleichsindex MSCI Europe übereinstimmt, liegt bei 115  Prozent. Das Portfolio unterscheidet sich  also komplett vom Index.

„Das geht nur weil wir auch shorten dürfen. In der Regel ist das Portfolio zu 130 Prozent long und  zu 30 Prozent short aufgestellt“, erklärt  Anderl. Das seien rund 60 Titel auf der  Long- und 40 auf der ShortSeite. Auf fallende Kurse setzt das Team derzeit in den  Sektoren Industrie und Basismaterialien. Anderl: „Hier neigt sich ein 15-jähriger Superzyklus langsam dem Ende zu. Das wird von den meisten externen Analysten unterschätzt.“
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Europa ist unterbewertet


Insgesamt ist Europa im globalen Vergleich unterbewertet, hat allerdings auch die schlechtesten Wirtschaftsdaten. „Europa hat aber die höchsten Chancen auf eine leichte Verbesserung. Das zeigen unter anderem die Einkaufsmanager-Indizes“, sagt Anderl.

Zudem erzielten europäische Firmen im Schnitt 50 Prozent ihrer gesamten Erträge im Ausland. Anderl: „Wir kaufen vor allem Large und Mid Caps. Da ist der Auslandsanteil sogar noch etwas höher.“

Aber auch die Schwellenländer haben Wachstumsprobleme. Bremst das die europäischen Firmen nicht aus? Anderl: „Die  Zahlen sind immer noch gut. Und ob China nun mit 8 oder 6 Prozent wächst, spielt für den Absatz europäischer Firmen kaum eine Rolle.“

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