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Händler an der New Yorker Börse. Der Bildschirm zeigt die Pressekonferenz, auf der Fed-Chef Jerome Powell Mitte September 2019 eine weitere Zinssenkung ankündigt. | © Getty Images

Merck-Finck-Investmentchef zu Anleihemärkten

„Welle von Kreditausfällen und Rating-Abstufungen steht bevor“

Daniel Kerbach
Foto: Merck Finck

An den Anleihemärkten droht eine weltweite Welle von Kreditausfällen und Rating-Abstufungen. Bislang hält die lockere Geldpolitik der Notenbanken die Kreditausfallraten künstlich niedrig. Doch dies dürfte bald vorbei sein – allen neuen Zinsschritten und Anleihekaufprogrammen zum Trotz.

Schon das schiere Volumen der Unternehmensschulden ist besorgniserregend. Seit rund einem Jahrzehnt nehmen Unternehmen weltweit immer mehr Fremdkapital über den Kapitalmarkt auf. So verdoppelte sich das global ausstehende Anleihevolumen von Unternehmen außerhalb des Finanzsektors im Zeitraum von 2008 bis 2018 auf 13 Billionen US-Dollar. Allein in den nächsten drei Jahren werden weltweit vier Billionen US-Dollar an Rückzahlungen fällig – dies entspricht nahezu der gesamten Bilanzsumme der US-Notenbank.

Noch schlimmer als die wachsende Verschuldung ist die sinkende Qualität der Schuldner. Bei vorherigen Krisen konnte man dies am wachsenden Anteil von Emittenten außerhalb des Investment Grade-Spektrums ablesen. Das Ende der Party kündigt sich aber dieses Mal woanders an: am unteren Ende des Investment Grade-Bereichs.

In den vergangenen Jahren hat sich der Anteil der mit BBB bewerteten Anleihen (die niedrigste Bewertungsstufe innerhalb der Kategorie Investment-Grade) deutlich erhöht. Während im Jahr 2008 etwa 30 Prozent der global ausstehenden Unternehmensanleihen im Investment-Grade Segment mit einer BBB-Bewertung versehen waren, weitete sich dieser Anteil bis 2018 auf über 50 Prozent aus. Das ist in Europa und in den USA gleichermaßen der Fall. So verschlechtert sich also implizit die durchschnittliche Kreditqualität des ganzen Investment Grade-Segments. Über die Hälfte der Emissionen steht nur einen Schritt vor der Abstufung zum „Junk Bond“.

Verschärft wird das Problem durch die Regulierung der institutionellen Investoren. Denn in der Folgezeit der Finanzkrise wurde institutionellen Investoren wie etwa Versicherungen der Zugang zum High-Yield Markt durch neue Regelungen zunehmend erschwert. Und so werden diejenigen Unternehmen, die im Falle eines Abschwungs aus dem Investment Grade-Bereich in den High-Yield-Bereich herabgestuft werden, immer weniger potenzielle Käufer finden. Weitere Finanzierungsprobleme für die betroffenen Unternehmen sind die Konsequenz. Das bedeutet: Wenn die Welle einmal rollt, gibt es am Markt kaum noch Kräfte, die sie aufhalten oder brechen können.

Anleger können aus den immer größeren Risiken am Anleihemarkt drei Schlüsse ziehen:

  1. Das Portfolio viel breiter aufstellen. Diversifikation ist mehr denn je Trumpf. Das gilt im Anleihesegment selbst, aber auch über das ganze Portfolio hinweg.
  2. Titel in fremder Währung hinzunehmen. US-Staatsanleihen können eine gute Alternative sein.
  3. Die Anleihequote im Portfolio reduzieren – dafür mehr in Aktien und alternative Anlagen investieren. Rohstoffe und Private Equity bieten sich an.


Über den Autor:
Daniel Kerbach ist Investmentchef bei der Münchner Privatbank Merck Finck Privatbankiers. 

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