Stefan Isaacs

Stefan Isaacs

M&G-Fondsmanager: Schuldnerauswahl wird wichtiger

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DAS INVESTMENT.com: Im Juli schrieben Sie in einem Marktausblick, dass Hochzinsanleihen fair gepreist seien. Seitdem ging die Rally weiter. Sind die Papiere nun zu teuer?

Stefan Isaacs: In der Tat hat der Markt seinen Aufwärtstrend seit dem frühen Sommer weiter fortgesetzt, weil es reale Anzeichen einer Wirtschaftserholung gab. Der Risikoappetit der Anleger nahm zu und damit auch die Mittelzuflüsse. Trotzdem glaube ich, dass High-Yield-Anleihen immer noch einige Chancen bieten. Allerdings wird das 2010 viel mit der Auswahl der Schuldner zu tun haben. Mit dem breiten Markt wird nicht viel zu holen sein.

DAS INVESTMENT.com: Wo finden Sie die erwähnten guten Möglichkeiten?

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Isaacs: Bei den Hochzinsanleihen hauptsächlich in den Rating-Bereichen BB und B. Ich glaube, dass noch immer einige Segmente Risikoprämien, also Spreads, bieten, in denen eine viel zu hohe Ausfallrate eingepreist ist. Auch im Investment-Grade-Bereich gehen Marktteilnehmer noch immer von Ausfallraten aus, die es noch nie gegeben hat. Also glaube ich, trotz der bisherigen Rally, dass es noch weiter Spielraum für engere Spreads gibt. Das würde die Anleihen im Vergleich zu Staatsanleihen weiter aufwerten.

DAS INVESTMENT.com: Könnte so nicht eine neue Spekulationsblase entstehen?

Isaacs: Solche Blasen sind durch überteuerte Bewertungen gekennzeichnet. Wenn wir uns aber die aktuellen Credit-Spreads betrachten, sehen wir noch keine Überteuerung.

DAS INVESTMENT.com: Sollten Anleger nicht trotzdem angesichts der starken Rally auf eine Korrektur warten?

Isaacs: Kurzfristige Preisspitzen und Tiefen kann man zwar rückwirkend sehr einfach ausmachen, in der Gegenwart ist das aber sehr schwierig zu schaffen. Ich denke, mit einer längerfristigen Sicht fahren Sie deutlich einfacher.

DAS INVESTMENT.com: Geben Sie bitte einen Marktausblick – beginnen wir mit den Hochzinsanleihen.

Isaacs: Ich glaube, dass sich die Spreads noch weiter einengen, allerdings etwas langsamer als bisher. Anleihen mit besonders niedrigem Rating wie einem CCC, haben in diesem Jahr am meisten gewonnen. Sie sind daher auch besonders anfällig, falls Anleger plötzlich wieder risikoscheu werden sollten. Insgesamt halte ich High Yields aber für fair bewertet.

DAS INVESTMENT.com: Und nun bitte Investment Grade.

Isaacs: Obwohl wir hier nicht mehr die historisch einmaligen Investmentchancen wie zu Beginn des Jahres haben, spricht einiges für weiter einengende Spreads. Im historischen Kontext erscheint die Anlageklasse jedoch immer noch relativ günstig. Hinzu kommt, dass sich viele Emittenten trotz der weiterhin angespannten Wirtschaftslage sehr gläubigerfreundlich verhalten. Sie kürzen Dividenden, reduzieren Ausgaben und beschaffen neues Eigenkapital. All das stärkt ihre Qualität als Schuldner. Auch die technische Seite sieht gut aus: Der Markt hat das hohe Emissionsvolumen 2009 gut verarbeitet, und 2010 erwarten wir sogar einen Rückgang der Emissionen. Das würde zumindest das Angebotswachstum drosseln und für engere Spreads und damit feste Kurse sorgen.

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