Megatrends Digitale Gesundheit: Vom demografischen Wandel profitieren

Spezieller Computer für die Erforschung von Bio- und Nanotechnologien: Digital-Health-Techniken werden immer leistungsfähiger.  | © Getty Images

Spezieller Computer für die Erforschung von Bio- und Nanotechnologien: Digital-Health-Techniken werden immer leistungsfähiger. Foto: Getty Images

Morgens, mittags, abends, vor und nach dem Essen: Für viele ältere Menschen gehört die regelmäßige Einnahme von Medikamenten zum Alltag. Je nach Art und Schwere der Krankheit können es zahlreiche Tabletten täglich sein. Bei Arzneimitteln ist es in der Regel kein Problem, wenn Betroffene einmal vergessen, sie zu schlucken. Es gibt jedoch auch Wirkstoffe, zum Beispiel Medikamente gegen Herz-Rhythmus-Störungen, bei denen das lebensbedrohliche Folgen haben kann. Damit Patienten solche Tabletten im Alltag nicht vergessen, hat der Bostoner Unternehmer Eran Shavelsky im Jahr 2008 das Unternehmen Medminder gegründet. Er vertreibt intelligente Medikamentenschachteln, die aktiv daran erinnern, Pillen und Tabletten rechtzeitig einzunehmen. Programmiert wird die Schachtel über das Smartphone. „Helfen Sie Ihrer Mutter oder Ihrem Vater, länger unabhängig zu bleiben“, wirbt Shavelsky auf seiner Homepage.

Digitale Gesundheit boomt

Intelligente Pillenschachteln sind nur eine von vielen Innovationen aus dem globalen Megatrend „digitale Gesundheit“. Unternehmen aus aller Welt entwickeln fleißig neue Geräte, die den Gesundheitszustand überwachen, Krankheiten erkennen können und Erkenntnisse an Smartphone oder Tablet senden. Das Engagement der Konzerne kommt nicht von ungefähr: Digitale Gesundheit ist zum Milliardenmarkt geworden. Laut dem Marktforschungsunternehmen CB Insights sind im Jahr 2017 rund sieben Milliarden US-Dollar weltweit in die Digital-Health-Branche geflossen. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 waren es noch unter zwei Milliarden US-Dollar. Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger sieht die Entwicklung damit erst am Anfang: Das Unternehmen geht davon aus, dass das weltweite Marktvolumen bis zum Jahr 2020 auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar anwachsen wird.

Demografischer Wandel als Treiber

Befeuert wird das rasante Wachstum durch den demografischen Wandel: Im Jahr 2045 wird es erstmals in der Geschichte der Menschheit mehr über 60-Jährige als unter 15-Jährige geben, prognostizieren die Vereinten Nationen. Derzeit ist nur jeder Fünf­­te Erdenbürger 60 Jahre oder älter. Mit der alternden Gesellschaft nimmt auch die Zahl altersbedingter chronischer Erkrankungen zu, damit steigt auch der Bedarf an kontinuierlicher Behandlung und Betreuung. Gleichzeitig gibt es immer weniger Ärzte und medizinisches Personal. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schätzt, dass im Jahr 2030 hierzulande mehr als 10.500 Hausärzte fehlen könnten.

Moderne Technik erleichtert die medizinische Versorgung unabhängig von Arztterminen. Digitale Produkte wie die intelligente Pillenschachtel der Firma Medminder sind daher vermutlich in den kommenden Jahren immer stärker gefragt: Bereits bei einer Befragung der Unternehmensberatung Accenture aus dem Jahr 2014 gaben rund drei Viertel aller Deutschen über 65 Jahre an, dass sie durchaus bereit wären, ihre Gesundheit durch Digitalisierung und Digital-Health-Techniken überwachen zu lassen. Inzwischen dürfte die Zustimmung nah an 100 Prozent reichen. Die steigende Akzeptanz neuer Technologien bei Senioren eröffnet Unternehmen der Branche neue Geschäftschancen.

Auch Technologiekonzerne nutzen den Megatrend

Nicht nur die Pharma- und Gesundheitsindustrie kann davon profitieren: Die Deutsche Telekom AG etwa forscht seit den Anfängen des Digital-Health-Booms an der Zukunft der medizinischen Kontrolluntersuchungen. Das Unternehmen war eines der ersten in Deutschland, das Geräte vermarktete, die automatisch verschiedene Gesundheitsparameter bei Patienten überwachen, ohne dass diese sich dazu einem Arzt vorstellen müssten. In Kooperation mit dem Neusser Unternehmen Medisana hatte die Telekom so bereits im Jahr 2013 ein vernetztes Pflaster auf den Markt gebracht, das Ärzten automatisch Vitaldaten übermittelte. Sieben Tage lang sammelt dieses Pflaster, das noch immer auf dem Markt ist, Informationen über den Puls, die Körpertemperatur, Schlafzeiten und Schrittzahlen. Im Anschluss sendet es die Daten gebündelt an ein Smartphone oder einen Computer.

Unternehmen wie Google, Dell, IBM oder Samsung investieren ebenfalls längst Milliarden in Gesundheitsanwendungen. Der Pharmakonzern Merck & Co. hat sich für die Forschung in diesem Bereich inzwischen unter anderem mit dem Online-Versandhändler Amazon zusammengetan, um Anwendungen für das Management chronischer Krankheiten zu entwickeln. 2017 haben die Unternehmen gemeinsam einen Wettbewerb ausgerufen: Entwickler und Gründer aus aller Welt sollten Ideen für eine Diabetesanwendung einreichen.

Nächste Stufe: Der Sprachassistent als Arzt

Im Oktober 2017 gab der Konzern den Gewinner bekannt: Es war der „Sugarpod“ des US-amerikanischen Start-ups Wellpepper. Dabei handelt es sich um einen interaktiven Diabetesplan, der Patienten speziell auf sie zugeschnittene Aufgaben zuweist und sie per E-Mail, SMS oder App daran erinnert. Bald sollen sich Erkrankte die Aufgaben auch über Sprachassistenten wie Amazons Alexa ansagen lassen können. Für den Wettbewerb stellte Wellpepper außerdem eine neuartige Waage vor: Sie scannt die Füße des Diabetikers und sendet das Ergebnis an Smartphone und Tablet. Die Beispiele zeigen: Bereits heute prägen Innovationen, schnelles Wachstum und eine hohe Dynamik das Digital-Health-Segment. Künftig dürfte digitale Gesundheit noch sehr viel stärker an Bedeutung gewinnen. Anleger tun gut daran, die Entwicklungen genau im Auge zu behalten.

Smartphone Apps und kabellose Anwendungen beschleunigen das Wachstum im Gesundheitsmarkt

Entwicklung des digitalen Gesundheitsmarktes von 2015 bis 2020 in Milliarden US-Dollar  

Quelle: Roland Berger

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