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Satya Nadella, CEO eines US-Softwaregiganten: „Wir haben innerhalb von zwei Monaten eine digitale Transformation im Ausmaß von zwei Jahren erlebt.“  | © imago images / IP3press Foto: imago images / IP3press

Megatrend Kommunikation

In langfristige Innovationstreiber investieren

Meetings per Zoom, Wocheneinkäufe online, und auch das Freizeitprogramm kommt im digitalen Format nach Hause. Für das moderne Arbeits- und Privatleben braucht es heutzutage vor allem einen Laptop und stabiles Internet. Auch wenn Erlebnisse in der analogen Welt nie aus der Mode kommen werden, so sorgen fortschrittlichere Technologien dafür, dass das Kommunikationsverhalten der Menschen eine fundamentale Transformation erfährt. Befeuert wird dieser Wandel noch durch die Covid-19-Pandemie. Denn die damit verbundenen Einschränkungen und Maßnahmen beschleunigen und verstärken die Digitalisierung. Viele Menschen können seit den weltweiten Lockdowns wie selbstverständlich aus dem Homeoffice arbeiten, Restaurants und Supermärkte liefern Lebensmittel vor die Haustür. Die Umsätze der Onlinehändler schießen derweil durch die Decke. Die zukunftsträchtigsten Segmente dieses Wandels bieten auch Chancen für Investoren.

Schöne neue Arbeitswelt

Satya Nadella, CEO des Softwaregiganten Microsoft, brachte die neue Lage kürzlich auf den Punkt. „Wir haben innerhalb von zwei Monaten eine digitale Transformation im Ausmaß von zwei Jahren erlebt.“ Die Covid-19-Pandemie sorgt damit für einen Entwicklungs- und Nachfrageschub in einer Industrie, die ohnehin stark im Aufbruch ist. Unternehmen wie Microsoft mit seiner Kommunikationsplattform „Microsoft Teams“, der Videokonferenz-Anbieter Zoom oder die Entwickler des Collaboration-Tools Slack profitieren besonders stark von dieser Entwicklung. Denn Unternehmen sind darauf angewiesen, ihre Kommunikation auf die digitalen Plattformen zu verlagern – für die akute Phase der Pandemie und darüber hinaus. Die Krise zeigt dabei, was alles geht: Nach anfänglichen Startschwierigkeiten lassen sich die meisten Bürojobs recht gut aus den eigenen vier Wänden ausüben. Das wird die Bürowelt langfristig verändern – und den Gewerbeimmobilienmarkt, Investitionen in Telekommunikation und die häusliche IT massiv beeinflussen.

Da sichere und reibungslose digitale Kommunikation für Unternehmen zur Priorität wird, zeichnet sich beispielsweise ab, dass Anbieter von Collaborations-Tools und Unternehmen aus dem Bereich IT-Sicherheit am nachhaltigsten wachsen werden. Auch Unternehmen, zu deren Kerngeschäft die Themen Zugangsmanagement und digitale Identifikation gehören, haben hier besonders großes Wachstumspotenzial. Weitere spannende Segmente sind Anbieter von Cloud-Lösungen sowie Hardwarehersteller.

Die steigende Bedeutung digitaler Kommunikation wird auch größere und schnellere Investitionen in den Netzaufbau sowie in das 5G-Mobilfunknetz zur Folge haben, schätzen Experten. Schließlich sind immer höhere Spitzenlasten im Datenverkehr zu bewältigen. An der Etablierung von 5G sind Unternehmen aus dem Technologiesektor beteiligt, die Geräte und Ausrüstung bereitstellen. Die Netzwerke, über die dann die Kommunikation der Zukunft stattfinden soll, liegen wiederum in der Hand von Telekommunikationsunternehmen. Langfristige Innovationstreiber für 5G sind zudem die Themen digitale Werbung, mobiler Handel und digitale Unterhaltung. Hier sind neben den großen Tech-Unternehmen auch digitale Händler und Unterhaltungsanbieter gefragt.

