Michael Ruhl: Geschäftsführer beim Emissionshaus Hannover Leasing

Michael Ruhl: Geschäftsführer beim Emissionshaus Hannover Leasing

Michael Ruhl über geschlossene Fonds

„Investitionsquote bei Fonds auf 93 oder 94 Prozent hochfahren“

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„Die Regulierung unserer Branche finde ich absolut positiv, allerdings geht sie noch nicht weit genug“, meint Michael Ruhl, Geschäftsführer beim Emissionshaus Hannover Leasing. „Eine Obergrenze für die Provision wäre sinnvoll, und leider gibt es immer noch Möglichkeiten, etwa mit Genussrechts- und Anleihekonstruktionen die regulierte Welt zu umgehen.“

Ruhl kennt den Beteiligungsmarkt seit mehr als 20 Jahren. Zuerst war er Private-Wealth-Berater bei der Commerzbank, dann Vertriebsmanager bei der Daimler-Chrysler-Tochter debis, die 2006 in der DFH Deutsche Fonds Holding aufging. Seit September 2013 verantwortet er den Eigenkapitalvertrieb bei Hannover Leasing. Seit jeher war Ruhl für den Fondsabsatz zuständig, doch ist er alles andere als der typische Sales-Mann.

Alles Marktschreierische, Laute ist ihm fremd. „Ein langer Atem und Demut davor, dass andere Leute einem ihr Geld anvertrauen“, sind für den Vertriebsprofi Tugenden, die er seinem Berufsstand ans Herz legt. Denn lange hatte man die Qualität eines Emissionshauses am Neugeschäft und weniger an der Managementkompetenz gemessen. „Die jährlichen Eigenkapital-Platzierungslisten dominierten“, so Ruhl, „doch von den Häusern, die in den vergangenen 15 Jahren die Top-Ten-Liste anführten, sind vielleicht noch zwei dort.“

Kein Wunder aber, dass Ruhl in den Boom-Zeiten fast Selbstzweifel bekam. Private Equity, Emerging Markets, Riesenräder waren vor der Krise hip – und Immobilienfonds was für Ewiggestrige. Auch DFH ließ sich anstecken und wagte Expeditionen mit Indien-Objekten und Schiffsfonds. Ein Holzweg, wie Ruhl unumwunden zugibt. Ruhls Fazit: Seine Zunft müsse lernen, dem Investor bei der Auszahlung keine 6, sondern eine 4 vor dem Komma schmackhaft zu machen. Um im Gegenzug die Sicherheitselemente zu stärken, etwa durch eine höhere Tilgung.

Ruhl erwartet, dass der Markt bald aus dem Tal kommt: „Wir prüfen derzeit zwei Immobilienprojekte, und die Vertriebskanäle signalisieren wieder steigendes Interesse. Auch bei kleineren bis mittelgroßen Stiftungen, Family Offices und Versorgungswerken mit Ticketgrößen ab einer Million Euro aufwärts gibt es eine Menge Potenzial.“

Hannover Leasing will weiterhin private und professionelle Anleger in speziellen Tranchen von alternativen Investmentfonds bündeln: „Ab einer Fondsgröße von 40 bis 50 Millionen Euro kann man die Kosten durch die Regulierung gut kompensieren. Bleibt man weit darunter, wird es eher schwierig“, so Ruhl. Vermeintliche Turbos in der Prognoserechnung wie Fremdwährungsdarlehen gehören für ihn abgeschafft.

„Auch die Beteiligungsbranche hat massiv gedopt“, zieht der begeisterte Rennradfahrer eine Parallele zum Sport. „Wir müssen durch Ehrlichkeit und Ausdauer überzeugen. Eine gute Sache wäre etwa, wenn wir die Investitionsquote bei Fonds auf 93 oder 94 Prozent hochfahren würden. Dann schwächeln sie auch nicht, wenn der Wind mal von vorn kommt.“

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