Das Bankhaus Metzler, 1674 gegründet, feiert in diesem Jahr seinen 350. Geburtstag. Ein Meilenstein – und zugleich Ausgangspunkt für eine neue Strategie der hauseigenen Vermögensverwaltung Metzler Asset Management. Das Profil wird geschärft. Einige bestehende Fonds werden geschlossen, an anderer Stelle das Lösungsspektrum erweitert. Worauf Investmentchef Oliver Schmidt und Geschäftsführer Philip Schätzle künftig setzen und welche neuen Akzente man im Infrastrukturbereich setzen möchte, erklären sie im exklusiven Doppelinterview.
DAS INVESTMENT: Herr Schmidt, Herr Schätzle, bevor wir gleich zur Sache kommen, zunächst einen Glückwunsch zum 350. Firmenjubiläum!
Philip Schätzle: Vielen Dank! Für uns ist es natürlich ein ganz besonderes Jahr. Wenn man sich vergegenwärtigt, was in den letzten dreieinhalb Jahrhunderten alles passiert ist – das ist schon sehr bewegend. Metzler hat die Industrielle Revolution erlebt, Kriege und Währungsreformen überstanden, die Digitalisierung gestemmt. Ein wichtiger Grund, warum wir heute nach wie vor erfolgreich sind, sind sicher unsere Werteorientierung und die Fähigkeit, uns immer wieder neuen Gegebenheiten anzupassen.
Oliver Schmidt: Absolut. Und es ist nicht nur ein Moment zum Zurückblicken, sondern vor allem ein Ansporn für die Zukunft. Wir fragen uns: Wie können wir diese Tugenden, die uns 350 Jahre lang erfolgreich gemacht haben, am besten in die nächsten Jahrzehnte tragen? Diese Frage steht im Zentrum unseres Strategie-Updates.
2024 geht es wieder einmal ums Anpassen - zumindest was die Strategie von Metzler Asset Management angeht ...
Schmidt: Genau, wir haben uns in der Geschäftsführung und mit unserem Führungsteam intensiv Gedanken über unsere Zukunftsausrichtung gemacht. Wofür wollen wir bei Metzler Asset Management in den nächsten Jahrzehnten stehen? Wo liegen unsere Stärken, mit denen wir uns von den mehr als 200 Wettbewerbern in Deutschland abheben? Unsere neue Strategie lässt sich mit drei Schlagworten zusammenfassen: Fokus, Effizienz und Wachstum. Wir konzentrieren uns künftig auf unsere Kernkompetenzen ESG und Altersversorgung. Produktseitig setzen wir verstärkt auf Multi-Asset-Lösungen und ausgewählte Aktienstrategien, insbesondere Small Caps, Wachstums- und Dividendenwerte.
Es geht also um ein klareres Profil. Was heißt Effizienz in diesem Zusammenhang?
Schmidt: Effizienz heißt, dass wir unsere Prozesse überprüft haben, den Fokus noch stärker auf das Portfoliomanagement legen und die Möglichkeiten von Automatisierung nutzen. So können Ressourcen frei werden für Bereiche, auf die wir uns künftig konzentrieren wollen.
Schätzle: Zudem wollen wir uns im Vertrieb geografisch stärker konzentrieren, getreu unserem Motto: Metzler ist immer da stark, wo wir nah am Kunden sind. Folgerichtig haben wir unser China-Büro geschlossen und fokussieren uns, mit Ausnahme von Japan, auf die DACH-Region. Hier haben wir ein sehr gutes Kontaktnetzwerk.
Nachhaltigkeit und Altersvorsorge – wie passen diese beiden Säulen zusammen?
Schätzle: Die Verbindung ergibt sich aus den großen gesamtgesellschaftlichen Trends, die wir sehen: Der demografische Wandel, die Dekarbonisierung, die Energiewende, aber auch die Digitalisierung erfordern enorme Investitionen. Wer könnte diese besser leisten als private Altersvorsorgevermögen, die aufgrund ihres langfristigen Anlagehorizontes hervorragend dafür geeignet sind? Und auf der anderen Seite: Kapitalanlage ohne Berücksichtigung von ESG-Kriterien ist heute schlicht undenkbar – angesichts der regulatorischen Anforderungen, einer veränderten Nachfrage und der engen Verbindung von ESG-Kriterien und unternehmerischem Erfolg. Insofern passen beide Themen perfekt zusammen – und genau hier wollen wir unser Know-how ausspielen.
