Mensch und Maschine Wie Robo-Advisor die Anlageberatung auf den Kopf stellen wollen

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Addiert man beide Teile, landet man bei etwa ein bis 2 Prozent im Jahr. Das ist bei weitem nicht so günstig, wie die Robos gerne tun. Allerdings hat auch Senior-Analyst Anselm Hüwe von Quirion recht, wenn er das mit Mischfonds vergleicht, die gut und gern 2 bis 3 Prozent im Jahr kosten. Es ist eben auch hier alles relativ.

Angebot

Hier geht es um die Fragen: Wie viele Musterportfolios bietet der Robo an? Oder baut er alles individuell? Wie viele Zutaten kommen ins Portfolio? Und welche Anlageklassen?

Wer sich zum Beispiel mit den zehn Strategien von Visualvest überfragt fühlt, sollte vielleicht mal bei Truevest reinschauen. Da sind es nur vier. Das ist anderen wiederum zu eng gefasst. Im Warburg Navigator greifen die hauseigenen Kapitalmarktprognosen der Mutterbank M.M. Warburg zusätzlich zum Algorithmus. Das mag nicht jeder, weshalb man dann auch den Robo Robin meiden sollte, der auf das Wort der Deutschen Bank hört. Bei Easyfolio gewichtet man die Märkte meinungsfrei nach der Wirtschaftsleistung der Regionen und behält die Struktur bei. Das ist plausibel, gefällt aber auch nicht jedem. Wir haben die einzelnen Besonderheiten in der Tabelle gekennzeichnet.

Gemein haben jedoch alle Anbieter, dass sie die Portfolios sehr breit streuen und das Risiko auf Nervenkostüm und zeitlichen Horizont der Anleger zuschneiden – beides fragen sie im Vorfeld ab. Für manche gehören Rohstoffe mit dazu (zum Beispiel Scalable, Vaamo, Fintego, Wüstenrot). Andere holen auch Immobilien ins Boot (etwa Ginmon, Whitebox, Investify). Ausnahmestellungen nehmen Prospery und Solidvest ein. Ersterer setzt ausschließlich auf aktiv gemanagte Fonds, die die Analysten der Muttergesellschaft ABN Amro auswählen. Und bei Solidvest meidet man Fonds komplett und holt stattdessen rund 30 Aktien und 10 Anleihen direkt in die Depots. Dabei greift der Investmentansatz, den Vater und Sohn Jens und Jan Ehrhardt seit Jahren anwenden. Sie suchen „bilanzstarke, solide und werthaltige Unternehmen“, deren Aktien günstig zu haben sind. Kunden können Schwerpunkte setzen.

Sicherlich ist die Frage berechtigt, ob Rohstoffe und Immobilien den großen Unterschied machen. Wahrscheinlich nicht, denn am Ende wird ein anderer Punkt für die Rendite im Lauf der Jahre viel wichtiger sein:

Risikomanagement

Hier tritt ein erstaunlicher Konflikt hervor. Einerseits behaupten Robo-Funktionäre gern und regelmäßig, dass man Märkte ohnehin nicht schlagen könne. Andererseits versuchen sie genau das: Sie wollen über ihr Risikomanagement die Märkte überlisten.

Sehr weit prescht hierbei Scalable Capital mit seinem „dynamischen Risikomanagement“ voran. „Unsere Risikomanagement-Technologie prüft laufend das Risiko unserer Kundenportfolios. Wird ein höheres Verlustpotenzial prognostiziert, als für die jeweilige Risikokategorie festgelegt wurde, nehmen wir eine Umschichtung von risikoreicheren Anlageklassen in risikoärmere Anlageklassen vor“, erklärte Geschäftsführer Erik Podzuweit dem „Extra-Magazin“. Das soll heißen: Wenn die Märkte unruhig werden, will man bei Scalable die Depots rechtzeitig absichern.

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