Metzler-Chefvolkswirt Edgar Walk Welche Spielräume bleiben in der nächsten Rezession?

Blickt auf die Instrumente zur finanziellen Krisenabwehr: Metzler-AM-Chefvolkswirt Edgar Walk | © Metzler

Blickt auf die Instrumente zur finanziellen Krisenabwehr: Metzler-AM-Chefvolkswirt Edgar Walk Foto: Metzler

Zumal sich die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in einem Leitzinserhöhungszyklus befindet und die in Folge dessen knappere USD-Liquidität schon jetzt zu Währungsturbulenzen in einzelnen Schwellenländern beigetragen hat. Es gilt also immer noch die alte Börsenweisheit: „Wenn die USA niesen, bekommt der Rest der Welt einen Schnupfen“.

Seit dem Zweiten Weltkrieg war vor jeder US-Rezession eine inverse Renditestrukturkurve zu beobachten. Die Rendite einer 1-jährigen US-Treasury-Anleihe war also höher als die Rendite einer 10-jährigen US-Treasury-Anleihe. Ein Grund für die inversen Renditestrukturkurven vor Rezessionen könnte sein, dass die US-Noten¬bank damals bewusst mit hohen Leitzinsen eine Rezession herbeiführte, um eine überhitzte US-Konjunktur abzukühlen und Inflationsrisiken einzudämmen. Die US-Notenbank hat also in einem gewissen Rahmen einen starken Einfluss auf die Risiken einer Rezession.

US-Rezessionen wirken global

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie die nächste US-Rezession aussehen könnte. Erfahrungsgemäß würde sich eine US-Rezession auf die Weltwirtschaft ausbreiten. Schnell wäre dann eine antizyklische Wirtschaftspolitik notwendig, um die Weltwirtschaft wieder zu stabilisieren und um einen neuen Aufschwung einzuleiten. Die globalen Zentralbanken haben jedoch kaum noch Spielraum mithilfe von Leitzinssenkungen und Wertpapierkäufen einen monetären Stimulus zu liefern. Auch liegt die Staatsverschuldung weltweit auf Rekordständen, sodass ein fiskalischer Stimulus kaum möglich scheint.

Die Sorge vieler Finanzmarktakteure ist daher groß, dass eine wirtschaftliche Abwärtsdynamik mithilfe einer antizyklischen Wirtschaftspolitik nicht zu stoppen und eine schnelle anschließende Konjunkturerholung nicht möglich ist. Auch könnte die hohe Verschuldung in Kombination mit einer Rezession zu einer Rückkehr der Schuldenkrise in einzelnen Ländern beitragen. Vor allem die risikobehafteten Finanzanlagen könnten dann in diesem Umfeld empfindliche Kursverluste erleiden ohne eine schnelle Erholung in der Folge. Für Anleger wird daher ein Auffangnetz oder eine Wertsicherung ihrer Portfolios immer wichtiger.

Die Weltwirtschaft kann sich vor diesem Hintergrund eigentlich keine Rezession leisten – das wissen natürlich auch die Zentralbanken. Dementsprechend dürften die großen Zentralbanken nur sehr vorsichtig agieren, und die US-Notenbank dürfte versuchen, eine inverse Renditestrukturkurve zu vermeiden. Dementsprechend rechnen wir nach der voraussichtlichen Leitzinserhöhung am Mittwoch auf einen Korridor von 2,0 % bis 2,25 % nur noch mit zwei weiteren Zinsschritten der Fed im Dezember 2018 und März 2019. Danach dürfte die US-Notenbank erst einmal eine abwartende Haltung einnehmen.