Megatrend-Investments Auf E-Mission
Solche Zukunftsfonds sind aber nicht nur wegen ihrer vorzeigbaren Resultate der letzte Schrei in der Fondsindustrie. Verglichen mit konventionellen Branchenfonds soll der Auftrieb gebende Megatrend weit länger intakt bleiben, auch wenn zwischenzeitliche Rückschläge durch Konjunktureinbrüche nicht auszuschließen sind. Vom Wohl der Weltwirtschaft soll ein Megatrend-Fonds aber weniger abhängen, da er mehr als nur eine Branche allein betrifft. Und modern kommen die Konzepte ohnehin daher, stehen die Themen doch auf der politischen Agenda und werden von vielen Schlagzeilen begleitet. Beratern fällt es entsprechend leicht, die Anlagestrategien griffig darzustellen und Kunden zu vermitteln.
Zu den etablierten Produkten kommen laufend neue hinzu, beispielsweise von Ampega, Credit Suisse, BNY Mellon IM, Natixis, Nordea, Schroders und Vontobel. Allianz Global Investors hat gleich ein neues Aktienteam für thematische Invest-ments unter Führung von Andreas Fruschki gebildet: „Traditionelle Fondsklassen nach Regionen, Sektoren oder Marktkapitalisierung stoßen zunehmend dann an ihre Grenzen, wenn es darum geht, das Potenzial säkularer Trends zu nutzen, die durch Innovation oder Regulierung ausgelöst werden.“ Die zum Teil disruptiven Entwicklungen hätten einen immer größeren Einfluss auf unseren Alltag, und viele Menschen möchten hieran mit der Kapitalanlage teilhaben, so der Teamchef. Derzeit verwaltet Allianz GI rund 10 Milliarden Euro in thematischen Aktienstrategien, darunter auch im Allianz Thematica (LU1479563717), der im Dezember drei Jahre alt wird und bislang ein Plus von 34,6 Prozent ablieferte.
Auch an Megatrend-ETFs offeriert die Fondsbranche bereits einen bunten Strauß. Die abgebildeten Indizes reichen von breit gestreuten Aktienkörben bis zu monothematischen Listen. An der Performance-Spitze liegen auch dort Einzelstrategien wie Indextracker, die sich auf Automatisierung oder Cyber-Sicherheit konzentrieren. Anleger müssen dafür aber eine zum Teil weit höhere Volatilität hinnehmen. Der besonders renditestarke iShares Automation & Robotics (IE00BY-ZK4552) etwa schwankt doppelt so stark wie einige Wettbewerber.
Aber droht angesichts dieser Zuwächse eine neue Kursblase in den Branchen, die nun von mehreren weltbewegenden Trends zugleich profitieren? Zumindest im Technologiebereich scheint diese Gefahr mit Blick auf die Statistiken noch gering. US-Software-Unternehmen beispielsweise wiesen nach Daten des Fondsanbieters Pictet im Jahr 1999 vor dem Platzen der sogenannten Dotcom-Blase ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf, das um ein Drittel höher lag als aktuell.
Und das Kurs-Cashflow-Verhältnis falle nicht einmal halb so hoch aus wie damals, betont Anjali Bastianpillai: „Im Vergleich zum Boom Ende der 90er-Jahre spielen die Unternehmen des heutigen Technologiesektors mit ihren Fundamentaldaten in einer anderen Liga. Sie sind noch weit von dem überzogenen Niveau damals entfernt.“ Zudem seien die Firmen inzwischen rentabel und hätten genug Handlungsspielraum, um schwierige Zeiten unbeschadet zu überstehen, so die leitende Pictet-Produktexpertin.



