Es gibt viele Methoden, um einen Index zu konstruieren; <br> Bild: Fotolia

Es gibt viele Methoden, um einen Index zu konstruieren;
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Mehr ETFs auf Fundamentalindizes wären wünschenswert

Viele Finanzmarktindizes wurden nicht für Investitionszwecke entwickelt. Stattdessen sollen sie einfach nur die Stimmung und die Verfassung eines Marktes als Indikator abbilden. Viele Anleger übersehen diese Tatsache jedoch bei dem ganzen Trend hin zu börsennotierten Indexfonds (ETFs). Was dem Markt meiner Meinung nach gut täte, wären mehr Produkte auf fundamental gewichtete Indizes.

Um die Verfassung eines Aktienmarktes abzubilden, reicht es, die entsprechenden Aktien entsprechend ihrer Marktkapitalisierungen in einem Index zu gewichten. Durch diesen Ansatz werden große Firmen höher gewichtet als kleinere. Insbesondere in exotischen Märkten führt diese Methode dazu, dass die Indizes Aktien mit eingeschränkter Liquidität enthalten. Bei Indizes, die zum Beispiel über ETFs investierbar sein sollen, ist das schlecht. Um das zu ändern, berücksichtigen die Indexanbieter heutzutage auch Kriterien wie zum Beispiel die frei verfügbaren Anteile bei der Gewichtung der einzelnen Komponenten.

Doch ist diese Methode wirklich der beste Ansatz, um einen Index zu konstruieren? Schließlich werden Aktien dabei nur deshalb hoch gewichtet, weil sich ihre Kurse in der Vergangenheit gut entwickelt haben. Aktuelle Bewertungen oder die Aussichten spielen keine Rolle. Würde man mehrere Personen, die nicht wissenschaftlich ausgebildet sein müssen, Komponenten für einen Index auswählen lassen, würden sie die einzelnen Werte vermutlich gleich gewichten. Diese sogenannte naive Art der Gewichtung hat genau wie die Kapitalgewichtung ihre Schwächen.

Würde man dem oben beschriebenen Indexkomitee zusätzlich die Möglichkeit geben, die einzelnen Indexbestandteile hinsichtlich ihrer Qualität und Verfügbarkeit zu gewichten, entspräche dies dem fundamentalen Indexing. In meinen Augen ist diese Methode leicht verständlich und den meisten Investoren intuitiv zugänglich. Daher frage ich mich warum nicht viel mehr Produktanbieter solche Indizes als Basis für ihre ETFs verwenden. Und es wundert mich, dass Anleger die wenigen vorhandenen ETFs auf fundamental gewichtete Indizes nicht stärker nutzen. Der Markt unterschätzt oft über längere Zeit die Qualität einzelner Aktien

Ein möglicher Grund: Oft unterschätzt der Markt über längere Zeit die Qualität einzelner Aktien, was sich in unterdurchschnittlichen Kursentwicklungen dieser Papiere niederschlägt. Das ist gerade nach Phasen die von Übertreibungen an den Wertpapiermärkten zu beobachten. Das schlägt sich in fundamental gewichteten Indizes nieder und macht diese als Basiswerte für Investoren und Anbieter unattraktiv. Denn die Investoren suchen in der Regel nach den Anlagemöglichkeiten, die kurzfristig am renditeträchtigsten sind. Und die Anbieter legen lieber Produkte auf, die eine bessere Wertentwicklung zeigen als die der Wettbewerber und schauen dabei ebenfalls in erster Linie auf die kurzfristige Entwicklung.
 
Langfristig ist das fundamentale Indexing den auf Marktkapitalisierung und Verfügbarkeit beruhenden Indizes meiner Meinung nach aber überlegen. Performancevergleiche zeigen, dass fundamental gewichtete Indizes langfristig meist besser abschneiden als die kapitalgewichteten Varianten. Dass das teilweise mit zwischenzeitlichen herben Rückschlägen verbunden ist, darf dabei nicht irritieren. Anleger, die auf ETFs mit fundamentalen Indizes als Basiswerte setzen, müssen bereit sein, auch über einen längeren Zeitraum niedrigere Erträge als der Gesamtmarkt zu erwirtschaften. Dieser kurzfristige Nachteil sollte aber bei langfristigen Kapitalanlagen mehr als kompensiert werden.

Daher würde es mich freuen, wenn die Anbieter börsennotierter Indexfonds den Anlegern mehr Produkte auf fundamentale Indizes anböten. Die breite Einführung solcher Produkte würde die Komplexität des Marktes zwar deutlich erhöhen. Sie böte aber eine mehr als sinnvolle Erweiterung der Investitionsmöglichkeiten und brächte zusätzlichen Nutzwert für die Anleger.

Allerdings sollten die Anbieter darauf verzichten, sich diesen zusätzlichen Nutzwert über deutlich höhere Verwaltungsvergütungen entlohnen zu lassen - so wie es bei vielen bisher erhältlichen ETFs auf fundamentale Indizes der Fall ist. Schließlich sind die niedrigen Kosten einer der großen Vorteile, die ETFs gegenüber klassischen Investmentfonds bieten.


Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

Detlef Glow schreibt regelmäßig in der Online-Community von Thomson Reuters - Lipper, die nur für professionelle Investoren (Vermögensverwalter mit §32 KWG Zulassung o.ä.) zugänglich ist.


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