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Medio-Bonus-Zertifikate – Commerzbank kreiert neue Teilschutzpapiere

Sie sollen vor nicht allzu großen Verlusten des Basiswerts schützen, auch in Seitwärtsmärkten eine ansprechende Rendite bringen und in steigenden Märkten alle Chancen offen lassen - Bonuszertifikate galten lange Zeit als die Wunderwaffe gegen launische Aktien- und Rohstoffmärkte. Der Haken: Es gibt ein Szenario, in dem man die Teilschutzpapiere besser nicht im Depot haben sollte, und zwar wenn es mit dem Basiswert kräftig abwärts geht und die Barriere reißt. In einem solchen Fall wird aus dem vermeintlichen Allzweckmittel eine schlechte Partie. Dann nämlich wäre der Anleger mit einer Investition in den Basiswert oft wesentlich besser gefahren. Besitzer von Bonuszertifikaten verzichten automatisch auf anfallende Dividenden oder Zinserträge, die Käufern der entsprechenden Basiswerte in regelmäßigen Abständen zufließen. Bei einer Dividendenrendite von 5 Prozent entsteht hier über eine Laufzeit von 4 Jahren ein Renditeunterschied von 21,6 Prozent. Entschärfte Barriere Klar ist, Zertifikate, die sich stets besser entwickeln als der Basiswert kann es nicht geben. Dennoch haben die Zertifikate-Emittenten in den vergangenen Jahren die neu kreierten Produkttypen ständig weiterentwickelt, um Anleger den Appetit nicht zu verderben – so auch bei der Produktart Bonuszertifikat. Bei Bonus-Papieren mit dem Namenszusatz „Pro“ beispielsweise ist die für den Anlageerfolg und -misserfolg entscheidende Barriere nur für einen bestimmten Zeitraum, bei einigen sogar nur am Bewertungstag aktiv. Die Chance auf die Bonusrendite bleibt so auch bei zwischenzeitlichen Kurseinbrüchen gewahrt. Im Gegenzug sind die Zertifikate jedoch mit einer geringen Bonusrendite oder einem kleineren Sicherheitspuffer ausgestattet. Kursausreißer erlaubt Die Commerzbank hat nun einen neuen Bonus-Typ namens Medio auf den Markt gebracht. Ähnlich wie bei der Pro-Variante ist die Barriere auch hier nicht über die gesamte Laufzeit aktiv. Ob der Bonusmechanismus zur Fälligkeit Bestand hat, entscheidet sich erst am finalen Bewertungstag. Relevant ist jedoch nicht der dann aktuelle, sondern der über die gesamte Laufzeit ermittelte Durchschnittskurs des Basiswerts. Zur Ermittlung des Durchschnittskurses werden die jeweils zur Monatsmitte beobachteten Kursniveaus addiert und durch die Anzahl der Monate geteilt. Kursausreißer nach unten, die die Schutzfunktion von klassischen Bonuspapieren zunichte mache würden, können auf diese Weise leicht ausgebügelt werden. Gefahr droht erst, wenn sich der Basiswert sehr lange und sehr weit unter der Kursschwelle aufhält. Erst Einzeltitel, nun der Index Die ersten vier Medio-Bonus-Zertifikate wurden am 6. März emittiert und laufen auf die Einzelwerte Allianz, BASF, Commerzbank und Daimler (zur Produktliste auf der Emittentenseite). Aktuell und bis zum 3. April befindet sich ein Papier auf den Euro Stoxx 50 (WKN CZ23Z7) in der Zeichnungsphase (Produktbroschüre). Die Barriere wird zum Start bei 70 Prozent des Indexstands festgelegt. Zur Fälligkeit am 14. Oktober 2010 erhalten Anleger zum Nennwert von 100 Euro eine Bonuszahlung von 10 Euro abzüglich des Ausgabeaufschlags von einem Euro. Dafür muss der über 18 Stichtage ermittelte Durchschnittskurs des Europaindex über der Barriere liegen. Konkurrenz: Bonus-Klassiker, Pro-Variante und Discounter Die Chance, dass dies klappt, ist sehr hoch. Dafür fällt die in Aussicht gestellte, nach oben begrenzte Rendite mit aufs Jahr gerechneten 5,9 Prozent doch sehr mager aus. Zum Vergleich: Ein klassisches Capped-Bonus-Zertifikat von HSBC mit einer Laufzeit bis 17. September 2010 bietet bei einem ähnlich hohen Sicherheitspuffer eine Bonusrendite von 20,1 Prozent pro Jahr. Die Gefahr einer Barriereverletzung ist bei diesem Papier natürlich ungleich höher. Gegenüber der Pro-Variante sollten Medio-Bonus-Papiere immer dann den Vorzug erhalten, wenn sich Anleger heftige Kurseinbrüche erst zu fortgeschrittener Laufzeit vorstellen können. Notiert der Basiswert zur Fälligkeit unter der Barriere, ist die Bonusrendite bei Zertifikaten des Typs Pro in jedem Falle dahin. Bei den Medio-Papieren muss das nicht sein, vor allem wenn der Basiswert erst gegen Ende zur Schwäche neigt. Die neuen Medio-Bonus-Zertifikate müssen sich jedoch auch dem Vergleich mit anderen Teilschutzpapieren stellen. Eine Zielrendite von um die 6 Prozent pro Jahr lässt sich alternativ auch mit einem Discounter relativ sicher realisieren. Ein passendes Papier der Deutschen Bank (WKN DB3WPB) bietet auf den Euro Stoxx 50 einen Rabatt von über 50 Prozent. Um die Maximalrendite von jährlichen 6,3 Prozent zu erreichen darf der Index um bis zu 45,3 Prozent fallen. Am Ende steht der Anleger vor der bekannten Qual der Wahl: Eine bescheidene aber doch relativ sichere Rendite oder ein wenig mehr, mit der Gefahr, dass man am Ende draufzahlen muss.

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