Saudi-Aramco-CEO Amin Nasser und Vorsitzender Yasir al-Rumayyan bei einer Pressekonferenz Anfang November: Der Börsengang von Saudi Aramco könnte bisherige Rekorde übertreffen. | © Getty Images

Mega-Börsengang

Was Fondsanbieter von Saudi Aramco halten

Noch wenige Tage können Großanleger Aktien des saudi-arabischen Ölriesen Saudi Aramco zeichnen. Für Privatanleger läuft die Frist bereits am 28. November ab. Medienberichten zufolge läuft es gut für den staatlichen Ölkonzern. Kleinanleger sollen laut der am Börsengang (Englisch: Initial Public Offering, IPO) beteiligten Bank Samba Capital bislang 680,3 Millionen Aktien gezeichnet haben. Damit dürfte Saudi Aramco den bisherigen Rekord-Börsengang des chinesischen Handelsriesen Alibaba übertreffen. Wie die Analystin Lysu Paez Cortez von der Bank Natixis dem Handelsblatt sagte, setzt der Ölkonzern beim Zeichnen der Aktien hauptsächlich auf reiche Familien in Saudi-Arabien und Partner aus China.

„Internationale Investoren sind praktisch ausgeschlossen“, sagt Malek Bou-Diab, Portfoliomanager des BB African Opportunities Fonds bei Bellevue Asset Management. Enttäuschend sei außerdem, dass der an der Börse verkaufte Anteil auf 1,5 Prozent zurückgestuft worden sei. Für den Mega-Börsengang spricht, dass er „politisch relevant ist und nicht scheitern darf“, so Bou-Diab. Strategisch bleibe Saudi Aramco sehr wichtig für die Weltwirtschaft, denn die Firma fördere mehr als 10 Millionen Fässer Öl pro Tag bei Kosten von insgesamt nur 7,6 US-Dollar pro Fass. Auch die Bilanz überzeuge: Saudi Aramco sei nicht verschuldet und erwirtschafte eine Gesamtkapitalrendite von mehr als 40 Prozent – viermal mehr als andere Firmen in dieser Branche.

Die Bewertung des Unternehmens sei aber stark von der künftigen Entwicklung des Ölpreises abhängig. Dessen Volatilität erschwere die Berechnung eines fairen Kaufpreises und mache sie unzuverlässig, so der Portfoliomanager. Allerdings verspricht das Unternehmen eine Dividendenausschüttung von 75 Milliarden US-Dollar plus eventueller Zusatzdividende von 20 Milliarden US-Dollar. Bei der Preisspanne von 1,60 bis 1,71 US-Dollar entspricht dies einer Dividendenrendite von 4,4 bis 5,6 Prozent, was in einer Welt der niedrigen Zinsen durchaus attraktiv ist“, urteilt Bou-Diab.

Ölförderung wird nicht wachsen

„Tatsächlich gehört Saudi Aramco zu den größten und kostengünstigsten Öl- und Gasproduzenten in fast allen Betriebskennzahlen“, bestätigt Guinness Asset Management. Laut der Londoner Fondsgesellschaft verfügt der Konzern über mehr als 227 Milliarden Barrel Öl- und Flüssiggasreserven, die etwa 50 Jahre reichen dürften. Ein Barrel entspricht 159 Litern. Ein großes Wachstum der Ölförderkapazitäten sei aber nicht zu erwarten. „Bestenfalls schätzen wir, dass Saudi Aramco seinen Bestand an Fässern, die für die Produktion zur Verfügung stehen, eher beibehalten als vergrößern wird“, so die Analyse der Fondsgesellschaft. Auf den globalen Ölmarkt werde der Börsengang kaum Auswirkungen haben, schreibt Guinness AM.

Der Einfluss auf die Kapitalmärkte dagegen dürfte groß sein – das erwartet zumindest Franklin Templeton. Der Börsengang sei ein „bedeutender Meilenstein in der Entwicklung der Mena-Kapitalmärkte“, der Region Nahost und Nordafrika, sagt Salah Shamma, bei der Fondsgesellschaft als Leiter Investment zuständig für Schwellenländer. Shamma rechnet damit, dass Aramco im Laufe der Zeit 5 Prozent seiner Anteile an die Börse bringen wird, davon einen Großteil im Ausland. Er hält die Aktie für einen „einzigartigen Vermögenswert“ für Anleger.

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