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„Mehr als eine Fata Morgana“

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„Wer immer noch mit einer bis 2010 unvermindert scharfen Rezession rechnet, verpasst den Zug.“ Hypovereinsbank-Volkswirt Andreas Rees ist überzeugt, dass die deutsche Wirtschaft bereits in der zweiten Hälfte dieses Jahres den Umschwung schafft. Jüngstes Zeichen für Rees: der Ifo-Geschäftsklimaindex, dessen Erwartungskomponente im April überraschend deutlich gestiegen ist. Auch im Mai hat der Index wieder zugelegt. „Das ist mehr als eine Fata Morgana“, kommentiert er. Analysten sehen nicht mehr schwarz Der Ifo-Index ist nicht der einzige Indikator, der signalisiert, dass das Schlimmste für die Weltwirtschaft überstanden sein müsste. Verschiedene Kennzahlen aus verschiedenen Teilen der Welt haben sich jüngst zumindest ein wenig aufgehellt: Die US-Konsumenten schöpfen genau wie die Europäer wieder Hoffnung; Analysten und institutionelle Anleger sehen nicht mehr nur schwarz; Einkaufsmanager in Europa und den USA sind zwar noch nicht zu Optimisten geworden, aber auch nicht mehr so besorgt wie in den vergangenen Monaten „Ein Hoffnungsschimmer?“, fragt der britische „Economist“ auf dem Titel angesichts der immerhin zaghaft kletternden Indikatoren. Sicher: Die aktuelle Lage ist nicht gut. Die US-Wirtschaft hat die schlechtesten zwei Quartale seit den 50er Jahren hinter sich; Industrieproduktion und Exporte in Europa und Asien sind eingebrochen, die Auftragslage ist weiter schlecht. Die Weltwirtschaft wird im laufenden Jahr schrumpfen, und Firmen rund um den Globus verdienen im Schnitt rund ein Drittel weniger als vor zwei Jahren. Dennoch ist die Trendwende bei den Frühindikatoren nicht nur für Rees ein Zeichen. Fast alle Volkswirte sind sich einig, dass sie eine wirtschaftliche Erholung noch im laufenden Jahr signalisiert. Selbst Nouriel Roubini, der sich als treffsicherer Prophet der Krise einen Namen gemacht hat und als unerschütterlicher Pessimist gilt, schöpft Hoffnung: „Wir werden da im kommenden Jahr herauskommen.“ „Rezessionen dauern nicht ewig“, sagt auch Merrill-Lynch-Volkswirt Holger Schmieding: „Das Entscheidende für die Märkte ist, das Timing einigermaßen hin-zukriegen.“ Aktuell, befürchten einige, könnten sie ein wenig früh dran sein. Fast alle wichtigen Aktienindizes haben seit Anfang März mindestens 20 Prozent zugelegt. Zu schnell, zu viel, argumentiert etwa Marc Faber, der sich mit der Vorhersage des Zusammenbruchs der japanischen Börse vor 20 Jahren den Spitznamen Dr. Doom (englisch: Dr. Untergang) einhandelte: „Wir brauchen eine Korrektur, vielleicht von 5 bis 10 Prozent.“ Dann aber, meint Faber, könne die Rally „noch mehr Beine“ haben. Aktien in der Grauzone Robert Buckland, globaler Chefstratege der Citigroup, sieht Aktien „in der Grauzone“ angekommen: „Dies ist die Phase einer Rezession, in der die Unternehmensgewinne noch weiter fallen, während sich die Aktienkurse stabilisieren.“ Trotz der mit Gewinneinbrüchen gepaarten jüngsten Kursgewinne seien Aktien im langfristigen Vergleich günstig. Unterstützung bekommt Buckland vom chronischen Pessimisten James Montier. Der Chefstratege der Société Générale: „Es gibt noch Luft nach oben. Wir sind bei der Bewertung noch nicht beim langjährigen Durchschnitt angekommen.“ Noch gebe es allerdings keine Eile, die Aktienquoten hochzufahren, bremst Buckland. Um zu entscheiden, wann der Zeitpunkt gekommen ist, hat der Citigroup-Stratege eine Checkliste mit sieben fundamentalen Faktoren zusammengestellt.  Je weniger dieser Faktoren erfüllt sind, desto höher ist das Risiko, dass die Rally nur ein Fehlstart war.“ Derzeit sprächen vier von sieben Faktoren für den Start einer nachhaltigen Rally – einer zu wenig. Buckland: „2002 zu kaufen, als fünf der sieben Faktoren positiv waren, wäre im Nachhinein eine gute Entscheidung gewesen.“ Damals hatte der MSCI Welt vom Hoch aus 49 Prozent verloren. Beim absoluten Tief im März 2003 waren es gerade 3 Prozentpunkte mehr. Doch auch vier Faktoren sind mehr als bei jedem anderen Fehlstart in den vergangenen zehn Jahren – den Bären könnte daher wenig Luft nach unten bleiben.

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