Wir denken, dass uns weltweit Transformationswellen in einem Ausmaß bevorstehen könnten wie selten zuvor. MegaForces, strukturelle Kräfte, die Märkte und Portfolios grundlegend verändern, treiben sie an und entfesseln schon jetzt massive Investitionen in die Realwirtschaft: in Infrastruktur, Energiesysteme und Spitzentechnologie. Unserer Ansicht nach könnte das Volumen der Investitionen an frühere technologische Revolutionen heranreichen und Märkte sowie Volkswirtschaften umgestalten (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Mega-Investitionen im Anrollen. Gesamtbeiträge technologischer Revolutionen zum BIP

In die Zukunft gerichtete Schätzungen treten möglicherweise nicht ein. Quelle: BlackRock Investment Institute, Juni 2024, mit Daten von Crafts (2021). Anmerkung: Die Grafik zeigt die Beiträge großer technologischer Entwicklungen zum BIP-Wachstum der USA (außer „Dampfmaschine“) während der angegebenen Zeiträume. Die Schätzungen für die Informations-und Kommunikationstechnologie, Elektrizität und Dampfmaschinen sind der wissenschaftlichen Literatur wie z. B. Crafts (2021) entnommen. Die für KI und den Übergang erforderlichen Investitionen beruhen auf einer Schätzung des BII, basierend auf externen Untersuchungen zum Investitionsbedarf von Rechenzentren und dem Übergangsszenario des BlackRock Investment Institute (BIITS) (hierfür professionelle Kunden in englischer Sprache abrufbar). Andere Revolutionen fanden über mehrere Jahrzehnte statt. Bei unseren Schätzungen zu den Investitionen in KI und den Übergang sind wir dagegen optimistisch von einer kurzen Zeitspanne ausgegangen.

Tempo und Umfang dieser Ausgaben sowie ihre Folgen für die Produktivität in der gesamten Wirtschaft sind derzeit jedoch kaum abschätzbar. Nehmen wir die künstliche Intelligenz als Beispiel: Der Wettlauf um den Ausbau der Kapazitäten, die für sie benötigt werden, setzt bereits erhebliche Investitionen in Gang. Mehrere Schätzungen gehen von einer jährlichen Zunahme des in KI-Rechenzentren investierten Kapitals um 60 bis 100 Prozent in den nächsten Jahren aus. Genaue Zahlen lassen sich aber selbst in der ersten KI-Ausbauphase kaum nennen. Viel wird davon abhängen, ob es gelingt, Engpässe aufzulösen und zum Beispiel den Energiehunger der KI zu stillen, der zur steigenden Stromnachfrage für die Elektrifizierung hinzukommt. Innovationen in der Datenverarbeitung und im Energiesektor könnten solche Engpässe lindern.

Transformationswelle der Realwirtschaft steht bevor

Wir erwarten, dass der Großteil des möglichen Investitionsbooms in Infrastruktur fließen wird. Wir denken dabei an neue Rechenzentren für KI-Modelle, an Computerchips, Solarfarmen, Superbatterien, Fabriken, Logistikzentren, aber auch an Straßen, Brücken, Schulen und Krankenhäuser in Ländern mit Bevölkerungswachstum.

Diese neue Investitionswelle in die Realwirtschaft wird Volkswirtschaften und Märkte transformieren. In einem solchen Umfeld werden die Fundamentaldaten der Unternehmen aus unserer Sicht noch wichtiger. Das ist eine große Veränderung gegenüber den Jahren vor 2020, die sich durch eine Dominanz der Finanzwirtschaft auszeichneten. Damals hielt die stetige Zunahme an Produktionskapazitäten und Arbeitskräften weltweit die Makro-Volatilität in Schach. Stockte das Wachstum, konnten die Zentralbanken als Retter einspringen, ohne ein Aufflammen der Inflation befürchten zu müssen.

 

Diese Stabilität minderte die Unsicherheit und ermöglichte es den Währungshütern, ihre Absichten weit im Voraus zu signalisieren. In diesem günstigen Umfeld florierten die meisten Unternehmen, und es blieb ihnen, aber auch Stockpickern wenig Raum, sich von anderen abzuheben. Wir denken, dass diese Zeiten vorbei sind.

Jetzt, da sich die Realwirtschaft vor die Finanzwirtschaft schiebt, sollten sich Anleger aktiv positionieren, um Transformationswellen zu meistern, wie sie bislang sehr selten waren. Wir sehen weitreichende Chancen für innovative Unternehmen, die sich in Stellung bringen, um von diesem Wandel zu profitieren. Etwa indem sie Kapazitäten aufbauen, um die KI zu nutzen.

Zum Aufspüren der Gewinner braucht es tiefe Einblicke in die sich entwickelnde Technologie, ihre Anwendungen und ihr Disruptionspotenzial. Wir sehen bereits einige Unternehmen, die dank ihrer marktbeherrschenden Stellung starke Cashflows in der Realwirtschaft erzielen. Nvidias Kurssprung zeigt, wie schnell Gewinner auftauchen können – und vom Markt honoriert werden. Wer zurückbleibt, dürfte sich in diesem Umfeld schwertun – auch weil die Zentralbanken unserer Ansicht nach nicht mehr in der Lage sein werden, mit Zinssenkungen zur Hilfe zu eilen, sollte das Wachstum schwächeln. Zu den Zeiten mit billigem Kapital im Überfluss werden wir nicht zurückkehren.

Grafik 2: Nvidia und der KI-Moment. Von 10 Milliarden US-Dollar bis zur aktuellen Marktkapitalisierung dauerte es Jahre

Dies ist weder eine Anlageempfehlung für eine bestimmte Anlageklasse oder -strategie noch ein Versprechen oder eine Schätzung zukünftiger Ergebnisse. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für zukünftige Ergebnisse. Quelle: BlackRock Investment Institute mit Daten von Bloomberg, Juli 2024. Anmerkung: Die Grafik zeigt, wie lange die Marktkapitalisierung der „Glorreichen Sieben“ brauchte, um von 10 Mrd. USD auf 1 Bio. USD zu steigen.

Was bedeutet das Umfeld für Anleger?

Wir mögen Infrastruktur- und Industrieunternehmen, die vom Investitionsboom profitieren. Weil die Zinsen länger höher bleiben, geben wir Qualitätsanleihen und -aktien den Vorzug.

 

·         Bleiben Sie informiert: Einschätzungen des BlackRock Investment Institute zum Markt lesen Sie hier.