Die deutsche Wirtschaft hat sich längst von der Corona-Pandemie erholt – zumindest auf den ersten Blick. Wer nah an den Unternehmen ist, sieht jedoch: Unter der Oberfläche zeitigt der Jahre zurückliegende Schock durchaus gravierende Spätfolgen – in Form einer großen Konsolidierungswelle im Mittelstand. Felix Engelhardt analysiert die Gründe und erläutert, worauf Unternehmer achten sollten, wenn sie erfolgreich fusionieren wollen.
Nie zuvor gab es so viel Interesse an Mergers in Form von Zusammenschlüssen unter Unternehmen ohne oder mit nur geringer Cash-Komponente. Eine starke Motivation für die derzeitige Konsolidierungswelle ist die globale Wirtschaftsflaute, die zu einer reduzierten Nachfrage, zum Einbruch der Umsätze und damit auch der Gewinne führt. Um die Margen wieder zu steigern, suchen Unternehmen nach Synergien durch Fusionen.
Doch auch der Wunsch zur Diversifikation in neue Märkte oder Produktlinien treibt viele Unternehmen gegenwärtig zur Suche nach einem Partner. Zusätzliche Impulse für Fusionen liefern die geopolitischen Spannungen und die fragilen Lieferketten. Die jüngsten Angriffe der Huthi-Rebellen auf Handelsschiffe im Roten Meer verdeutlichen, dass die Lage angespannt bleibt.
Fusionen können dazu beitragen, die eigenen Lieferketten zu stärken und möglichen Störungen vorzubeugen. Sie können zudem helfen, Abhängigkeiten von geopolitisch unsicheren Regionen zu reduzieren und auf lokalere Lieferketten umzusteigen.
Betriebliche Faktoren fördern das Interesse an Verschmelzungen
Abseits der externen Anlässe fördern betriebliche Faktoren das Interesse an Verschmelzungen. So stehen viele Unternehmen vor der Aufgabe, digitaler und nachhaltiger zu werden. Beides erfordert neben Knowhow vor allem gezielte Investitionen. Gerade für kleine Betriebe ist das allein kaum leistbar, sodass ein Zusammenschluss hier Abhilfe schafft.
Analysiert man die Fusionsbestrebungen in den einzelnen Sektoren, so lassen sich weitere, branchenindividuelle Gründe identifizieren.
Fertigungsindustrie: Hier ist einer der Hauptgründe die Notwendigkeit, Zugang zu modernsten Automatisierungs- und Fertigungstechnologien zu sichern. Durch Fusionen können Ressourcen gebündelt werden, um in diese fortschrittlichen Technologien zu investieren. Produktionsprozesse können so effizienter und kostengünstiger gestaltet werden.
Darüber hinaus bieten sie die Chance, auf neue Märkte zuzugreifen und den Kundenstamm auszuweiten. Ein weiterer Grund ist das Streben nach Skaleneffekten: Durch den Zusammenschluss entsteht eine größere Produktionseinheit mit höherer Kapazität. Dadurch können Fixkosten besser verteilt sowie Effizienzen maximiert werden.
Technologiesektor: Die Branche lebt stark von regelmäßigen Innovationen. Wer hier den Anschluss verpasst, kann schnell aus dem Markt gedrängt werden. Daher braucht es ausreichende Forschungs- und Entwicklungskapazitäten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Durch eine Hochzeit können Unternehmen ihre Ressourcen bündeln und so effektiver in neue Technologien investieren.
Darüber hinaus ermöglichen Fusionen den Zugang zu neuen oder ergänzenden Technologien. Diese können genutzt werden, um das eigene Produktportfolio auszuweiten oder bestehende Angebote zu verbessern. Für kleine und mittlere Technologieunternehmen ist die Fusion oft ein Mittel, um ihre Wettbewerbsfähigkeit mit den großen Playern auf dem Markt zu stärken.
Gesundheitswesen: Durch einen Zusammenschluss können Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen ein umfassenderes Behandlungsangebot schaffen, etwa wenn ein kleineres Krankenhaus mit begrenzten Ressourcen mit einem größeren Krankenhausbetreiber zusammengeht.
Doch auch der Zugang zu neuen Behandlungstechnologien spielt eine wichtige Rolle, denn der Mittelbedarf für hochmoderne medizinische Geräte wie bildgebende Verfahren oder chirurgische Instrumente ist oft beträchtlich. Ein weiterer Aspekt bei Fusionen im Gesundheitssektor: die gemeinschaftliche Bewältigung der steigenden regulatorischen Anforderungen.