Der Vermögensverwalter Carmignac hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1989 einen Namen in der Branche gemacht, insbesondere durch die Leistungen von Edouard Carmignac während der Finanzkrise 2008. Während die Märkte damals einbrachen, hielt er den Flaggschifffonds Carmignac Patrimoine auf Kurs.
Doch die Zeiten haben sich geändert, und das Unternehmen steht vor neuen Herausforderungen. Maxime Carmignac, die Tochter des Firmengründers, sprach nun in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ über die Zukunft des Unternehmens, die strategische Neuausrichtung und ihre persönliche Rolle.
Carmignac setzt auf den Enkel-Fonds
Maxime Carmignac gibt zu, dass das Unternehmen in den letzten Jahren hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. „Es stimmt, die Ergebnisse waren nicht auf dem Niveau, das wir erwartet hatten, aber wir arbeiten hart daran, die Renditen dieser Fonds zu verbessern“, sagte sie.
Als Reaktion hat Carmignac das Produktangebot diversifiziert und legt nun einen stärkeren Fokus auf Transparenz.
Ein Schlüsselelement der neuen Strategie ist der Grandchildren-Fonds, ein Fonds für Enkel. Er zielt auf langfristige Investitionen ab und erfüllt als Artikel-9-Fonds strenge ESG-Kriterien. Maxime Carmignac sieht darin eine Möglichkeit, insbesondere weibliche Investoren anzusprechen.
„Ich als Frau habe dieses Konzept entwickelt und möchte damit gerade auch Frauen erreichen, aber es ist natürlich für alle langfristigen Investoren geeignet.“ Sie argumentiert, dass Frauen in der Regel weniger risikofreudig seien und mehr Wert auf nachhaltige Investitionen legen würden.
„Wachstum an sich ist nicht unser Ziel“
Carmignac selbst positioniert sich als Boutique-Unternehmen im Stil eines Flossbach von Storch in Deutschland oder Fundsmith in Großbritannien, das sich auf spezielle Anlagebereiche und Kunden konzentriert. Damit wolle man sich auch von den großen Anbietern wie Blackrock, Vanguard und Amundi abgrenzen, die häufig auf ETFs setzen und sich in einem Kostenwettbewerb befinden.
„Wachstum an sich ist nicht unser Ziel. Wir wollen als eine Boutique nicht mehr als 100 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen haben“, sagte Maxime Carmignac dem „Handelsblatt“. Sie betont, dass das Unternehmen weiterhin unabhängig und in Familienbesitz bleiben wird.
Das verwaltete Vermögen von Carmignac hat zuletzt deutlich abgenommen, von 54 Milliarden Euro in der Spitze auf nunmehr rund 30 Milliarden. Reduziert habe sich vor allem die Zahl der institutionellen Kunden, stabil laufe dagegen der Privatkundenmarkt.
Zuwachs bei ESG-Fonds
Dass die Zeiten für Vermögensverwalter generell schwer geworden sind, erläuterte Carmignac neulich im Rahmen des Vermögensaufbau-Gipfels der Wirtschaftszeitschrift „Capital“. So sei die Anzahl der aktiven Fonds stark zurückgegangen: 40 Prozent der vor einem Jahrzehnt aufgelegten Fonds existierten nicht mehr, der Markt schrumpft seit Jahren.
Ein schwieriges Umfeld. Doch für sie kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: „Herausforderungen bieten Chancen“, so Carmignac. Ein Wachstumsfeld seien ESG-Fonds wie der Grandchildren-Fonds. „Wir sahen Abflüsse bei den nicht geregelten Fonds, während wir bei ESG-Fonds einen Zuwachs beobachtet haben.“

