Mensch und Maschine Wie Robo-Advisor die Anlageberatung auf den Kopf stellen wollen

Mensch und Maschine: Wie Robo-Advisor die Anlageberatung auf den Kopf stellen wollen | © Robo-Advisor.de

Foto: Robo-Advisor.de

Die Facebook-Seite von Scalable Capital ist schwarz und weiß. 24 Nutzer geben der Online-Vermögensverwaltung volle fünf Sterne, 15 vergeben das andere Extrem – also nur einen Stern. Nur zweimal gibt es vier Sterne, und das war’s.

Facebook-Nutzer Max Weber prangert an: „Gesamtrendite seit Ende Januar 2018 minus 6 Prozent. Nicht sonderlich erfolgreich. An der Kompetenz darf gezweifelt werden.“ Jürgen Lehmann bläst ins selbe Horn (Rechtschreibfehler korrigiert): „-4 bis -6 Prozent Verlust, dazu Gebühren. Ich habe das auf Empfehlung der Diba gemacht, die ja eigentlich einen guten Ruf hat, aber das muss ich mit denen noch mal klären, warum sie so etwas empfehlen.“

Die Truppe von Scalable hält wacker dagegen und versucht zu schlichten. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass manche Anleger ganz einfach nicht wussten, dass Geldanlagen relativ sein können, dass sie unter Wasser liegen können, wenn die Märkte fallen – dass sie am Ende Geduld erfordern. Sonst würden sie nicht nach einem schwierigen halben Jahr derart auf einem Verlust herumreiten. Jene Facebooker, die fünf Sterne vergeben, wissen dagegen zu schätzen, was Scalable leistet.

                                       Quelle: barkow Consulting

Das Unternehmen aus München ist Teil eines neuen Trends. Es ist einer von zahlreichen neu gegründeten Online-Vermögensverwaltern in Deutschland. Sie wollen die Vermögensverwaltung für jedermann erschaffen. „Das Geldgeschäft wird demokratisiert“, meint Scalable-Geschäftsführer Florian Prucker. Und so soll es funktionieren: Anleger melden sich im Internet an, weisen sich aus, beantworten gesetzlich vorgeschriebene Fragen und kommen in den Genuss einer ausgefeilten Geldanlage. Schnell soll es gehen, ohne lästigen Papierkram, ohne nervende Wartezeiten. Die Einstiegssummen liegen zum Teil enorm niedrig, die Kosten werden prozentual berechnet (siehe Tabelle).

Dafür nutzen die Anbieter die Kraft aus dem Computer, verzichten auf überflüssiges Personal, stützen Entscheidungen auf hausinterne Systeme, verwenden sehr oft das Signalwort „Algorithmus“ und nutzen unterschiedlich komplizierte Risikosysteme. Ihr Hang zur Technik und die grundsätzliche Abwesenheit menschlicher Portfoliomanager brachte ihnen den Spitznamen Robo-Advisor ein.