Der Fachkräftemangel kostet die deutsche Wirtschaft allein in diesem Jahr 49 Milliarden Euro an Produktionspotenzial. Gleichzeitig steht die Arbeitswelt vor einer tiefgreifenden Transformation durch künstliche Intelligenz, die laut Prognosen bis zu zwei Drittel der Jobs in Bereichen wie Buchhaltung oder Marketing langfristig ersetzen könnte. Wie Unternehmen mit diesem doppelten Druck umgehen, entscheidet nicht nur über ihre operative Zukunftsfähigkeit – es hat auch messbare Auswirkungen auf den Börsenwert.

Eine aktuelle Analyse von Metzler Asset Management belegt nun: Investitionen in Humankapital sind kein Kostenfaktor, sondern ein wesentlicher Treiber für Unternehmenserfolg. Die Untersuchung zeigt, dass Firmen, die in ihre Mitarbeiter investieren, an der Börse deutlich besser abschneiden als ihre Wettbewerber.

Der messbare Börsenerfolg von Personal-Champions

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Unternehmen mit herausragender Humankapitalentwicklung erzielten in den vergangenen fünf Jahren eine um 2,6 Prozent p.a. bessere Rendite als der MSCI Europa. Global betrachtet (MSCI ACWI) lag der Renditevorsprung sogar bei beeindruckenden 8,1 Prozent pro Jahr.

Für die Studie bewertete Metzler Asset Management, wie Unternehmen das Risiko der Mitarbeiterfluktuation managen und in welchem Ausmaß sie in Personalentwicklung investieren. Die Top-20-Prozent der Unternehmen mit der besten Beurteilung im Bereich Humankapitalentwicklung zeigten dabei konsequent bessere Ergebnisse.

Wertentwicklung des MSCI Europa und der Top-20-Prozent-Unternehmen, indexiert, 31.12.2019 = 100
Wertentwicklung des MSCI Europa und der Top-20-Prozent-Unternehmen, indexiert, 31.12.2019 = 100 © MSCI, Metzler AM

„Eine gute Performance im Scoring zeichnet sich beispielsweise durch eine niedrige Mitarbeiterfluktuation, hohe Stundenzahl für Weiterbildung oder auch über eine Erfolgsbeteiligung aus“, erklärt das Analystenteam. Diese Ergebnisse wurden um Sektoreneffekte bereinigt, sind also nicht auf branchenspezifische Entwicklungen zurückzuführen.

Die Rentabilität von Weiterbildungsinvestitionen wird auch durch andere Quellen bestätigt. Laut einem Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft zahlen sich staatliche Investitionen in das Bildungssystem mit einer bis zu fünffachen Rendite aus. Auch Unternehmen profitieren direkt: SAP berichtete 2022 von einer Bildungsrendite zwischen 30 und 50 Prozent für seine Mitarbeiter.

Best-Practice-Beispiele: So machen es die Erfolgreichen

Die Analyse identifiziert vor allem Unternehmen der Finanz- und Industriebranche als Vorreiter im Humankapitalmanagement. Schneider Electric und die Zurich Insurance Group werden in der Untersuchung besonders hervorgehoben.

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Der Industriekonzern Schneider Electric veröffentlicht seit 2005 regelmäßig einen „Human Resources Report“ und macht seine Fortschritte transparent. Das Unternehmen erzielt ein MSCI ESG-Rating von AAA, wobei die sehr gute Datenabdeckung der sozialen Kennzahlen und die systematische Weiterentwicklung von Arbeitnehmern besonders positiv bewertet werden.

Bei der Zurich Insurance Group zeigt sich exemplarisch, wie interne Nachwuchsförderung zum Erfolg führt: Mit der niedrigsten Fluktuationsrate der Versicherungsbranche setzt das Unternehmen auf Kontinuität und Weiterentwicklung. Bemerkenswerte 71,2 Prozent der freien Stellen wurden im vergangenen Jahr intern neu besetzt. Zudem investiert Zurich konsequent in Fortbildung – die Mitarbeiter durchliefen 2024 im Schnitt 20,2 Stunden an Trainingsprogrammen.

Die Zukunftsstrategie: Hybride Intelligenz

Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht im Entweder-oder zwischen Mensch und Maschine, sondern in der intelligenten Kombination beider Potenziale. „Das Spannungsfeld aus Fachkräftemangel und künstlicher Intelligenz sollte richtig ausbalanciert werden“, betont Daniel Sailer, Leiter des Sustainable Investment Office bei Metzler Asset Management.

 

Zukunftsweisend sei eine „hybride Intelligenz“, bei der KI Routine- und Administrationsaufgaben übernimmt, während der Mensch für die Überprüfung der KI-Erzeugnisse zuständig bleibt und die Verantwortung trägt. Diese Kombination maximiert die Stärken beider Seiten: die Effizienz der Maschine und die kreative, ethische Urteilskraft des Menschen.

Eine PWC-Studie vom Februar 2024 bestätigt die Vorteilhaftigkeit dieses Ansatzes: 85 Prozent der Berufstätigen arbeiten durch KI-Unterstützung effizienter und werden kreativer. Entscheidend für den Erfolg ist jedoch die systematische Einbindung der Beschäftigten mit flexiblen Handlungsspielräumen.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Die Metzler-Analyse legt nahe, dass Unternehmen eine dreifache Strategie verfolgen sollten:

  1. Systematische Personalentwicklung: Regelmäßige Trainings, interne Aufstiegsmöglichkeiten und transparente Fortschrittsmessung wie bei Schneider Electric.
  2. Gezielte Mitarbeiterbindung: Reduktion der Fluktuation durch attraktive Arbeitsbedingungen und interne Karrierewege, wie es die Zurich Insurance Group praktiziert.
  3. Integrierte KI-Strategie: Frühzeitige Identifikation von KI-Einsatzmöglichkeiten, kombiniert mit gezielten Schulungen der Mitarbeiter für die Zusammenarbeit mit den neuen Technologien.

Für Investoren bietet die Studie eine klare Orientierung: Unternehmen, die in ihr Humankapital investieren und gleichzeitig die Chancen der KI nutzen, versprechen langfristig überdurchschnittliche Renditen. Die Balance zwischen Mensch und Maschine wird damit nicht nur zur operativen Herausforderung, sondern zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil in der digitalisierten Wirtschaft.