Megatrends Wie deutsche Unternehmen heimlich an der Zukunft bauen

Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Fidelity Germany Fund | © Fidelity

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Herr von Engelbrechten, die bekanntesten Technologiefirmen sitzen in den USA und China, und die wichtigste deutsche Branche, die Autoindustrie, überlässt gerade anderen Ländern die Vorreiterrolle. Finden Megatrends in Deutschland überhaupt statt?

Christian von Engelbrechten: Deutsche Unternehmen spielen bei vielen Megatrends eine Schlüsselrolle. Das ist nur nicht immer offensichtlich. Unternehmen wie Apple, Amazon oder Google dominieren durch ihre Nähe zu den Endverbrauchern in vielen Köpfen. Deutsche Firmen sind vielmehr im B2B-Bereich stark: SAP unterstützt Unternehmen beim Umstieg in die Cloud, Siemens digitalisiert Fabriken und Herstellungsprozesse. Ebenfalls Siemens, aber auch E.ON und RWE, schöpfen Gewinne aus dem Megatrend hin zu erneuerbaren Energien, bei dem Deutschland Vorreiter ist. Hier müssen Energieerzeugung und Stromnetze aufgebaut werden, auch außerhalb Deutschlands. MTU Aero Engines aus München liefert wichtige Bestandteile von Flugzeugmotoren und profitiert so von der wachsenden Mittelschicht in Asien, die mehr reisen will. Deutschland ist hochinnovativ – das sieht man auch an den Patentanmeldungen und den Ausgaben für Forschung und Entwicklung.

Setzt speziell die Autoindustrie ihre Innovationskraft auch ein, um den Trend zur Nachhaltigkeit und die zunehmende Digitalisierung für sich zu nutzen?

Von Engelbrechten: Man denkt immer: Autoindustrie, alte Industrie. Aber wer weiß schon, dass der Autozulieferer Continental 13.000 Software-Ingenieure beschäftigt? Das ist sogar im Vergleich mit Technologieunternehmen eine hohe Zahl. Die arbeiten auch an den Systemen der Zukunft, etwa für Fahrassistenzsysteme und autonomes Fahren. Es gibt natürlich unter den Unternehmen solche, die noch stark mit veralteten Technologien Umsätze machen. Die werden es schwer haben. Aber andere wie Continental sind bei allen Wachstumstrends mit dabei und können in Zukunft schneller wachsen als die globale Autoproduktion.

Welche Konsequenzen hat es denn für Aktionäre, dass die deutschen Autobauer relativ spät die Elektromobilität für sich entdeckt haben?

Von Engelbrechten: Ein verspäteter Einstieg muss nicht gleichbedeutend sein mit einem ökonomischen Misserfolg. Die deutschen Autohersteller haben die Ressourcen, Markenstärke und Vertriebskraft, um den Rückstand aufzuholen. Volkswagen will in den nächsten Jahren knapp 70 neue Elektro-Modelle auf den Markt bringen. Das Unternehmen wird meines Erachtens in fünf Jahren der größte Hersteller von Elektroautos sein und damit die führende Stellung auf dem globalen Automarkt sichern.

Die deutsche Autobranche profitiert außerdem von ihrer langjährigen Tradition und Expertise. In China etwa treten immer mehr Autohersteller auf den Plan. Da gibt es mindestens zwölf Autounternehmen, von denen man hierzulande vorher praktisch nie gehört hat, die alle mit Kapital versuchen, in die neue Elektrowelt zu starten – was ihnen jedoch fehlt, ist Expertise. Deutsche Unternehmen wie EDAG, welches Ingenieursleistungen für die Autobranche erbringt, gehören zu den wichtigsten Anbietern dieses Branchenwissens.

Die deutsche Autoindustrie profitiert also weiterhin von ihrer traditionellen Stärke. Doch wie sieht es in der Technologiebranche aus – haben deutsche Unternehmen eine Chance gegen die amerikanischen Riesen?

Von Engelbrechten: Es gibt eine Reihe lokaler Digital-Champions in Deutschland: Scout24 kann mit seinen Online-Marktplätzen wie ImmobilienScout24 und AutoScout24 noch auf Jahre mit zweistelligen Gewinnwachstumsraten rechnen. Ein weiteres Beispiel: Axel Springer haben viele noch als alten Zeitungsverlag im Kopf. Doch der Medienkonzern macht inzwischen mehr als 70 Prozent seiner Umsätze mit dem Digitalgeschäft. Dazu gehören zum Beispiel Stepstone, Business Insider und Immowelt.

Und wie schlagen sich deutsche Unternehmen, die in direkter Konkurrenz zu globalen Technologiekonzernen stehen?

Von Engelbrechten: Auch diese können sich behaupten. Viele Unternehmen im Mittelstand etwa sind skeptisch und wollen eben nicht unbedingt einem großen ausländischen Unternehmen ihre IT anvertrauen. Hier hat sich im deutschen Mittelstand zum Beispiel das Unternehmen Cancom hervorragend positioniert. Es bietet kleinen und mittleren Unternehmen Lösungen, um ihre IT in die Cloud zu bringen.

Für eine erfolgreiche deutsche Technologiebranche sind die richtigen Fachkräfte eine wichtige Voraussetzung. Doch die fehlen in Deutschland oft. Was bedeutet das für Anleger?

Von Engelbrechten: Wegen der Alterung in der Bevölkerung wird prognostiziert, dass die Zahl der qualifizierten Arbeitskräfte deutlich abnimmt. Ohne die Einwanderung würde die Bevölkerungszahl schon sinken. Aber auch in einem generell negativen Trend lassen sich Gewinner finden. Personaldienstleister wie Xing oder die Job-Plattform Stepstone profitieren von der Schwierigkeit, passende Fachkräfte zu finden. Xing zum Beispiel ist stark in dem Trend positioniert, dass mehr Geld von passivem in aktives Recruiting abfließt. Früher wurde eine Anzeige geschaltet, und ein Arbeitgeber sichtete alle Bewerbungen, die reinkamen. Heute hat Xing praktisch alle Dax-Unternehmen als Kunden, um über seine Plattform und Anwendungen für wichtige Stellen aktiv Leute anzusprechen. Damit wächst das Unternehmen ziemlich gut. Der Bedarf an solchen Dienstleistungen wird in Zukunft noch steigen.

Wie wirken sich denn die demografischen Veränderungen im Ausland auf deutsche Unternehmen aus?

Von Engelbrechten:Unsere Unternehmen sind auch für die wachsende Mittelschicht in Asien gut aufgestellt: Adidas ist dort ebenfalls eine starke Marke mit nachhaltigem Wachstum. Delivery Hero ist einer der Weltmarktführer bei Plattformen für Essensbestellungen und Lieferdienste im Internet. Airbus und MTU profitieren vom zunehmenden Flugverkehr, und Fresenius Medical Care, Fresenius SE und Siemens Healthineers bieten im Gesundheitsbereich Diagnostik und Lösungen für die Probleme, die die Alterung asiatischer Gesellschaften und die Verbreitung von Wohlstandskrankheiten hervorrufen.

Wichtig ist aber die Differenzierung: In der Luftfahrt etwa steigen die Passagierzahlen um vier bis fünf Prozent pro Jahr, doch die Lufthansa leidet unter zu hartem Wettbewerb und zu hohen Ausgaben. Auf der Kurzstrecke wird sie von Discountern angegriffen und auf der Mittel- und Langstrecke von Fluglinien aus dem Nahen Osten. Nur weil ein Unternehmen in einem Megatrend vertreten ist, heißt das noch nicht, dass es auch ein gutes Investment wäre.

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