Anfang 2025 gewann Michael Geke mit seiner KI-basierten Anlagestrategie „Pred AI“ den Investmentwettbewerb Future Fund Stars. Seitdem geht es Schlag auf Schlag: Der Mathematiker und Gründer des Fintech-Unternehmens Quantmade hat sein Produktangebot systematisch ausgebaut.

Neben Vermögensverwaltungsstrategien („Managed Accounts“), die mittlerweile rund 300 Millionen Euro verwalten, bietet Geke auch Quant-Strategien zum Nachhandeln für Selbstentscheider an. Im Juni startete er zudem seinen ersten Ucits-Fonds, den Quantmade AI Quant Fund (ISIN: DE000A414Z07).

Im Herbst folgte eine strategische Partnerschaft mit dem Technologie-Investor und Fondsmanager Frank Thelen: Gemeinsam gründeten sie die Marke Quant42, unter der sie zwei aktiv gesteuerte Zertifikate lancierten, Emittentin ist die UBS.

Das Besondere: Alle Handelsmodelle, die Geke einsetzt, stammen aus eigener Entwicklung – von der ersten Zeile Code an. Im Interview erklärt der Quantmade-Chef, wie seine Algorithmen funktionieren, warum sein Fonds derzeit zu 100 Prozent in Cash liegt und welche besonderen Pläne er für 2026 verfolgt.

DAS INVESTMENT: Herr Geke, von der Wettbewerbsteilnahme über die Fondsauflegung bis zur Kooperation mit Frank Thelen – war diese rasante Entwicklung 2025 so geplant?

Michael Geke: Man muss weiter zurückgehen: Quantmade ist aus der Notwendigkeit entstanden, für mein eigenes Vermögen Handelsmodelle zu entwickeln. Ich habe 2015 auf Basis von Machine Learning mit der Entwicklung von Forecasting-Modellen angefangen. Dass ich 2018 die Firma gegründet habe, war quasi ein notwendiges Übel: Viele aus dem Friends-and-Family-Kreis wollten meine Technologie nutzen. Wir sind mit Managed Accounts gestartet, 2024 kamen Zertifikate mit der UBS hinzu. Nachdem ich Anfang 2025 die Future Fund Stars gewonnen hatte, folgte im Mai der Ucits-Fonds, den wir im Juni geseeded und dann getradet haben. So hat sich eines nach dem anderen entwickelt.

Wer kam als Investor in Ihren Ucits-Fonds?

Das Seed-Kapital habe ich teils privat gestellt – ich bin in allen unseren Produkten auch mit eigenem Geld investiert. Hinzu kamen bestehende Kontakte und Kunden, die bereits Managed Accounts haben, die aber das Investment auch in einer anderen Hülle brauchten. Für manche ist es einfacher, in einen Fonds zu investieren, wegen der Thesaurierung des Kapitals. Unter unseren Kunden sind viele Family Offices.

Wie viel Volumen hat Ihr Fonds seit Auflegung im Mai angesammelt?

In sechs Monaten 32 Millionen US-Dollar.

Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit mit Frank Thelen? Sie haben beide jeweils eigene Investmentgesellschaften – warum brauchte es noch eine neue?

Die Zusammenarbeit hat sich im vergangenen Sommer angebahnt. Es hat zwischen uns gleich gefunkt: Frank ist technologisch sehr interessiert und hat eine große Affinität zu algorithmischem Trading. So kamen wir auf die Idee, eine gemeinsame Marke aufzubauen. Quant42 ist ein gemeinsames Projekt von Frank Thelen Media und Quantmade – keine Firma, sondern eine Marke.

Die „42“ im Namen – steht sie nach Douglas Adams für die Lösung aller Probleme?

Die Namenssuche ist immer so eine Frage. Wir wollten einen Namen, der „Quant“ enthält. Wir haben ja auch eine Marke namens Quant4you für private Anleger, die professioneller handeln wollen. In einem Kreativ-Prozess kamen wir auf Quant42. Da wir beide etwas technisch unterwegs sind – ich bin Mathematiker, Frank beschäftigt sich viel mit Technologie – haben wir beide Douglas Adams inhaliert. Den pangalaktischen Donnergurgler lieben wir beide. Quant42 fanden wir passend und einprägsam. Es erinnerte uns an das Thema mit der Lösung für alles. Und die Internetadresse Quant42.capital war noch frei.

Quant-Strategien werden als eigenes Fondssegment wahrgenommen. Vergleicht man da nicht Äpfel mit Birnen?

Der Begriff Quant ist ungefähr so groß wie der Begriff Auto. Unter Auto können Sie sich etwas vorstellen – etwas mit vier Rädern und einem Lenkrad. Es gibt Luxuswagen, Kompaktwagen, Kleinwagen, darunter verschiedene Marken mit unterschiedlichen Konfigurationen. Genauso ist es beim Begriff Quant. Man könnte ihn herunterbrechen auf trendfolgende Systeme, Turnaround-Systeme, High-Frequency-Systeme, Rebalancing-Systeme und so weiter. Vergleichbar sind Quant-Modelle nur innerhalb eines logischen Ansatzes.

Welchen Ansatz nutzen Sie?

Wir verfolgen sehr gerne zwei Grundmodelle: Zu 90 Prozent machen wir kurzfristige Trades mit 10 bis 15 Tagen Haltedauer. Da muss ich nicht den gesamten Trend einer Aktie antizipieren, was sowieso nicht möglich ist. Ich kann aber die kleinen Bewegungen handeln, die eine Aktie täglich hat – in einer Dimension zwischen 10 und 15 Prozent, in der eine Aktie normalerweise hin und her schwingt.

Können Sie ein Beispiel geben?

Schauen Sie sich die Infineon-Aktie über die letzten Jahre an. Kein Anleger hat damit in den letzten drei Jahren Geld gemacht, weil sie um die 35 Euro schwankt, mit einer Schwankungsbreite von etwa fünf Euro. Wir würden vielleicht bei 30 kaufen und bei 38 verkaufen, dann wieder bei 30 kaufen und bei 38 wieder verkaufen.

Wie funktioniert Ihr Modell technisch?

Einfach gesagt: Wir berechnen Wahrscheinlichkeiten für die zukünftige Entwicklung von Aktienkursen. Mit dieser Wahrscheinlichkeitsprognose suchen wir nur Aktien, die beispielsweise eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit haben, in zehn Tagen höher zu stehen. Die kaufen wir.