Wie schlägt sich diese Neuausrichtung in Ihrem Produktangebot nieder?
Schmidt: Ganz entscheidend. Publikumsfonds, die nicht zu unserer neuen Strategie passen, werden wir konsequent auflösen oder verschmelzen. Unser oberstes Kriterium ist auch hier der Bedarf seitens der Anleger bzw. der Mehrwert, den wir für diese erbringen können. Mit der Zusammenlegung und Schließung von Fonds reduzieren Sie Ihr Angebot deutlich. Was bezwecken Sie damit?
Schmidt: Wir wollen damit den Fokus schärfen und wenige, große Fonds ins Schaufenster stellen, mit denen Metzler zukünftig assoziiert werden soll. Diese Flaggschiff-Fonds haben einen langen Track Record und sind bei Morningstar überdurchschnittlich gut bewertet. Mit dieser Konzentration machen wir es auch unserem eigenen Vertrieb leichter, klarere Botschaften zu kommunizieren und unsere Stärken hervorzuheben.
Wo liegt der Fokus nun?
Schmidt: Im Publikumsfondsbereich konzentrieren wir uns künftig auf zwei Stoßrichtungen: Zum einen Multi-Asset-Fonds, die wir mit nachhaltigen Bausteinen und eigens entwickelten ESG-Ansätzen aufladen. Und zum zweiten fokussierte Aktienstrategien.
Heißt konkret?
Schmidt: Unser Multi-Asset-Team gehört mit circa 25 Portfoliomanagern, gemessen an unserer Gesamtgröße, bereits zu den namhaften Anbietern. Hier wollen wir weiter ausbauen. Künftig wollen wir für maßgeschneiderte Multi-Asset-Lösungen stehen – sowohl für Wholesale- als auch institutionelle Kunden. In individuellen Lösungen sehen wir eine unserer großen Stärken. Dazu werden wir auch neue Instrumente wie Künstliche Intelligenz verstärkt nutzen.
Einige Marktbeobachter sagen, der klassische Mischfonds sei ein Auslaufmodell.
Schmidt: Das würde ich nicht unterschreiben und entgegenhalten, dass wir im ersten Quartal 2024 große neue Mandate im Bereich Multi Asset gewonnen haben.
Warum würden sie es nicht unterschreiben?
Schmidt: Weil die Märkte komplexer werden. Renditeerwartungen und Korrelationsmuster ändern sich, Investmentzyklen werden tendenziell kürzer. Dies erfordert eine andere Art des Portfolio- und Risikomanagements. Gleichzeitig ändern sich die Bedürfnisse der Kunden, die viel heterogener, gerade auch im Hinblick auf die ESG-Integration werden. All dies führt dazu, dass Standardkonzepte nicht mehr der Weisheit letzter Schluss sind. Das spielt uns als aktiver Manager in die Karten. Das Zusammenspiel aus ESG und Risikoverständnis ist ebenfalls komplexer geworden, und damit werden die Ansatzpunkte für Multi Asset eher mehr. Ich würde sagen, die beste Phase für Multi Asset kommt erst noch.
Der Schock aus dem Jahr 2022 sitzt bei vielen Anlegern noch tief.
Schätzle: 2022 war für Multi-Asset-Strategien aufgrund der abrupten Zinswende und des ungewöhnlichen Gleichlaufs von Aktien und Anleihen in der Tat extrem herausfordernd. Das ging an Anlegern und Beratern nicht spurlos vorbei. Allerdings sind wir überzeugt, dass Multi Asset mittel- und langfristig unverzichtbar bleiben wird. Schon jetzt verzeichnen wir wieder eine steigende Nachfrage.