Tesla-Chef Elon Musk bei der Präsentation des neuen Elektro-Geländewagens: E-Mobilität und nachhaltiges Wirtschaften zählen zu den Megatrends.  | © Getty Images

Megatrend-Investments

Auf E-Mission

Matthew Levatich hat es auch nicht leicht. Der Chef des US-Motorradbauers Harley-Davidson hat sich auf die Fahne geschrieben, bald „den Markt für Elektro-Zweiräder anzuführen“. Mit der frisch entwickelten Elektro-Maschine „Livewire“ will Levatich nicht nur dem Zeitgeist genügen, sondern vor allem junge Käufer begeistern. Das ist dringend nötig, denn die typische Klientel der angeschlagenen Traditionsmarke altert und lässt den Absatz schrumpfen. Auch mancher Aktionär sucht das Weite, sodass der Börsenwert des Bike-Bauers in den zurückliegenden drei Jahren um nahezu 40 Prozent schrumpfte.

„Die Livewire ist nur das erste E-Motorrad von Harley-Davidson, viele weitere werden folgen“, hält der Hersteller Zweiflern entgegen, die dem Unternehmen den Schritt in die Neuzeit nicht zutrauen. Sogar E-Roller und E-Fahrräder kündigt der Harley-Boss an. Doch Mitte Oktober passiert es dann: Levatich muss die gerade angelaufene Produktion der Livewire wegen einer Ladehemmung wieder stoppen. Harley-Davidson rät Käufern bereits ausgelieferter Maschinen, diese nicht mehr an der heimischen Steckdose, sondern nur noch bei Harley-Händlern aufzuladen.

Und nicht nur der US-Hersteller steht vor riesigen Hürden: Die deutsche Automobilindustrie muss sogar zwei Revolutionen zugleich überstehen. Neben dem Aufbau einer komplett neuen elektrifizierten Fahrzeugflotte will sie wenig später schon den Sprung in eine Verkehrswelt schaffen, in der autonom fahrende Autos das Straßenbild bestimmen. Als wäre das nicht genug, müssen die heimischen Anbieter zugleich weiter mit Klagewellen wegen ihrer Abgasmanipulationen kämpfen. Nicht wenige Investoren hegen offensichtlich Zweifel an dem Erfolg des Unterfangens, wie etwa der auf Sicht von drei Jahren um ein Viertel eingebrochene Aktienkurs von Mercedes-Hersteller Daimler zeigt.


Dass die großen Automobilfirmen nach hervorragenden Jahren erheblich an Stärke eingebüßt haben, stellt auch Martin Stötzel fest und sieht es als Folge weitreichender Trends. „Anleger sind gefragt, sich diese Entwicklungen genau anzuschauen und ihre Strategien frühzeitig neu zu justieren. Auf diese Weise kann es ihnen gelingen, an weltweiten Megatrends wie im Bereich der Mobilität teilzunehmen“, empfiehlt der Gründer des Vermögensverwalters Rhein Asset Management. Zu den spannenden Geschäftsfeldern zählt der Experte beispielsweise vernetzte Autos, geteilte Mobilität, autonomes Fahren und elektrische Antriebe: „In diesen Segmenten spielt sich die Zukunft ab und hat eigentlich schon längst begonnen.“

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