Jürgen Böhlen

Jürgen Böhlen

Merck-Finck-Fondsmanager Jürgen Böhlen: „Wir haben die Aktienquote angehoben“

DAS INVESTMENT.com: Hätten Sie Wetten darauf abgeschlossen, dass Ihr Lieblingsclub Bayern München am vergangenen Wochenende so souverän gegen den amtierenden Deutschen Meister VfL Wolfsburg gewinnt? Jürgen Böhlen: Ich bin zwar quasi seit Geburt Fan der Bayern, aber das hätte ich vermutlich nicht. Dafür hat die Mannschaft zuvor gegen Bremen und in Mainz zu schlecht gespielt. DAS INVESTMENT.com: Das System, das Ihrem Fonds zugrunde liegt, hätte vermutlich dem gerade aktuellen Trend folgend eiskalt auf Wolfsburg getippt - und prompt verloren. Böhlen: Das stimmt, aber das ist eher die Ausnahme. Die meisten Verluste an der Börse entstehen, weil menschliche Emotionen im Spiel sind. Die schalten wir systematisch aus, und dabei sprechen die in der Vergangenheit erzielten Ergebnisse für sich. Im Kalenderjahr 2008 beispielsweise verlor der Merck Finck Vario Aktien Renten UI lediglich 0,69 Prozent an Wert. Und eine Rückrechnung bis ins Jahr 1990 ergibt, dass wir mit unserem Ansatz pro Jahr eine Rendite von 10,65 Prozent erzielt hätten, gegenüber 6,77 Prozent im Euro Stoxx 50 und 6,63 Prozent im Rentenindex iBoxx Sovereign Eurozone. DAS INVESTMENT.com: Im vergangenen Jahr kam Ihnen entgegen, dass die Börse bereits im Januar den Rückwärtsgang eingelegt hat und die zunächst 50prozentige Aktienquote Ihres Fonds dadurch bereits Anfang Juli auf weniger als 10 Prozent zusammengeschmolzen war. Wie schwer ist es Ihnen angesichts der damals vorherrschenden Weltuntergangsstimmung gefallen, die Ende Dezember bei nahezu Null angekommene Quote zum 1. Januar 2009 turnusgemäß wieder auf 50 Prozent anzuheben? Böhlen: Einerseits sehr leicht, weil wir uns beim Merck Finck Vario Aktien Renten UI eben nicht von äußeren Einflüssen verrückt machen lassen, sondern strikt die Vorgaben des Systems umsetzen. Andererseits war die Hürde psychologisch dennoch sehr hoch. Das haben wir bei einigen institutionellen Mandaten zu spüren bekommen, die wir nach dem gleichen Prinzip verwalten. Dort haben die Kunden darauf bestanden, mit einem niedrigeren Aktienanteil ins neue Jahr zu starten. Doch auch wenn diese Entscheidung rückblickend betrachtet richtig war, so halte ich doch das aus antizyklischen Überlegungen heraus eingesetzte Instrument der jährlichen Rebalancierung für extrem sinnvoll. Es sichert nicht nur die Gewinne in der jeweils besser gelaufenen Anlageklasse Aktien oder Renten, sondern senkt auch die Gefahr, von einem früher oder später einsetzenden Trendwechsel völlig auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. DAS INVESTMENT.com: Wie hat sich die jeweils zu Monatsbeginn neu justierte Aktienquote des Merck Finck Vario Aktien Renten UI seit Januar entwickelt? Böhlen: Sie ist zunächst auf 40 Prozent im Februar und dann auf 26 Prozent im März gefallen, bevor sie angesichts der Trendumkehr an den Börsen bis Juni auf 59 Prozent gestiegen ist. Anfang Juli folgte dann noch einmal ein Rücksetzer auf 50 Prozent, doch nach einem erneuten Anstieg auf 65 Prozent Anfang August haben wir sie am 1. September auf aktuell 76 Prozent angehoben. DAS INVESTMENT.com: Auch das sieht auf den ersten Blick nicht nach einer sonderlich glücklichen Entscheidung aus. Der September gilt seit jeher als schwieriger Börsenmonat und hat diesen Ruf in den vergangenen Tagen prompt bestätigt. Böhlen: Ich gebe zu, dass ich persönlich anders entschieden und die Aktienquote angesichts der aktuellen Entwicklungen eher etwas zurückgefahren hätte. Aber noch einmal: Die Tatsache, dass persönliche Emotionen für die Anlageentscheidung keine Rolle spielen, hat sich in der Vergangenheit langfristig als sehr vorteilhaft erwiesen. DAS INVESTMENT.com: In der Deutschen Fondsliga erwischte der Merck Finck Vario Aktien Renten UI unter allen teilnehmenden Mischfonds den besten Start und belegt nach drei Spielwochen Rang 9. Welchen Verlauf müssten die Märkte nehmen, damit Sie bis zum Saisonende am 7. Mai 2010 an den vor Ihnen liegenden reinrassigen Aktienfonds vorbeiziehen und die Meisterschaft für sich entscheiden? Böhlen: Das ist wohl nur möglich, wenn die Aktienkurse bis zum Jahresende noch einmal deutlich anziehen und dann Anfang 2010 ähnlich stark einbrechen wie 2008. In diesem Fall wären wir beim Aufschwung zunächst voll dabei und durch das Rebalancing zum 1. Januar von den Verlusten nur zur Hälfte oder sogar weniger betroffen. Für sehr realistisch erachte ich dieses Szenario allerdings nicht, wir rechnen stattdessen mit einem eher schwierigen Herbst und anschließend wieder steigenden Kursen zum Jahresbeginn. DAS INVESTMENT.com: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Spieler von Bayern München im kommenden Mai zum 22. Mal die Meisterschale in die Höhe recken, ist also deutlich größer? Böhlen: Definitiv. Die Mannschaft hat das Potenzial dazu, davon bin ich spätestens nach der Verpflichtung von Arjen Robben, dem Matchwinner gegen Wolfsburg, überzeugt.
>> Porträt des Merck Finck Vario Aktien Renten UI >> Trainerbank: “Mein Lieblingszitat: ‘I hope we have a little bit lucky’”

Mehr zum Thema
Deutsche Fondsliga: Europa-Fonds bleiben vorn Blackrock-Fondsmanager Nigel Bolton: „Bis Mitte 2010 mache ich mir keine Sorgen“ Deutsche Fondsliga: Blackrock European Focus erobert Tabellenspitze