Bei allem rasanten Fortschritt der vergangenen 20 Jahre stehen viele Anbieter hier immer noch am Anfang. So bietet allein die Digitalisierung von Arbeitsplätzen und Bildungsangeboten nach Berechnungen von Fidelity einen Markt mit einem jährlichen Wachstumspotenzial von 20 bis 30 Prozent und ein Marktvolumen von 214 Milliarden US-Dollar.

Konsum und Freizeit 4.0

Die Transformation des menschlichen Kommunikationsverhaltens beschränkt sich nicht auf den Arbeitsplatz. Das digitale Unterhaltungsgeschäft hat laut Berechnungen von Fidelity aktuell ein Marktvolumen von 150 Milliarden US-Dollar, mit einem Wachstumspotenzial um 10 bis 20 Prozent. Die Abrufe bei Streaming-Diensten haben während der Krise stark zugenommen, und viele Zuschauer werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch danach den Diensten treu bleiben. Vom Ausbau eines 5G-Netzes profitiert derweil auch die Gaming-Industrie: In Kombination mit Cloud-Lösungen werden Milliarden Menschen weltweit in den meisten Industriestaaten wie in den Schwellenländern zum ersten Mal Zugang zu einem so schnellen Internet bekommen, dass der Übergang zum Cloud Gaming stark beschleunigt wird. Auch hier werden die Plattformen der globalen Technologiekonzerne eine Schlüsselrolle einnehmen.

Auch das Kommunikationsverhalten beim Konsum steht vor einem Wendepunkt, wie eine Fidelity-Studie unter US-Konsumenten im Mai deutlich zeigte: Ein Großteil der befragten Nutzer gab an, dass sie in der Krise abgeschlossene Abonnements bei Online-Lebensmittelhändlern dauerhaft behalten wollen. Das Lebensmittelgeschäft ergänzt damit zusehends das Angebot des klassischen Online-Handels.

Ebenso vielversprechend für Investoren sind die Veränderungen in der Telemedizin und der digitalen Bildung. Auch hier steht ein völlig neues Kommunikationsverhalten im Mittelpunkt des Megatrends zum Thema Digitalisierung. Hausärzte stellen sich in der Covid-19-Pandemie auf telefonische Beratungen ein und um, mehr Menschen nutzen zudem Apps für Arztbesuche. Während der Krise hat sich auch gezeigt, dass Schüler, Auszubildende und Studierende digitale Lernangebote brauchen und schätzen. Ein weiterer Sektor, der gerade ein verstärktes Wachstum erfährt, ist der elektronische Zahlungsverkehr, denn viele Geschäfte schränken den Kontakt mit Bargeld aus Gesundheitsgründen ein. Der Übergang zu einer bargeldlosen Gesellschaft kommt auch Regierungen entgegen, die Steuerhinterziehung verstärkt bekämpfen wollen.

ESG – und D?

Die neuen Kommunikationsformen stellen auch ethische Grundsätze in Unternehmen auf den Prüfstand. Zu den Themen Umweltschutz, sozialem Wohlverhalten und einer nachhaltigen Unternehmenssteuerung tritt die Diskussion um Datenschutz und digitale Ethik. Globale Plattformen müssen durch neue Gesetze und Empfindlichkeiten navigieren, sich mit Desinformation und Hassrede, Steuerfragen, Kartellrecht und unterschiedlichen regionalen Regulierungen auseinandersetzen. Auch hier entstehen im Umbruch Innovationen, durch Unternehmen, die sich auf Themen wie Privatsphäre und Datensicherheit oder den Umgang mit Desinformationen verstehen. Auch wenn noch nicht klar ist, wer die Gewinner von morgen sind, zeichnet sich ab: Zu den klassischen ESG-Kriterien treten mehr und mehr Aspekte einer digitalen Ethik.

Die Angabe von Unternehmen dient lediglich zur Illustration. Die genannten Unternehmen stellen weder eine Aufforderung zum Kauf/Verkauf noch eine Anlageberatung dar.

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