Medienstimmen zur Griechenland-Krise

„Die Geduld ist am Ende“

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Am Donnerstag treffen sich die Euro-Finanzminister und bemühen sich erneut um eine Einigung bei den Verhandlungen um die Griechenlandrettung. Sollte ihnen diese nicht gelingen, werden sich die Staats- und Regierungschef in Brüssel zu einem Sondertreffen zusammenfinden. Ob dann der Grexit kommt, weiß niemand so genau. Bei den Kommentatoren ist eine Rettung Griechenlands um jeden Preis kein Thema mehr. Die Wirtschaftswoche schreibt: „Was soll falsch daran sein, Griechenland mit seiner souveränen Wahlentscheidung autonom zurecht kommen zu lassen und das Spiel, das eine Seite mit einer Pokerpartie verwechselt, zu beenden? Für Griechenland würde es hart und das muss jeden mitfühlenden Menschen schmerzen. Aber die Reset-Taste zu drücken kann auch für alle Beteiligten eine Befreiung sein.“ Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt: „Sind die Gläubiger doch noch bereit, die „Verhandlungsangebote“ der griechischen Regierung zu akzeptieren, obschon deren Reformbereitschaft äußerst gering und obwohl deren kalt grinsende Selbstgerechtigkeit eigentlich unerträglich ist? So wie bisher kann es nicht weitergehen. Das Publikum hat die Nase voll, die Geduld ist am Ende; EU und Währungsunion verlieren an Ansehen, der Zusammenhalt bröckelt. Es geht nicht darum, ein Volk und dessen Regierung zu demütigen. Es geht vielmehr um deren ideologisch motivierte Realitätsverweigerung. Die lässt die griechische Führung nicht erkennen, dass sie ihr Land in die Katastrophe stürzt, wenn sie mit den Gläubigern bricht. Denn die werden und können das Spiel nicht mehr mitmachen, ohne ihre Glaubwürdigkeit und Prinzipientreue und die der europäischen Institutionen vollends zu ramponieren. Auch die leben vom Vertrauen der Bürger. Demokratie gibt es schließlich nicht nur in Griechenland.“

Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Ein Schuldenschnitt allein würde auch nicht reichen. Denn wenn die Griechen und ihre Politiker anschließend so weitermachen wie bisher, wenn sie sich einen aufgeblähten Staatsapparat leisten, wenn sie die Steuern nachlässig eintreiben (oftmals auch gar nicht), und wenn die Regierung von Alexis Tsipras den Eindruck vermittelt, die Probleme des Landes hätten nicht in erster Linie die bisherigen, vom griechischen Volk gewählten Regierungen verursacht, sondern finstere Mächte in Brüssel und an den Finanzmärkten - dann wird das Land selbst mit einem Schuldenschnitt schnell wieder mit den gleichen Problemen zu ringen haben. Die Griechen haben sich einen Schuldenschnitt ganz gewiss nicht verdient; aber es führt kein Weg daran vorbei - aus ökonomischen wie aus politischen Gründen. Die Alternative wäre im Übrigen ein ungeordneter Staatsbankrott. Auch der hätte zur Folge, dass Athen seine Schulden anschließend nicht zurückzahlen würde - nur wäre der Prozess sehr viel chaotischer.“

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