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Metzler-Fondsmanager Stefan Meyer über Nebenwerte „Entscheidende Vorteile gegenüber Großkonzernen“

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Welche Rolle spielen wirtschaftliche Probleme wie Handelskriege oder der Brexit für Nebenwerte?

Meyer: Nach Einschätzung von Metzler Asset Managemenet wird 2019 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein gutes Jahr für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte. Auch bei europäischen Aktien sehen wir Kurschancen. Allerdings dürften die zahlreichen politischen Risiken in Europa wie Italiens Regierung oder der Brexit zumindest für sehr hohe Schwankungen an den Aktienmärkten sorgen. Bei der Portfoliokonstruktion des Metzler European Small and Micro Cap spielen auch Aspekte wie die aktuelle geopolitische Lage oder die Entwicklung des Gold- und Ölpreises nur eine nachgelagerte Rolle, da sie in diesem Segment meist nicht so große Auswirkungen haben wie etwa bei Large Caps. Nicht kurzfristig interessante Branchen stehen im Fokus des Fonds, sondern langfristig erfolgreiche Geschäftsmodelle. Um strukturelle Wachstumstreiber zu erkennen, analysieren die Portfoliomanager Themen und Trends losgelöst von Makroaspekten.

Welche Titel halten Sie in diesem Jahr für besonders aussichtsreich?

Meyer: Wir gehen davon aus, dass sich auch in diesem Jahr viele Unternehmen, über unterschiedliche Branchen und Sektoren hinweg, gut entwickeln werden – wenn sie in der Lage sind, strukturell zu wachsen, oder wenn die Entwicklung ihres operativen Geschäfts von unternehmensinternen Faktoren und weniger von makroökonomischen Faktoren abhängt. Die Branche an sich spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist vielmehr, ob ein Unternehmen in seinem Bereich eine starke Marktpositionierung, gute Produkte und die nötige Innovationskraft hat, um Marktanteile zu gewinnen oder stärker zu wachsen. Dabei geht es um Wettbewerbsvorteile. Strukturelle Trends wie Digitalisierung und Automatisierung betreffen letztendlich unterschiedlichste Branchen. Für viele Unternehmen sind diese Trends eine große Herausforderung, für andere Wachstumschancen. Diese gilt es zu identifizieren. Grundsätzlich interessant sind übergeordnete Themen wie E-Commerce, Digitalisierung und Automatisierung.

Die Konjunktur scheint ihre Hochzeit hinter sich zu haben. Wie können Sie in Ihrem Portfolio auf Abschwünge reagieren und diese dämpfen

Meyer: Die Volatilität gehört zu Aktieninvestments dazu – bei Large Caps wie bei Nebenwerten. Unser Ziel ist es, durch eine erfolgreiche Streuung über Einzeltitel und Geschäftsmodelle ein breit diversifiziertes Portfolio zu halten. Wir setzen jedoch keine Strategie ein, um die Volatilität zu begrenzen. Ein Nebenwerteanleger geht die Volatilitätsrisiken dieser Vermögensklasse bewusst ein, da er vom langfristigen Renditepotenzial überzeugt ist. Er setzt gezielt Nebenwertefonds als Beimischung im Portfolio ein, um das Risiko-Rendite-Profil seiner Anlage zu erhöhen.
Wir investieren fundamental und langfristig in einzelne aussichtsreiche Unternehmen und betreiben kein Markt-Timing. Das heißt, wir hedgen nicht. In jeder Marktphase können wir über die Einzeltitelauswahl attraktive und eben auch defensive Investments tätigen und uns entsprechend positionieren. Nebenwerte sind immer als langfristiges Investment anzusehen. Anleegr dürfen sich nicht durch kurzfristige Volatilität aus der Ruhe bringen lassen.

Das war 2018 aber nicht leicht, oder?

Meyer: Trotz des positiven Wirtschaftsumfelds war 2018 ein schwieriges Jahr für die Finanzmärkte, was sich sowohl an den Aktien- als auch an den Staatsanleihemärkten weltweit in Wertverlusten niedergeschlagen hat. Auch Nebenwerte konnten sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Die Kurskorrekturen – die auch vor dem Hintergrund eines rund 9-jährigen Bullenmarktes zu sehen sind – waren allerdings teilweise übertrieben und nicht durch die fundamentale Entwicklung erklärbar. Zum einen wurden durch die lockere Geldpolitik der vergangenen Jahre viele Investoren in Anlagen getrieben, deren erhöhte Risiken sie langfristig aber nicht tragen können. Einige Investoren haben zudem auf Enttäuschungen durch einzelne Unternehmen extrem reagiert. Beides hat im vergangenen Jahr zu Aktienverkäufen im großen Stil geführt und damit zu Kursrückgängen. Zum anderen gibt es seit einigen Jahren vermehrt neue Kaitalmarktinstrumente wie ETFs und quantitative Strategien, was zu deutlich erhöhten Volatilitäten bei Einzeltiteln führt, ohne dass diese mit der fundamentalen Entwicklung in Zusammenhang stehen.

Wie zufrieden sind Sie mit der Performance Ihres Fonds 2018?

Meyer: Das schwierige Jahr 2018 ist – nach einem sehr erfolgreichen 2017 – auch am Metzler European Small and Micro Cap nicht spurlos vorübergegangen. Allerdings kann man nicht oft genug betonen, dass Aktien eine langfristige Anlage sind. Deshalb gilt für uns, in Kurskorrekturen tendenziell nachzukaufen, wenn wir vom Geschäftsmodell überzeugt sind. Wir versuchen, antizyklisch zu handeln und raten dies auch unseren Kunden.

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