Zu hohe Pensionen und zu niedrige Ziele: Vergangene Woche hatte der Stimmrechtsberater ISS die Vergütung der Allianz-Vorstände kritisiert. Die ISS-Berater empfahlen den Aktionären, bei der Hauptversammlung am 8. Mai gegen das überarbeitete Vergütungssystem für Allianz-Vorstände zu stimmen.

Grund seien vor allem die hohen Pensionszahlungen, erklärt ISS. Diese machen bei den Allianz-Vorständen 50 Prozent des Grundgehalts aus. Vergleichbare europäische Konzerne geben dafür laut ISS mit 10 bis 30 Prozent des Grundgehalts viel weniger Geld aus.

 

Ein weiterer Grund seien die Leistungsanreize, so ISS weiter. Das Unternehmen hat ein langfristiges Bonusprogramm (Long-Term Incentive Plan, LTIP) konzipiert, das Führungskräfte für die Erreichung mehrjähriger Unternehmensziele belohnen soll. Diese Ziele umfassen typischerweise mehrere Jahre und sind an spezifische Leistungskennzahlen sowie die Entwicklung des Aktienkurses gebunden. Allerdings seien diese Ziele nicht herausfordernd genug gestaltet, kritisieren die ISS-Berater. So könnten Auszahlungen im Rahmen dieses Programms selbst dann erfolgen, wenn die Rendite für Allianz-Aktionäre (Total Shareholder Return, TSR) bis zu 50 Prozentpunkte unter jener anderer europäischer Versicherungsunternehmen liegt.

Doch so schlecht steht es um die Allianz keinesfalls – ganz im Gegenteil. Das operative Ergebnis stieg 2024 um 8,7 Prozent auf 16 Milliarden Euro – der höchste Wert in der Unternehmensgeschichte. Damit übertraf der Konzern seine ursprüngliche Zielspanne ebenso wie die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Der Umsatz wuchs parallel um 11,2 Prozent auf 179,8 Milliarden Euro.

Der bereinigte Jahresüberschuss für die Anteilseigner stieg um 10,1 Prozent auf 10 Milliarden Euro. Der Vorstand schlug deshalb vor, die Dividende um 11,6 Prozent auf 15,40 Euro pro Aktie anzuheben. Zudem wurde ein Rückkaufprogramm für eigene Aktien gestartet. Hierbei sollen bis Jahresende bis zu zwei Milliarden Euro investiert werden.

10,23 Millionen Euro 

Auch für den Allianz-Chef Bäte hat sich diese Leistung gelohnt: Er hat 2024 insgesamt 10,23 Millionen Euro verdient. Das teilte ISS auf Nachfrage von DAS INVESTMENT mit. Sein Grundgehalt macht mit rund 2 Millionen Euro lediglich ein Fünftel davon aus und ist seit dem Vorjahr auch nicht gestiegen. Auch seine von ISS kritisierten Pensionszahlungen blieben mit rund einer Million Euro weitgehend auf dem Vorjahresniveau.

Anders sieht es bei den variablen Bestandteilen aus. Die langfristigen, nicht-aktienbasierten Anreize stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 112 Prozent auf 4,85 Millionen Euro. Auch der Barbonus ist leicht um 13 Prozent gestiegen und beträgt nun 2,3 Millionen Euro (siehe Tabelle).

 

Vergütungsbestandteile Oliver Bäte 2024 Veränderung ggü. Vorjahr 2023 2022 Median der Führungskräfte in Europa 2024
Grundgehalt 2.007 - 2.007 1.911 2.332
Sachbezüge 5 -85,7% 35 15 69
Altersvorsorge 1.065 -4,0% 1.109 1.122 207
Barbonus 2.304 13,3% 2.033 1.947 1.345
Aufgeschobener Bonus         897
Kurzfristige Anreize gesamt 2.304 13,3% 2.033 1.947 2.089
Eingeschränkte Aktien         1.690
Nicht-Aktien-basierte Anreize 4.850 112,4% 2.283 1.786 0
Langfristige Anreize gesamt 4.850 112,4% 2.283 1.786 2.617
Gesamtvergütung 10.231 37,0% 7.467 6.781 7.896

 Angaben in Tsd. Euro. Quelle: ISS