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Akteure in der Coronakrise (von links): Peter Altmaier, Bundeswirtschaftsminister, Hendrik Hoppenstedt, Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Olaf Scholz, Finanzminister, und Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister | © imago images / IPON / Foto: imago images / IPON /

Menschen, Zentralbanken, Staaten

Wer in der Coronakrise was genau zu tun hat

Die Coronavirus-Pandemie breitet sich in Europa, Großbritannien, Kanada und den USA aus — und einige Wirtschaftszweige stehen vor dem Stillstand, da alle nicht lebensnotwendigen Ausgaben und Aktivitäten in den Hintergrund rücken und die Grundversorgung im Fokus steht. In mehreren bedeutenden regionalen und lokalen Wirtschaftszentren sind Echtzeitindikatoren der Nachfrage wie die Restaurantbesuche, das Verkehrsaufkommen und die von den Mobiltelefonen erfassten Mobilitätsdaten im Vorjahresvergleich dramatisch zurückgegangen.

Die Märkte haben entsprechend heftig reagiert. In der vergangenen Woche kam es an den Aktienmärkten zu dramatischen Ausschlägen – vor allem am Donnerstag, als der Dow seinen stärksten Einbruch seit 1987 verzeichnete und der Stoxx Europe 600 Index den höchsten aller Zeiten. Kaum weniger dramatisch waren die Ausschläge an den Anleihemärkten, wo die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe in der letzten Woche bis auf 0,4 Prozent sank.1 Die Märkte scheinen wenig Vertrauen in die politischen Antworten in Europa und den USA zu haben, ein Eindruck, der sich in dieser Woche erneut zu bestätigen scheint.

Eine der Fragen, die uns in letzter Zeit immer wieder gestellt wurden, lautet: Wie sollte die Politik reagieren? Eine Frage, mit der wiederum viele weitere Fragen verbunden sind. In der Vergangenheit haben wir darüber geschrieben, wie wichtig ein dreigleisiger Ansatz der Politik ist, um diese Krise in den Griff zu bekommen:

  • gesundheitspolitische Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen,
  • geldpolitische Maßnahmen, um die Liquidität und Funktionsfähigkeit des Finanzsystems sicherzustellen, und
  • fiskalpolitische Unterstützung, um die negativen realwirtschaftlichen Auswirkungen zu mindern. Für die Bekämpfung dieser Krise sind alle drei weiterhin entscheidend — im Folgenden geben wir unsere Eindrücke der bisherigen globalen Fortschritte in diesen Bereichen wieder.
  1. Gesundheitspolitik: Eindämmung des Virus durch Einschränkung der wirtschaftlichen Aktivität

Die Maßnahmen der chinesischen Regierung — die Abschottung ganzer Regionen — wurden als drakonisch bezeichnet, haben sich aber als wirkungsvoll erwiesen: In China werden kaum noch Neuinfektionen verzeichnet. Die Demokratien des Westens aber — die Werte wie Versammlungs-, Bewegungs- und Wahlfreiheit hoch halten — tun sich schwer damit, derartige Maßnahmen zu verabschieden und durchzusetzen. Das bedeutet, dass sich das Virus in diesen Ländern noch weiter ausbreiten könnte, bevor es eingedämmt wird.

Südkorea hat ebenfalls drastische Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, vor allem frühzeitige und umfassende Tests großer Bevölkerungsgruppen. Besonders innovativ: die „Drive-in“-Teststationen in allen Teilen des Landes. Dieser Ansatz scheint sehr erfolgreich gewesen zu sein. Dank frühzeitiger Maßnahmen und der Mobilisierung der nötigen Behandlungsressourcen konnten das Virus eingedämmt und die Zahl der Toten begrenzt gehalten werden.

Unterdessen scheinen sich die EU und die USA nur sehr schrittweise auf Maßnahmen nach chinesischem Vorbild einzulassen und nicht lebensnotwendige Wirtschaftsaktivitäten zu verbieten, um das Virus zu stoppen. Derartige Maßnahmen würden bedeuten, dass es eine Rezession braucht, um das Covid-19-Virus einzudämmen. Die gerade bekannt gewordenen Daten zur Wirtschaftsaktivität in China verdeutlichen, wie sehr Versuche, das Virus unter Kontrolle zu bekommen, die Wirtschaft schädigen können: Infolge der nationalen Abschottung und des Shutdowns ganzer Wirtschaftszweige zur Bekämpfung von Covid-19 hat China die schlechtesten monatlichen Konjunkturdaten aller Zeiten vorgelegt. Die Investitionen, die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion sind jeweils deutlich hinter den Konsenserwartungen zurückgeblieben. Die jüngsten Zahlen scheinen auch die Hoffnung zu nehmen, dass es zu einer raschen, V-förmigen Erholung vom Tiefpunkt kommen wird. In China scheint die Erholung nicht so schnell und kräftig zu sein, wie wir es gerne hätten.

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